Wer gehört bei Schwangerschaftsdiabetes zur Risikogruppe? Ist Schwangerschaftsdiabetes gefährlich fürs Baby? Erfahren Sie mehr über den Schwangerschaftsdiabetes-Test und seinen Ablauf sowie über die Ursachen, Symptome und Behandlung der Erkrankung.
Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, bezeichnet erhöhte Blutzuckerwerte, die erstmals während der Schwangerschaft festgestellt werden. Häufig zeigt er sich erst im Verlauf der Schwangerschaft, weshalb in der Regel zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche ein Test empfohlen wird. Betroffen sind auch Frauen, die vor der Schwangerschaft keinen bekannten Diabetes hatten.
In der Schweiz tritt Schwangerschaftsdiabetes bei etwa 10–15% aller Schwangerschaften auf. Damit gehört er zu den häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Mit der richtigen Behandlung lässt sich Gestationsdiabetes in der Regel gut kontrollieren. Nach der Geburt normalisieren sich die Blutzuckerwerte bei vielen Frauen wieder. Eine frühzeitige Diagnose und eine angepasste Lebensweise können helfen, mögliche Risiken für Mutter und Kind deutlich zu reduzieren.
Während der Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel. Schwangerschaftshormone können dazu führen, dass die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und dabei hilft, Zucker aus dem Blut in die Zellen aufzunehmen. Dadurch steigt in der Schwangerschaft der Insulinbedarf.
Normalerweise gleicht die Bauchspeicheldrüse diesen Mehrbedarf aus, indem sie mehr Insulin produziert. Gelingt das nicht ausreichend, bleibt zu viel Zucker im Blut. Dann entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes.
Verschiedene Faktoren erhöhen das Schwangerschaftsdiabetes-Risiko:
Die typischen Anzeichen von Diabetes treten bei Gestationsdiabetes häufig, wenn überhaupt, nur in milder Form auf. Deshalb bemerken viele Betroffene die Erkrankung selbst nicht. Meist wird Schwangerschaftsdiabetes erst durch den empfohlenen Blutzuckertest in der Schwangerschaft erkannt.
Wenn der Blutzucker deutlich erhöht ist, können unspezifische Beschwerden auftreten, zum Beispiel:
Gut zu wissen: Schwangerschaftsdiabetes verursacht meist keine eindeutigen Symptome. Auch beim ungeborenen Kind zeigen sich in der Regel keine direkt wahrnehmbaren Anzeichen.
Unbehandelter oder nicht ausreichend eingestellter Schwangerschaftsdiabetes kann verschiedene Auswirkungen auf die schwangere Person und das Kind haben. Deshalb sind eine frühzeitige Diagnose und eine gute Blutzuckereinstellung besonders wichtig. Mögliche Auswirkungen auf die schwangere Person sind:
Darüber hinaus kann Schwangerschaftsdiabetes verschiedene Auswirkungen auf das Kind haben:
Etwa 40% der Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren, entwickeln in einer späteren Schwangerschaft erneut Gestationsdiabetes. Zudem entwickeln 25 bis 50% der Frauen innerhalb von 5 bis 10 Jahren Diabetes Typ 2. Auch die Kinder dieser Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes zu entwickeln. All dies sind Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche führen Ärztinnen und Ärzte einen grossen Schwangerschaftsdiabetes-Test durch. Dabei bestimmen sie zunächst den Wert Ihres Nüchternblutzuckers. Für den Zuckertest in der Schwangerschaft trinken Sie dann innerhalb weniger Minuten eine Zuckerlösung auf nüchternen Magen. Nach einer Stunde nimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen Blut ab und misst Ihren Blutzuckerwert erneut. Ist dieser Wert erhöht, folgt ein weiterer Test. Dabei prüft die medizinische Fachperson Ihren Blutzuckerwert nach einer weiteren Stunde, also zwei Stunden nach Bestimmung des Nüchternwerts.
Welche Werte haben Betroffene bei Schwangerschaftsdiabetes? Bei Schwangerschaftsdiabetes ist mindestens einer dieser Werte erhöht:
Wichtig: Essen Sie am Tag vor dem Blutzuckertest in der Schwangerschaft ab 22 Uhr nichts mehr. Verzichten Sie auch auf gesüsste Getränke und Fruchtsäfte. Trinken Sie stattdessen stilles Wasser. Treiben Sie zudem keinen Sport. All dies beeinflusst die Blutzuckerwerte und erschwert bei Schwangerschaftsdiabetes womöglich die korrekte Diagnose.
Während einer regulären Schwangerschaft übernimmt die Grundversicherung die Kosten für sieben Kontrolluntersuchungen bei einem Arzt, einer Ärztin oder einer Hebamme. Zusätzlich vergüten wir Ihnen zwei ärztlich durchgeführte Ultraschalluntersuchungen. Mit der Zusatzversicherung COMPLETA erhalten Sie 90% der Kosten für Kontroll- und Ultraschalluntersuchungen, die die Leistungen der Grundversicherung übersteigen (bis 750 Franken pro Kalenderjahr; diese Leistung gilt kumuliert für alle Massnahmen der Prävention).
Sowohl leichter als auch schwerer Schwangerschaftsdiabetes muss behandelt werden. Manchmal reicht es aus, Ihre Ernährung umzustellen. In anderen Fällen müssen Sie Insulin nehmen. Hat Ihre Gynäkologin Schwangerschaftsdiabetes bei Ihnen festgestellt, verweist sie Sie an einen Diabetologen oder eine Diabetologin. Mit dieser Fachperson besprechen Sie das weitere Vorgehen im Umgang mit Gestationsdiabetes. In der Regel lernen betroffene Frauen, ihren Blutzucker selbst zu messen. In den ersten ein bis zwei Wochen nach der Diagnose messen sie diesen vier Mal am Tag: den Nüchternwert am Morgen sowie jeweils ein bis zwei Stunden nach jeder Hauptmahlzeit. Anschliessend reicht oft eine Messung pro Tag.
Zunächst steht während der Schwangerschaft Ihre Ernährung im Zentrum. Es gilt: weniger Fett, mehr Eiweiss und grundsätzlich weniger, dafür höherwertige Kohlenhydrate. Mit einer ausgewogenen Ernährung ist Schwangerschaftsdiabetes in der Regel gut behandelbar.
Doch wie sieht eine optimale Ernährung bei Gestationsdiabetes aus? Fachleute empfehlen Betroffenen folgende tägliche Nährstoffverteilung:
Bei Schwangerschaftsdiabetes ist ein Ernährungsplan besonders wichtig. Dieser erleichtert die Umstellung der Ernährung. Im Folgenden sehen Sie ein Beispiel für einen solchen Plan:
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Mahlzeit
Lebensmittel
Frühstück
Ein kleines, ausgewogenes Frühstück kann helfen, den Blutzucker am Morgen stabiler zu halten. Geeignet ist zum Beispiel Nature-Joghurt oder Quark mit 2 bis 3 Esslöffeln Haferflocken, Beeren, Leinsamen und einigen Baumnüssen. Alternativ: eine Scheibe Vollkornbrot mit Frischkäse, Hüttenkäse oder Ei.
Zwischenmahlzeit
Gemüsesticks, zum Beispiel Gurke, Rüebli oder Peperoni, mit Hummus oder Kräuterquark.
Mittagessen
Eine ausgewogene Mahlzeit mit viel Gemüse, einer Eiweissquelle und einer kleinen Portion komplexer Kohlenhydrate. Zum Beispiel Vollkornpasta oder Vollreis mit Tomatensauce, Zucchetti, Peperoni und Poulet, Tofu, Linsen oder Kichererbsen.
Zwischenmahlzeit
Ein kleiner Apfel oder eine Handvoll Beeren, kombiniert mit Nature-Joghurt, Quark oder einigen Nüssen. So steigt der Blutzucker meist langsamer an als bei Obst allein.
Abendessen
Ein Teller mit reichlich Gemüse oder Salat, dazu eine Eiweissquelle wie Fisch, Ei, Poulet, Hüttenkäse, Tofu oder Hülsenfrüchte. Ergänzend eignet sich eine kleine Portion Vollkornbrot, Kartoffeln oder Quinoa.
Späte Zwischenmahlzeit bei Bedarf
Eine kleine eiweissreiche Zwischenmahlzeit, zum Beispiel Nature-Joghurt, Quark, Hüttenkäse oder eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse. Das kann gerade über Nacht unterstützend sein.
Nehmen Sie lieber mehrere kleine statt wenige grosse Mahlzeiten zu sich. So vermeiden Sie Blutzuckerspitzen. Reduzieren Sie ausserdem den Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Süssigkeiten. Zero- und Light-Getränke sind ab und zu erlaubt. Halten Sie sich unbedingt an die Empfehlungen Ihrer Diabetologin oder Ihres Diabetologen. Ernährungsumstellungen wie die Louwen-Diät, die nicht auf Schwangerschaftsdiabetes abgestimmt sind, besprechen Sie am besten vorab mit einer Fachperson.
Hinweis: Trockenfrüchte als Zwischenmahlzeit eher vermeiden, da sie konzentriert Fruchtzucker enthalten und den Blutzucker schneller ansteigen lassen können. Besser sind frische Früchte in kleiner Portion und kombiniert mit Eiweiss oder Nüssen.
Verschaffen Sie sich zudem ausreichend Bewegung im Alltag. Was muss man in diesem Fall bei Schwangerschaftsdiabetes beachten? Bewegen Sie sich mindestens drei Mal pro Woche jeweils 30 Minuten lang in moderatem Tempo. Dazu bietet sich leichter Sport in der Schwangerschaft wie Schwimmen oder spezifische Kurse für werdende Mütter an. Denn durch ausreichende Bewegung nehmen Ihre Zellen das Insulin womöglich besser auf und bauen den Zucker effektiver ab.
Bei Schwangerschaftsdiabetes messen Betroffene ihre Blutzuckerwerte regelmässig selbst. Die Werte werden anschliessend gemeinsam mit der Ärztin, dem Arzt oder einer Diabetesfachperson beurteilt. Häufig lassen sich die Blutzuckerwerte bereits durch eine angepasste Ernährung und regelmässige, schwangerschaftsgerechte Bewegung ausreichend senken.
Bleiben die Werte trotz dieser Massnahmen wiederholt über dem Zielbereich, kann eine Insulintherapie notwendig werden.
Bei einigen Frauen reicht eine Spritze am Abend aus, andere hingegen benötigen das Insulin jeweils einmal morgens und einmal abends. Das gespritzte Insulin wirkt über einen längeren Zeitraum (Verzögerungsinsulin). Oft spritzen sich betroffene Frauen zusätzlich ein kurz wirksames Insulin vor jeder Mahlzeit. Ihre Diabetologin oder Ihr Diabetologe berät Sie zur richtigen Dosierung von Insulin bei Schwangerschaftsdiabetes.
In den meisten Fällen verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes kurz nach der Geburt von allein. Zur Sicherheit führt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt etwa sechs Wochen nach der Geburt jedoch einen weiteren Blutzuckertest durch. Danach reicht eine jährliche Kontrolle. Das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken ist nach Gestationsdiabetes noch über Jahre hinweg erhöht.
Nach der Geburt kontrolliert eine Fachperson den Blutzuckerspiegel Ihres Kindes regelmässig. Eine angemessene Ernährung ist sehr wichtig, damit sich der Stoffwechsel Ihres Kindes anpasst. Ihre Hebamme, Pflegefachpersonen und die Stillberatung beraten Sie gerne zu diesem Thema.
Übrigens: Schwangere Frauen mit Diabetes können bereits kurz vor der Geburt Vormilch (Kolostrum) ausstreichen und einfrieren. Geben Sie diese Ihrem Kind nach der Geburt bei Bedarf zusätzlich.
Ob und wie sich Schwangerschaftsdiabetes verhindern lässt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Fachleute empfehlen Frauen mit Übergewicht jedoch, abzunehmen. So können sie ihr Risiko, Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, mindern. Eine Gewichtsabnahme erreichen sie beispielsweise durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.
Schwangerschaftsdiabetes ist kein Grund für Panikmache. Denn meist verläuft eine Schwangerschaft mit behandeltem Gestationsdiabetes ohne Probleme. Nehmen Sie alle Vorsorgeuntersuchungen ernst und wenden Sie sich bei Unsicherheiten unbedingt an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Gerne helfen wir Ihnen weiter.