Was ist Stress – und wann wird er zum Problem? Welche Stressarten gibt es? Erfahren Sie, woran Sie Stress erkennen und welche Ursachen er haben kann.
Stress ist die körperliche und psychische Reaktion auf Anforderungen, die wir als herausfordernd oder bedrohlich erleben. Er entsteht, wenn äussere oder innere Belastungen unsere eigenen Bewältigungsressourcen übersteigen und wir diese gleichzeitig als unzureichend einschätzen. Dabei entsteht das Gefühl, einer Situation nicht gewachsen zu sein.
Bei einer Stressreaktion aktiviert das Gehirn zwei Systeme. Zunächst schüttet der Körper innerhalb von Sekunden die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an. Diese sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion bereitet den Organismus auf schnelles Handeln vor.
Der Körper reagiert auf Stress sehr schnell und setzt dabei das Hormon Cortisol frei. Cortisol sorgt dafür, dass wir kurzfristig mehr Energie haben, wacher sind und mehr leisten können. Diese Reaktion ist grundsätzlich sinnvoll, solange auf Anspannung auch wieder Erholung folgt. Fehlen diese Pausen über längere Zeit, bleibt der Körper im Alarmzustand. Das kann die Gesundheit belasten.
Die Forschung unterscheidet die verschiedenen Arten von Stress nach zwei Kriterien: Nach dem Psychologen Richard Lazarus entsteht Stress nicht nur durch eine Situation selbst, sondern auch durch unsere Bewertung davon.
Wichtig ist auch, wie lange der Stress anhält. Kurzfristiger Stress vergeht oft schnell. Dauert eine belastende Situation jedoch länger und fühlen wir uns ihr nicht gewachsen, bleibt der Stress bestehen. Beide Kriterien beeinflussen, wie stark sich Stress auf Körper und Psyche auswirkt.
Ob Stress als herausfordernd/motivierend oder belastend/bedrohlich empfunden wird, hängt von der individuellen Bewertung ab. Dieselbe Situation wirkt auf verschiedene Menschen unterschiedlich:
Menschen bewerten Situationen immer wieder neu. Stress kann dadurch laufend zu- oder abnehmen.
Neben der Bewertung beeinflusst auch die Dauer, wie sich Stress auf den Körper auswirkt. Je nachdem, ob eine Belastung kurzfristig auftritt oder über längere Zeit anhält, ergeben sich unterschiedliche Folgen. Es gibt zwei Ausprägungen:
Zwischen beiden Arten von Stress liegt der sogenannte episodisch akute Stress. Auch akuter Stress kann die Gesundheit belasten, wenn es zu regelmässigen und in kurzen Abständen wiederkehrenden Stressspritzen kommt. Etwa durch einen dauerhaft überladenen Alltag.
Die Begriffe «Eustress» (positiver Stress) und «Distress» (negativer Stress) werden heute immer weniger verwendet. Forschung zeigt: Stress ist nicht von sich aus gut oder schlecht, sondern hängt vor allem davon ab, wie wir eine Situation einschätzen und wie gut wir damit umgehen können.
Eine und dieselbe Situation kann für die eine Person motivierend/herausfordernd und für die andere belastend sein. Entscheidend ist also weniger die Art des Stresses, sondern unsere Bewertung davon und unsere Ressourcen.
Die Ursachen von Stress sind vielfältig. Bestimmte Reize und Belastungen – sogenannte Stressoren – lösen im Körper eine Stressreaktion aus. Wie stark ein Stressor wirkt, hängt vom Zusammenspiel zwischen der jeweiligen Belastung, Bewertung und den individuellen Ressourcen ab. Wer bereits unter Anspannung steht, reagiert auch empfindlicher auf zusätzliche Reize.
Ein Beispiel: Ein voller Terminkalender ist ein Stressor. Er löst Stress aus. Die daraus entstehenden Gefühle wie Überforderung oder Nervosität sind die Reaktion darauf. Vereinfacht gesagt: Der Stressor ist der Auslöser, die Gefühle sind die Antwort des Körpers und der Psyche darauf.
Stressoren lassen sich nach ihrer Herkunft in zwei Gruppen einteilen.
Psychische Stressoren entstehen, wenn wir mental gefordert sind. Beispielsweise durch hohe Anforderungen, Unsicherheit oder Zeitdruck. Entscheidend ist dabei, wie wir eine Situation bewerten. Auch belastende Erlebnisse oder anhaltendes Grübeln können den Stress verstärken.
Soziale Stressoren entstehen durch zwischenmenschliche Spannungen, z. B. Konflikte, Kritik oder fehlende Wertschätzung, und können starke Gefühle wie Angst, Ärger oder Unsicherheit auslösen.
Beide Arten von Stressoren hängen eng zusammen und treten oft gleichzeitig auf. Wie wir eine Situation einschätzen, beeinflusst direkt, was wir fühlen.
Zu den häufigsten psychischen und sozialen Stressoren zählen:
Innere Faktoren wie negative Denkmuster oder ein geringes Selbstvertrauen wirken als Verstärker. Perfektionismus, hohe Selbstansprüche und die Schwierigkeit, Grenzen zu setzen, können die Empfindlichkeit gegenüber äusseren Belastungen und das Stressempfinden verstärken. Denn sie tragen dazu bei, dass eine Situation eher als Bedrohung und als nicht bewältigbar bewertet wird.
Körperliche und äussere Stressoren sind Einflüsse, die direkt auf den Körper wirken. Der Körper reagiert darauf schnell und meist automatisch – oft bevor eine bewusste Bewertung passiert. Gleichzeitig prüft unser Nervensystem blitzschnell, ob die Situation als bedrohlich wahrgenommen wird. Auch wenn diese Einschätzung unbewusst passiert, wird eine entsprechende Reaktion ausgelöst. Zu den häufigsten körperlichen und äusserlichen Stressoren zählen:
Psychische, soziale, körperliche und äussere Belastungen treten selten einzeln auf. Oft hängen sie zusammen und verstärken sich gegenseitig.
Stress wirkt sich nicht nur auf die Psyche aus, sondern zeigt sich am gesamten Körper. Das Gehirn aktiviert bei psychischen und körperlichen Stressoren dieselben Stressachsen. Einzelne Symptome sind normal und Ausdruck einer kurzfristigen Anpassungsreaktion. Treten sie jedoch gehäuft auf oder halten sie über mehrere Wochen an, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.
Stress beeinflusst das Denken, die Gefühlswelt und das Verhalten gleichermassen. Psychische Symptome bei Stress betreffen dabei die geistige Leistungsfähigkeit ebenso wie die emotionale Stabilität. Zu den häufigsten Stresssymptomen zählen:
Die Symptome äussern sich häufig schleichend und bleiben deshalb lange unbemerkt. Bei anhaltendem Stress verstärken sich die Beschwerden und gehen teilweise in Symptome einer Depression über. Es hilft, Warnsignale frühzeitig ernst zu nehmen, um rechtzeitig gegenzusteuern.
Körperliche Anzeichen von Stress betreffen dabei verschiedene Organsysteme und äussern sich bei jeder Person unterschiedlich. Zu den häufigsten gehören:
Körperliche Stressreaktionen können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden ist daher eine medizinische Untersuchung ratsam.
Stress betrifft Frauen und Männer gleichermassen. Dennoch zeigen Studien Unterschiede in der Wahrnehmung und im Ausdruck von Stresssymptomen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) liegt die emotionale Erschöpfungsrate bei jungen Frauen bei 41%, bei jungen Männern bei 14,4%.
Frauen berichten häufiger über emotionale Beschwerden wie Erschöpfung, Stimmungsschwankungen und Schlafprobleme. Männer äussern Stress eher über körperliche Symptome wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Rückenschmerzen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen zudem hormonelle Unterschiede in der Stressverarbeitung.
Kurzfristiger Stress hinterlässt in der Regel keine bleibenden Schäden. Hält die Belastung jedoch über längere Zeit an, entwickeln sich aus Symptomen ernsthafte gesundheitliche Folgen. Dauerstress betrifft dabei nahezu alle Bereiche des Organismus. Die Folgen von chronischem Stress zeigen sich am Körper sowie in der Psyche:
Auch Kinder erleben Stress – durch schulischen Druck, familiäre Konflikte, Mobbing oder Reizüberflutung. Laut einer Stress-Studie von Pro Juventute steht ein Drittel der Kinder in der Schweiz unter hohem Stress. Bereits jedes vierte Kind unter elf Jahren ist davon betroffen. Gestresste Kinder zeigen sich deutlich ängstlicher und unsicherer. Ihr persönliches Wohlbefinden leidet.
Hält der Stress bei Kindern länger an, hat das langfristige Folgen. Der Stress beeinträchtigt die emotionale Entwicklung und das Risiko für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter – darunter Angststörungen und depressive Erkrankungen.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 von Travail.Suisse, dem Dachverband der Arbeitnehmenden, betrifft Stress vier von zehn Erwerbstätige in der Schweiz. Zu den Folgen von Stress zählen Leistungseinbussen, häufigere Fehlzeiten und im schlimmsten Fall ein Burnout. Besonders belastend wirken hoher Zeitdruck bei geringem Handlungsspielraum, fehlende Wertschätzung, ständige Erreichbarkeit und Mobbing am Arbeitsplatz. Ein Fünftel der Befragten hält es für fast unmöglich, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Doch genau hier liegt der Trigger: Eine gesunde «Work-Life-Balance», klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sowie eine offene Gesprächskultur im Team helfen, Stress früh zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Ebenso tragen kurze, regelmässige Pausen, bewusst eingeplante Erholungszeiten, gegenseitige Unterstützung im Team und klare Prioritäten im Arbeitsalltag dazu bei, die Belastung zu reduzieren und langfristig gesund zu bleiben.
Der erste Schritt im Umgang mit Stress ist, die eigenen Belastungen zu erkennen. Wer versteht, was Stress ist und welche Situationen ihn auslösen, reagiert früher auf Warnsignale. Unser Stresstest unterstützt Sie dabei, Ihre persönlichen Belastungsfaktoren einzuordnen. Darauf aufbauend helfen bewusste Veränderungen im Alltag. Planen Sie bewusste Pausen ein und gehen Sie spazieren. Auch wenige Minuten täglich mit gezielten Entspannungstechniken sorgen für Entlastung. Weitere Ansätze finden Sie in unserem Beitrag Tipps zur Stressbewältigung.
Nehmen Sie anhaltende Beschwerden ernst. Bei chronischem Stress lohnt sich eine professionelle Behandlung bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Je früher Sie sich Unterstützung holen, desto einfacher gelingt der Weg zurück zu mehr Gleichgewicht und Energie im Alltag.
Lernen Sie, mit Stress besser umzugehen. Online-Coaching-Anwendungen wie die Helsana Coach App helfen dabei. Sie vermitteln wertvolles Wissen auf einfache und kurzweilige Art. Die Tipps und Übungen zu Motivation, Konzentration, Schlaf und Entspannung bringen mehr Ruhe in Ihren Alltag. Der Vorteil: Mit dem Helsana-Coach kann man rund um die Uhr darauf zugreifen. Wer etwa nach einer Entspannungsübung sucht, wird mit wenigen Klicks fündig.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Pascal Ingold ist Arbeitspsychologin (Master of Science (MSc) in Angewandter Psychologie) und arbeitet als Fachspezialistin im Bereich Health & Diversity bei Helsana. Sie unterstützt Führungspersonen und Mitarbeitende in Themen rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement.
Erfahren Sie monatlich mehr über aktuelle Gesundheitsthemen und erhalten Sie alle Informationen zu den attraktiven Angeboten aller Gesellschaften der Helsana-Gruppe * bequem per E-Mail zugestellt. Registrieren Sie sich kostenlos für unseren Newsletter.
Ihre Daten konnten nicht übermittelt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
* Zur Helsana-Gruppe gehören die Helsana Versicherungen AG, Helsana Zusatzversicherungen AG sowie die Helsana Unfall AG.