Was ist Stressmanagement ? Was macht eigentlich das Stresshormon Cortisol mit mir und wie kann ich Stress abbauen? Welche unterschiedlichen Ansätze und Übungen gibt es dabei? Erfahren Sie, welche Strategien bei der Stressbewältigung unterstützen und wie Sie lernen, mit belastenden Situationen besser umzugehen.
Stressige Phasen sind selbst mit der besten Stressprävention nahezu unvermeidbar. Immer wieder gibt es Situationen, in denen Sie unter Zeitdruck stehen oder durch bestimmte Ereignisse belastet sind. In solchen Momenten ist der richtige Umgang mit Stress entscheidend. Denn Menschen, die verschiedene Strategien zur Stressbewältigung im Alltag anwenden, können ihre Resilienz stärken und ihre psychische Gesundheit langfristig unterstützen.
Fachpersonen unterscheiden diese Strategien nach ihrem Ansatz und ordnen sie den 3 Säulen der Stressbewältigung zu:
Stress ist per Definition nicht bloss ein Gefühl. Denn wenn Sie gestresst sind, kommt es zu einer vermehrten Stresshormonausschüttung. Dabei spielt das, umgangssprachlich auch oft als Stresshormon betitelte Cortisol eine wichtige Rolle. Es macht Energie in Belastungssituationen verfügbar und reguliert das Herz-Kreislauf-System, damit der Organismus reaktionsfähig bleibt.
Das ist zunächst sinnvoll. Bei anhaltendem oder chronischem Stress kann das Stresssystem jedoch dauerhaft aktiviert bleiben. Dies kann den Cortisolspiegel erhöhen und dadurch typische Stresssymptome verstärken. Dazu gehören beispielsweise Verspannungen, Bluthochdruck, ein geschwächtes Immunsystem und ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen.
Damit Stress nicht dauerhaft zur Belastung wird, braucht der Körper nach anstrengenden Phasen ausreichend Erholung. Die verschiedenen Methoden des Stressmanagements sollten dabei unterstützten, die Stressreaktion zu regulieren, sich schneller zu erholen und langfristigen Stress zu vermeiden.
Beim instrumentellen Stressmanagement setzen Sie gezielt an den Stressoren an – also an den unmittelbaren Faktoren, die Stress auslösen. Dazu zählen beispielsweise Zeitdruck am Arbeitsplatz oder herausfordernde soziale Situationen. Ziel ist es, mit verschiedenen Massnahmen Stressoren zu reduzieren, zu beeinflussen oder zu versuchen, sie besser zu bewältigen.
Wie kann man durch wirksames Zeitmanagement Stress abbauen? Folgendes hilft Ihnen dabei:
Diese Tipps unterstützen die Stressbewältigung – sowohl am Arbeitsplatz als auch im privaten Umfeld.
Reden Sie offen über Ihre Anliegen und stärken Sie Ihre Fähigkeit, sich mitzuteilen. Sagen Sie auch einmal «Nein» oder «Jetzt nicht», wenn eine Person etwas erwartet oder fordert, das Sie im Moment nicht leisten können. Viele Menschen tun sich schwer damit, Nein zu sagen. Sie möchten niemanden enttäuschen, wollen hilfsbereit sein oder befürchten, dass ihre Ablehnung negativ aufgenommen wird. Wer jedoch die eigenen Bedürfnisse immer wieder zurückstellt, überfordert sich auf Dauer. Grenzen zu setzen ist nicht egoistisch. Es zeigt vielmehr, dass Sie verantwortungsvoll mit Ihrer Zeit und Ihrer Energie umgehen. Fällt Ihnen das schwer, beginnen Sie mit kleinen Schritten. Üben Sie in Situationen mit geringem Risiko – zum Beispiel, wenn Sie zu einer spontanen Verabredung eingeladen werden, obwohl Sie müde sind. Sagen Sie dann etwa: «Heute nicht, danke.» oder «Ich brauche heute Zeit für mich.». Hilfreich kann auch sein, nicht sofort zuzusagen. Gönnen Sie sich Bedenkzeit und prüfen Sie, ob Sie für eine Verabredung oder eine Aufgabe genügend Zeit und Energie haben. Formulierungen wie «Ich überlege es mir und gebe dir Bescheid» oder «Im Moment kann ich das leider nicht übernehmen» schaffen Raum für eine bewusste Entscheidung. Wer die eigenen Grenzen kennt und klar kommuniziert, schützt sich vor Überlastung. Das stärkt langfristig die Gesundheit und hilft, leistungsfähig zu bleiben.
Unterstützung suchen, Belastungen teilen und Hilfe annehmen – all das sind wirksame Strategien der Stressbewältigung. Bitten Sie Ihre Familie oder Freundinnen und Freunde aktiv um Entlastung, zum Beispiel beim Kochen, Einkaufen oder bei der Organisation des Alltags. Sprechen Sie mit nahen stehenden Personen über das, was Sie bedrückt. Oftmals reicht es, belastende Dinge auszusprechen, um Abstand zu gewinnen und neue Perspektiven zu erhalten. Vielen Menschen fällt es schwer, Unterstützung anzunehmen, weil sie alles alleine bewältigen möchten oder niemanden belasten wollen. Hilfe anzunehmen ist jedoch kein Zeichen von Schwäche, sondern eine wirksame Form der Stressbewältigung.
Manchmal reicht es nicht, Stress besser zu managen. Nicht immer kann eine Situation mit kleinen Anpassungen gelöst werden. Dann kann eine grössere Veränderung helfen. Wenn eine Situation Sie dauerhaft belastet und sich nicht verbessert, lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken. Beispielsweise kann ein Umzug sinnvoll sein, wenn die Wohnsituation ständig Stress verursacht. Auch Beziehungen oder andere Lebensumstände sollten Sie hinterfragen, wenn sie Ihnen mehr Energie rauben, als sie geben. Solche Entscheidungen sind oft nicht einfach und brauchen Zeit. Langfristig können sie aber dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Mentale Strategien zur Stressbewältigung setzen bei Ihren persönlichen Stressverstärkern an. Dazu gehören innere Einstellungen, Denkmuster und Bewertungen, die Stress fördern können. Wer etwa jeden kleinen Fehler als Versagen bewertet, sehr perfektionistisch ist oder dazu neigt, zu grübeln oder vorschnell negativ zu bewerten, erlebt mehr Stress – obwohl die Situation, objektiv gesehen, nicht bedrohlich ist. Die subjektive Wahrnehmung und Bewertung macht sie jedoch belastend. Die folgenden Strategien helfen Ihnen, solche Denkmuster zu erkennen und zu verändern.
Gedanken umzustrukturieren, hilft gegen Stress. Versuchen Sie, belastende Situationen möglichst realistisch und gleichzeitig zuversichtlich zu betrachten. Fragen Sie sich zum Beispiel, ob Ihre Befürchtungen tatsächlich eintreten werden oder ob es auch andere mögliche Entwicklungen gibt. Die wenigsten Dinge enden so schlimm, wie wir im ersten Moment befürchten. Wenn Sie merken, dass Sie ins Grübeln geraten, sagen Sie sich bewusst «Stopp!», und richten Sie den Blick aufs Wesentliche. Fragen Sie sich : «Was ist das Gute an dieser Situation?», «Was kann ich daraus lernen?» oder «Wie wahrscheinlich ist es, dass meine Befürchtung tatsächlich eintrifft?».
Vertrauen Sie auf Ihre eigenen Fähigkeiten und bisherigen Erfahrungen. Oft hilft es auch, sich an Menschen zu orientieren, die in schwierigen Situationen gelassen und optimistisch bleiben. Nehmen Sie sie zum Vorbild und fragen Sie sich: «Wie würde die Person mit dieser Situation umgehen?»
Lösen Sie sich von der Vorstellung, alles perfekt machen zu müssen. Gehen Sie die Dinge lieber effizient und mit Augenmass an. Streben Sie dabei ein gutes Ergebnis an, statt Perfektion. Denn die kostet oft viel Zeit und Energie und kann unnötigen Stress verursachen. Denken Sie ganz bewusst: «Ich darf auch Fehler machen», «Weniger ist manchmal mehr» oder «Ich gebe mein Bestes und achte gleichzeitig auf mich». Solche Gedanken können helfen, den eigenen Anspruch zu relativieren und den Druck zu reduzieren. Schreiben Sie sich den Satz, der Sie am meisten anspricht, auf einen Zettel. Kleben Sie ihn an einen Ort, an dem Sie ihn immer wieder sehen.
Wenn Sie belastende Situationen aus einer anderen Perspektive betrachten, können Sie sie neu bewerten und gelassener damit umgehen.
Akzeptieren Sie, dass manche Dinge ausserhalb Ihres Einflussbereichs liegen. Lösen Sie sich von allem, was Sie nicht beeinflussen können. Sie müssen nicht immer alles im Griff haben. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf das, was Sie tatsächlich beeinflussen können. Fragen Sie sich: «Was kann ich in dieser Situation konkret tun oder beeinflussen?». Was schiefläuft, sagt nichts über Ihren Wert als Person aus.
Hilfreich ist auch, einen belastenden Gedanken mit etwas Abstand zu betrachten. Nehmen Sie den Gedanken zur Kenntnis, aber lassen Sie sich nicht von ihm mitreissen. Beobachten Sie ihn, ohne sofort darauf zu reagieren. Schreiben Sie ihn zum Beispiel auf ein Blatt Papier und legen Sie es beiseite. Der Gedanke ist noch da, aber er bestimmt nicht mehr Ihre ganze Aufmerksamkeit und Ihr Handeln.
Nehmen Sie auch dieses hilfreiche mentale Bild zur Hilfe: Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer Autobahnbrücke und beobachten den Verkehr. Die vorbeifahrenden Autos stehen für Ihre Gedanken. Manchmal fährt nur ein einzelnes Auto, manchmal viele auf einmal. Einige fallen besonders auf, andere verschwinden schnell wieder. Sie müssen keinem dieser Autos folgen. Egal was passiert – Sie stehen fest auf der Brücke und die Autos ziehen vorbei. Genau so können auch belastende Gedanken vorbeiziehen, wenn Sie sie nicht festhalten.
Äussere Stressoren und innere Stressverstärker lassen sich nicht immer vermeiden oder verändern. Bei den regenerativen Methoden zur Stressbewältigung geht es deshalb darum, die körperliche und die psychische Erholung zu fördern sowie die Folgen von Belastungen auszugleichen. Bewusste Erholungsphasen, Entspannungstechniken und gesundheitsförderliche Aktivitäten gehören dazu.
Wenn Sie sich regelmässig entspannen, können Sie nicht nur akuten Stress abbauen. Sondern Sie trainieren damit auch langfristig, gelassener auf Belastungen zu reagieren. Diese Stressbewältigungsmethoden helfen Ihnen dabei:
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Auch regelmässige Bewegung oder Sport ist eine entscheidende Technik zur Stressbewältigung. Geeignet sind insbesondere Ausdauersportarten wie Velofahren, Schwimmen oder Joggen. Aber auch andere Bewegungsformen wie Krafttraining, Yoga oder Wandern können das Wohlbefinden fördern. Regelmässige körperliche Aktivität hilft, das Stresssystem zu regulieren, Spannungen abzubauen und die psychische Gesundheit zu stärken. Achtung: Sehr intensives oder übermässiges Training kann den Körper zusätzlich belasten.
Soziale Kontakte beeinflussen, wie Sie mit Stress umgehen. Sie stärken Ihre Selbstwirksamkeit und Ihren Selbstwert. Beides hilft Ihnen, schwierige Situationen besser zu bewältigen. Soziale Unterstützung gilt laut Forschung als eine der wichtigsten Schutzfaktoren gegen die negativen Folgen von Stress. Sie kann helfen, Stress besser zu bewältigen und das Wohlbefinden zu stärken. Familie, Freundinnen und Freunde geben Halt, hören zu und stehen in schwierigen Zeiten zur Seite. Das stärkt das Gefühl, nicht allein zu sein. Fehlt diese Unterstützung, fühlen sich Belastungen oft schwieriger an.
Stress entsteht häufig, wenn Verpflichtungen und Pendenzen zu viel Raum einnehmen und Erholung zu kurz kommt. Sorgen Sie dafür, dass auch Zeit für Familie, Freundschaften und Hobbys bleibt. Freizeitaktivitäten schaffen Abstand. Malen, kochen, töpfern, gärtnern oder basteln: Alles, was Ihnen Freude macht und Sie den Alltag für eine Weile vergessen lässt, hilft Ihrem Geist, sich zu erholen. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut Sie etwas können. Wichtig ist, dass es Ihnen Freude macht. Neues auszuprobieren und dazuzulernen, stärkt zudem das Selbstvertrauen. Nehmen Sie sich deshalb bewusst Zeit für Aktivitäten, die Ihnen guttun.
Mit festen Gewohnheiten wirken Sie körperlichen und psychischen Symptomen in belastenden Phasen entgegen. Bei der Stressbewältigung unterstützen diese Tipps:
Kein Mensch ist frei von Stress. Aber Sie entscheiden, wie Sie damit umgehen. Die genannten Stressbewältigungsmethoden geben Ihnen ein konkretes Werkzeug an die Hand. Testen Sie verschiedene Ansätze und entdecken Sie, was zu Ihrem Alltag passt. Bemerken Sie jedoch andauernde Stresssymptome oder fühlen Sie sich in Ihrem Alltag stark beeinträchtigt, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder einer anderen qualifizierten Fachperson.
Fühlen Sie sich häufig gestresst im Alltag? Das Programm «Stressmanagement» in der Helsana Coach App hilft Ihnen, Stress bei sich zu erkennen und nützliche Stressbewältigungsübungen (z. B. Meditation) umzusetzen.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Pascale Ingold ist Arbeitspsychologin (Master of Science [MSc] in Angewandter Psychologie) und hat ein CAS Coaching in der Praxis absolviert. Sie arbeitet als Fachspezialistin im Bereich Health & Diversity bei Helsana. Sie unterstützt Führungspersonen und Mitarbeitende bei Themen rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement.
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