Was sollte ich bei einem Reizdarm nicht essen? Welche Lebensmittel fördern Beschwerden und was hilft dagegen? Wie unterscheidet sich ein Reizdarm von Morbus Crohn und gibt es eine Therapie? Erfahren Sie mehr über das Reizdarmsyndrom und dessen Behandlung.
Der Reizdarm, auch Reizkolon genannt, ist eine funktionelle Störung des Verdauungssystems. Er zählt zu den häufigsten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und tritt in sehr unterschiedlicher Ausprägung auf. Fachlich spricht man von einem Syndrom, weil mehrere typische Beschwerden gemeinsam auftreten und sich mit den üblichen Untersuchungen keine organischen Veränderungen nachweisen lassen. Deshalb gilt das Reizdarmsyndrom (RDS) als Ausschlussdiagnose: Obwohl die Beschwerden teilweise stark sind, lassen sich mit den üblichen Untersuchungen keine Veränderungen im Darm nachweisen. Typisch für das Reizdarmsyndrom sind wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden, die den Darm betreffen. Dazu gehören auch Veränderungen beim Stuhlgang, die von Durchfall bis zu Verstopfung reichen. Der Verlauf eines Reizdarmsyndroms ist sehr individuell: Bei manchen Betroffenen bilden sich die Beschwerden spontan zurück, bei anderen halten sie dauerhaft an.
Wichtig: Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich. Es führt nicht zu bleibenden Schäden und löst keine schwerwiegenden Erkrankungen des Verdauungstraktes aus. Viele Menschen empfinden den Reizdarm dennoch als belastend. Die Symptome erschweren oft den Alltag. Betroffene fühlen sich unwohl und weniger leistungsfähig.
Das Reizdarmsyndrom und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterscheiden sich deutlich. Ein Reizdarm verursacht zwar vielfältige Beschwerden wie Bauchkrämpfe und Blähungen, löst aber keine Entzündungen im Verdauungstrakt aus. Morbus Crohn betrifft den gesamten Verdauungstrakt – vom Mund bis zum After – und verursacht chronische Entzündungen, die tiefer in die Darmwand eindringen. Colitis ulcerosa beschränkt sich dagegen auf den Dickdarm und betrifft vor allem die Schleimhaut. Beide Erkrankungen führen häufig zu blutigem Durchfall, Gewichtsverlust und allgemeinem Krankheitsgefühl. Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen haben zudem ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.
Das Reizdarmsyndrom beginnt häufig im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Typisch ist ein Verlauf in Schüben: Symptome treten über einen gewissen Zeitraum auf, klingen ab und kommen oft zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Die Beschwerden sind unterschiedlich stark und variieren von Mensch zu Mensch. Die Anzeichen eines Reizdarms beziehen sich auf den Stuhlgang und werden meistens von weiteren Beschwerden des Verdauungssystems begleitet. Zu den typischen Symptomen des Reizdarmsyndroms zählen:
Die Beschwerden verändern sich im Verlauf oft und treten nicht immer in gleicher Form auf. Neben den typischen Darmproblemen berichten viele Betroffene eines Reizdarms von zusätzlichen Symptomen wie Rückenschmerzen oder anhaltender Müdigkeit. Da ähnliche Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen auftreten, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig. So erhalten Sie eine klare Diagnose und die passende Unterstützung für Ihre Beschwerden.
Bei Kindern zeigt sich das Reizdarmsyndrom in ähnlicher Form wie bei Erwachsenen – mit Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder wechselnden Stuhlgewohnheiten. Zusätzlich treten bei Kindern mit einem Reizdarm häufiger Übelkeit oder Erbrechen auf. Studien zufolge ist das Reizdarmsyndrom bei Mädchen häufiger verbreitet als bei Jungen.
Die genaue Ursache des Reizdarmsyndroms ist bislang nicht eindeutig geklärt. Studien zeigen, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken. Fachleute sprechen von einem vielschichtigen Prozess, an dem Darm, Nervensystem, Immunsystem und psychische Einflüsse beteiligt sind. Zu den möglichen Ursachen eines Reizdarms zählen unterschiedliche innere und äussere Faktoren:
Oft wirken mehrere dieser Faktoren zusammen. Das erschwert die Diagnose und die Behandlung. Ausserdem lässt sich häufig nicht eindeutig feststellen, ob ein bestimmter Faktor den Reizdarm auslöst oder sich erst im Verlauf der Erkrankung entwickelt.
Ein Reizdarmsyndrom liegt vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Einen speziellen Test, der das Reizdarmsyndrom direkt nachweist, gibt es nicht. RDS ist eine Ausschlussdiagnose. Ärztinnen und Ärzte prüfen daher andere mögliche Ursachen. Zu Beginn steht in der Regel ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, bekannte Unverträglichkeiten und bestehende Erkrankungen. Anschliessend folgt eine körperliche Untersuchung des Bauches, ergänzt durch Bluttests und Stuhluntersuchungen. So lassen sich zum Beispiel Infektionen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausschliessen. Je nach Beschwerden folgen weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Darmspiegelung. Sie dient dazu, einen Reizdarm von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder anderen Veränderungen im Verdauungstrakt abzugrenzen.
Wichtig: Manche Symptome passen nicht zu einem Reizdarm. Blut im Stuhl oder Fieber sind Warnzeichen für andere, ernsthafte Erkrankungen. Lassen Sie solche Beschwerden deshalb immer sofort ärztlich abklären.
Es gibt keine Standardtherapie, die einen Reizdarm heilt. Da das Krankheitsbild so vielseitig ist, kommen verschiedene Massnahmen für die Behandlung infrage. Welche Behandlungsmethoden wann sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden ab. Ärztinnen und Ärzte empfehlen häufig, unterschiedliche Methoden auszuprobieren und die eigene Reaktion zu beobachten. Viele Betroffene von RDS entwickeln mit der Zeit ein Gespür dafür, welche Faktoren ihre Symptome verstärken oder lindern. Ziel ist es, Beschwerden mit einem gesunden Lebensstil, einer passenden Ernährung und bei Bedarf Medikamenten besser zu kontrollieren.
Viele Massnahmen lassen sich im Alltag einfach umsetzen und können die Beschwerden deutlich beeinflussen. Oft sind es kleine Veränderungen, die eine grosse Wirkung haben:
Pfefferminzöl gilt als wirksames Hausmittel bei einem Reizdarm. Es entspannt die Darmmuskulatur und lindert so krampfartige Schmerzen sowie Blähungen. Auch Kombinationen aus Pfefferminz, Kümmel und Anis zeigen positive Effekte auf Schmerzen und Völlegefühl.
Darüber hinaus greifen viele Betroffene eines Reizdarmsyndroms zu einfachen Selbsthilfemassnahmen. So werden beispielsweise Wärmflaschen oder warme Bäder im Alltag als wohltuend und hilfreich bei Bauchschmerzen und Krämpfen empfunden.
Medikamente kommen bei einem Reizdarm je nach Beschwerden zum Einsatz. Je nach Art und Ausprägung eignen sich verschiedene Wirkstoffe. Diese Medikamente unterstützen oft die Behandlung eines Reizdarmsyndroms:
Wichtig: Nehmen Sie Medikamente gegen einen Reizdarm nicht ohne ärztlichen Rat ein. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten, welche Behandlung für Ihre Beschwerden geeignet ist.
Der Reizdarm gilt nicht als reine psychosomatische Störung, aber er verdeutlicht die Verbindung zwischen Darm und Psyche. Psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen verstärken häufig die körperlichen Symptome des Reizdarmsyndroms. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Stress, Anspannung, Ängste oder Sorgen verschlimmern die Beschwerden. Diese erhöhen wiederum die seelische Belastung. Dieser Kreislauf verstärkt sich häufig mit der Zeit und beeinflusst sowohl das körperliche Wohlbefinden als auch die psychische Stabilität.
Fachleute sehen das Reizdarmsyndrom deshalb nicht nur als reine Darmstörung. Auch das Nervensystem und die Psyche spielen eine wichtige Rolle. Akute oder anhaltende Anspannung wirkt sich auf die Verdauung aus und macht den Darm empfindlicher. Dadurch verändern sich Darmbewegung und Verdauung. Das kann in stressigen Phasen zu Verstopfung oder Blähungen führen.
Massnahmen zum Stressabbau und zum besseren Umgang mit den Beschwerden sind deshalb ein wichtiger Teil der Therapie bei einem Reizdarmsyndrom. Dazu gehören:
Es gibt keine einheitliche Diät, die bei allen Betroffenen eines Reizdarms gleichermassen hilft. Die Ernährung sollte zu den Beschwerden passen, abhängig von Symptomen und persönlichen Unverträglichkeiten.
Ein Ansatz, der in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit erhielt, ist die FODMAP-Ernährung. Der Reizdarm steht oft in Verbindung mit einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Kohlenhydraten. FODMAPs sind schwer verdauliche Kohlenhydrate, die im Darm vergären und häufig Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall verstärken. Studien zufolge verbessert eine FODMAP-arme Ernährung in vielen Fällen diese Symptome. Zu den FODMAP-reichen Lebensmitteln gehören vor allem:
Wichtig ist dabei weniger eine strikte Verbotsliste, sondern das bewusste Erkennen, welche Lebensmittel die Beschwerden verstärken.
Die FODMAP-Ernährung sollten Sie jedoch nicht auf eigene Faust und nicht dauerhaft streng umsetzen. Sie folgt einem mehrstufigen Vorgehen (Eliminations-, Test- und Individualisierungsphase) und sollte fachlich begleitet werden. Ohne Anleitung besteht das Risiko, dass Sie unnötig viele Lebensmittel weglassen. Das kann zu einer einseitigen Ernährung, Nährstoffmangel oder einer abnehmenden Vielfalt von nützlichen Darmbakterien führen. Eine spezialisierte Ernährungsberatung unterstützt Sie dabei, eine passende ausgewogene Ernährungsform zu entwickeln.
Scheuen Sie sich nicht, bei einem Reizdarm Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Anlaufstelle ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Bei Bedarf überweisen diese Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. So erhalten Sie eine verlässliche Diagnose und erfahren, welche Massnahmen für Ihre Situation sinnvoll sind. Je nach Beschwerden kann eine spezialisierte Ernährungsberatung sinnvoll sein, um die Ernährung individuell anzupassen. Mit einer ausgewogenen Ernährung und bewusster Stressreduktion tragen Sie zusätzlich dazu bei, das Reizdarmsyndrom zu kontrollieren und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Natalie Bez ist Ernährungsberaterin (SVDE) und Forscherin an der Berner Fachhochschule mit Fokus auf die Adipositastherapie, Ernährungspsychologie und pflanzenbasierte Ernährung.
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