Wie entsteht ein Ekzem und was hilft dagegen? Welche Formen von Ekzemen gibt es und wie unterscheiden sie sich? Wann ist ein Ekzem chronisch und sind Ekzeme ansteckend? Erfahren Sie mehr über Symptome und Ursachen von Ekzemen sowie Tipps zur Hautpflege.
Ein Ekzem, auch Dermatitis oder Juckflechte genannt, ist eine entzündliche Hauterkrankung. «Ekzem» meint dabei keine bestimmte, einzelne Hautkrankheit, sondern dient als Sammelbezeichnung für verschiedene Hautentzündungen. Diese treten häufig mit Juckreiz, Rötung, Schuppen oder nässenden Stellen auf. In der Regel unterscheiden sich Erscheinungsbild und betroffene Körperregionen je nach Art des Ekzems.
Ekzeme sind nicht ansteckend, eine Übertragung zwischen Menschen ist nicht möglich. Die Hautveränderung bei Ekzemen ähnelt jedoch manchmal Erkrankungen, die ansteckend sind – bakteriellen Hautinfektionen beispielsweise oder Krätze. Wenn Sie unsicher sind, empfiehlt sich daher eine ärztliche Abklärung.
Wie ein Ekzem aussieht, hängt von der Art des Ekzems ab. Im Anfangsstadium nehmen viele Betroffene ein unangenehmes Hautgefühl wahr. Die Haut spannt, juckt oder reagiert besonders empfindlich. Häufig zeigen sich erste Rötungen oder raue Hautareale. Im weiteren Verlauf verstärken sich die Symptome.
In der akuten Phase treten die Symptome deutlicher hervor und betreffen die Haut sichtbar:
In vielen Fällen treten Ekzeme an Händen, Gesicht, Kopfhaut, Ellenbogen oder in Hautfalten auf. Ekzeme sind aber auch im Intimbereich sowie an Beinen und Füssen möglich.
Wenn sich die Entzündung über längere Zeit hält oder immer wiederkehrt, handelt es sich um ein chronisches Ekzem. Die anfänglichen akuten Beschwerden klingen nicht vollständig ab und führen zu dauerhaften Hautveränderungen.
Typische Merkmale eines chronischen Ekzems sind:
Durch wiederholtes Kratzen und Reiben verdickt sich die Haut an den betroffenen Stellen oft zusätzlich.
Ein Ekzem und ein Hautpilz sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Pilzinfektionen haben jedoch bestimmte Merkmale, die bei Ekzemen nicht auftauchen:
Suchen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf, wenn Sie eine Pilzinfektion vermuten. Hautpilz zählt zu den ansteckenden Hautkrankheiten und benötigt eine medikamentöse Therapie.
Die Ursachen von Ekzemen sind vielfältig. Häufig spielen Genetik und äussere Einflüsse eine wichtige Rolle. Oft wirken auch mehrere Auslöser zusammen. Zu den häufigsten Ursachen und Auslösern zählen:
Ekzeme haben manchmal auch psychische Ursachen. Stress, Schlafmangel oder psychische Erkrankungen erhöhen bei manchen die Reizbarkeit der Haut. Sie beeinflussen Entzündungsprozesse im Körper und verstärken auf diese Weise bestehende Ekzeme oder lösen neue Schübe aus.
Es gibt verschiedene Ekzem-Arten, die sich in Auslöser, Körperstelle und äusseren Merkmalen unterscheiden. In den folgenden Abschnitten stellen wir die häufigsten Ekzem-Arten und ihre Besonderheiten vor.
Das atopische Ekzem, auch atopische Dermatitis oder Neurodermitis genannt, gehört zu den endogenen Ekzemen. Das heisst: Bei dieser Ekzem-Art spielen innere Einflüsse eine zentrale Rolle – allen voran die genetische Veranlagung, die Hautbarriere und das Immunsystem. Typische Hautveränderungen treten bevorzugt in Arm- und Kniebeugen auf. Auch Hals, Nacken, Gesicht und Hände sind oft betroffen. Die Neurodermitis verläuft meist in Schüben, die unterschiedlich stark sind. Zwischen den Schüben nehmen die Beschwerden wieder ab.
Neurodermitis zeigt sich mitunter bereits bei Babys und Kindern. Ihre Haut reagiert empfindlich und neigt zu entzündlichen Schüben. Bei einem Teil der betroffenen Kinder nehmen die Beschwerden mit zunehmendem Alter ab. Bei anderen bleibt die Erkrankung bestehen oder tritt später erneut auf. Häufig besteht zudem ein Zusammenhang mit weiteren atopischen Erkrankungen wie Asthma oder Pollenallergie.
Achten Sie bei Ihrem Kind oder Baby mit Neurodermitis auf eine regelmässige altersgerechte Hautpflege. Beobachten Sie die Haut aufmerksam und vereinbaren Sie bei wiederkehrenden oder starken Hautveränderungen einen Termin in Ihrer Kinderarztpraxis.
Kontaktdermatitis entsteht beim direkten Kontakt der Haut mit bestimmten Stoffen wie Lösungsmitteln oder Seifen. Die Entzündung zeigt sich lokal dort, wo die Haut mit einem dieser Stoffe in Berührung kommt. Auch allergische Reaktionen sind möglich: Bei allergischen Ekzemen reagiert das Immunsystem auf einen bestimmten Stoff – etwa auf Metalle wie Nickel oder Inhaltsstoffe aus Kosmetika und Pflegeprodukten. Am besten vermeiden Betroffene reizende Stoffe. Oft beruhigt sich dadurch die Haut und erneute Beschwerden sind seltener.
Die dyshidrotische Dermatitis zeigt sich vorwiegend an Füssen und Händen. Charakteristisch für diese Ekzem-Art sind viele kleine, oft juckende Bläschen auf der Haut. Das Ekzem führt zu Spannungsgefühlen der Haut sowie Rötung und Schuppung. Die entzündete Haut ist sehr empfindlich, besonders nach Kontakt mit Reizstoffen oder bei feuchter Umgebung. Die Ursache dieses Ekzems ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch spielen Reibung, Schwitzen und möglicherweise eine erhöhte Hautempfindlichkeit eine Rolle.
Die seborrhoische Dermatitis tritt typischerweise an Körperstellen mit vielen Talgdrüsen auf. Zum Beispiel an der Kopfhaut, im Gesicht – etwa um Augenbrauen und Nasenlippenfurchen –, aber auch über dem Brustbein oder am oberen Rücken. Typisch für das seborrhoische Ekzem sind gerötete Stellen mit gelblich-fettigen Schuppen, teils ohne oder mit mildem Juckreiz. Eine erhöhte Talgproduktion und bestimmte Hefepilze auf der Haut begünstigen seborrhoische Ekzeme.
Die nummuläre Dermatitis weist deutlich abgegrenzte, münzförmige Hautveränderungen auf. Diese unterscheiden das nummuläre Ekzem von anderen Ekzem-Arten. An den betroffenen Stellen zeigen sich oft eine ausgeprägte Rötung, Schuppung sowie Juckreiz. Auch Nässungen oder Krusten sind möglich. Typische Stellen sind Arme, Beine oder der Rumpf sowie Stellen mit trockener Haut. In manchen Fällen handelt es sich beim nummulären Ekzem um ein mikrobielles Ekzem: Bakterien oder andere Keime besiedeln die vorgeschädigte Haut und verstärken die Entzündungsreaktion.
Das intertriginöse Ekzem, auch Intertrigo genannt, entsteht in Hautfalten, wenn Haut auf Haut reibt und Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Die betroffenen Hautareale sind gerötet, wund, teils nässend, brennend oder juckend. Besonders häufig zeigt sich dieses Ekzem am Hals, am Augenlid, im Leisten- und Genitalbereich, in den Achselhöhlen oder unter der Brust – also dort, wo Hautflächen eng aufeinanderliegen. Das feucht-warme Milieu begünstigt zudem bakterielle Infektionen, welche die Entzündung verstärken und den Krankheitsverlauf verlängern.
Ein periorales Ekzem ist ein entzündlicher Hautausschlag im Gesicht. Der Ausschlag zeigt sich meistens rund um den Mund, häufig auch an Nasenflügeln oder am Kinn. Typisch sind gerötete Stellen mit kleinen Knötchen oder Pusteln sowie feiner Schuppung. Viele Betroffene beschreiben zudem ein Brennen oder Spannungsgefühl der Haut. Mögliche Auslöser dieses Ekzems sind übermässige Pflege der Haut, bestimmte Pflegeprodukte und Kosmetika sowie kortisonhaltige Cremes. Auch der regelmässige Gebrauch bestimmter Zahncremes begünstigt periorale Ekzeme.
Die Therapie bei Ekzemen unterscheidet sich je nach Ekzem-Art, Schweregrad und der betroffenen Körperstelle. Sie berücksichtigt zudem den Auslöser des Ekzems sowie dessen Verlauf. Im Mittelpunkt steht meistens eine Basispflege, welche die Hautbarriere stärkt und Reizungen reduziert. Bei stärkeren Entzündungen oder ausgeprägtem Juckreiz ergänzen medizinische Massnahmen sowie gegebenenfalls Medikamente die Therapie. Je nach Befund kommen beispielsweise entzündungshemmende Salben oder Cremes zum Einsatz. Sie reduzieren die Entzündungen und lindern den Juckreiz. Für bestimmte Ekzem-Arten oder bei schweren Verläufen sind zusätzlich antiallergische oder immunmodulierende Wirkstoffe notwendig.
Das hängt stark von der Ekzem-Art und vom Verlauf ab. Akute Ekzeme bessern sich oft innerhalb weniger Tage bis Wochen. Chronische Ekzeme begleiten Betroffene häufig über längere Zeit und kehren vielfach wieder zurück. Konsequente Hautpflege und eine geeignete Behandlung beeinflussen den Krankheitsverlauf günstig.
Viele Betroffene profitieren von Massnahmen, welche Reizungen reduzieren und die Hautbarriere stabilisieren. Besonders wichtig ist die konsequente Basispflege. Sie lindert Beschwerden und senkt vielfach das Risiko für neue Hautreizungen.
Achten Sie besonders auf Folgendes, wenn Sie Ihr Ekzem behandeln:
Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke oder in der Arztpraxis beraten, wenn Sie von einem Ekzem betroffen sind. So stimmen Sie Ihre Basispflege gezielt auf Ihre Beschwerden ab. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit unterstützen die Hautgesundheit zusätzlich und helfen, die Hautbarriere von innen zu stärken. Informieren Sie sich über entzündungshemmende Ernährung. Sie reduziert chronische Entzündungen im Körper und verbessert das allgemeine Wohlbefinden.
Wenn sich Ihre Haut trotz geeigneter Pflege nicht beruhigt, ist ärztlicher Rat sinnvoll. Denn eine frühzeitige Behandlung hilft, Chronifizierungen zu vermeiden. Auch bei Verdacht auf eine Allergie, eine Pilzinfektion oder bei starken Beschwerden mit Nässen oder Schmerzen empfiehlt sich eine medizinische Einschätzung.
Wichtig: Seien Sie vorsichtig bei der Behandlung Ihres Ekzems mit Hausmitteln. Nicht jedes natürliche Mittel eignet sich für entzündete oder empfindliche Haut. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten, bevor Sie neue Produkte verwenden.
Ekzeme gelten heute als gut behandelbare Hauterkrankungen. Eine konsequente Pflege im Alltag trägt wesentlich zur Hautgesundheit bei. Bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden sorgt eine frühzeitige ärztliche Abklärung für Klarheit und eine passende Behandlung. So behalten Sie den Verlauf im Blick, vermeiden Chronifizierungen und unterstützen Ihre Haut langfristig.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Rahel Alder (Dipl. Pflegefachfrau und Personal Health Coach) arbeitet in der Helsana-Gesundheitsberatung. Sie unterstützt Kundinnen und Kunden bei Fragen zu den Themen Gesundheitsförderung und Verhaltensänderung.
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