Schlafphasen und Schlafzyklen im Überblick

Wie läuft ein normaler Schlafzyklus ab? Träumen wir wirklich nur im REM-Schlaf? Wie lange sollte die Tiefschlafphase dauern? Und was passiert im Leichtschlaf? Wir erklären die vier Schlafphasen und zeigen, wie Sie Ihren Schlaf gezielt verbessern können.

13.07.2026 Christine Signer 5 Minuten

Themen im Überblick

Was geschieht im Schlaf?

Im Schlaf sind wir nur scheinbar inaktiv. Tatsächlich laufen nach dem Einschlafen komplexe neurophysiologische Prozesse nach genau definierten Phasen ab. Schlaf hat eine zentrale Bedeutung für Körper und Geist. Während des Schlafs regenerieren sich Organe und Gewebe, das Immunsystem stärkt seine Abwehrkräfte. Das Gehirn verarbeitet die Eindrücke des Tages. Dabei durchläuft der Körper verschiedene Hauptschlafphasen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Diese Phasen lassen sich in zwei Grundformen unterteilen:

  • Non-REM-Schlaf (Non-Rapid Eye Movement): Der Non-REM-Schlaf umfasst die Einschlafphase, die Leichtschlafphase und die Tiefschlafphase. In diesen drei Stadien fährt der Körper seine Aktivität schrittweise herunter. Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung verlangsamen sich, die Muskulatur entspannt sich zunehmend.
  • REM-Schlaf (Rapid Eye Movement): Die Abkürzung REM steht für die schnellen Augenbewegungen, die in dieser Phase hinter geschlossenen Lidern auftreten. Im REM-Schlaf finden die intensivsten Träume statt und das Gehirn verarbeitet emotionale Erlebnisse.

Die Reihenfolge der Schlafphasen folgt in der Regel einem wiederkehrenden Muster. Die folgenden Abschnitte erklären jede Phase im Detail.

Einschlafphase

Die Einschlafphase bildet den Übergang vom Wachzustand in den Schlaf. Das Bewusstsein wechselt zwischen Wachen und Schlafen. Die Muskulatur beginnt sich zu entspannen. Die Dauer dieser Schlafphase ist individuell sehr unterschiedlich. Leichtes Zucken in der Einschlafphase ist normal. Es ist ein Zeichen der zunehmenden Muskelentspannung. Auch Schwitzen tritt in der Einschlafphase häufig auf, da der Körper aktiv seine Kerntemperatur senkt. In diesem Stadium ist der Schlaf noch sehr leicht. Bereits kleine Geräusche, etwa ein Handy-Vibrieren, können Sie aufwecken. 

Leichtschlafphase

In der Leichtschlafphase verlangsamt sich die Gehirnaktivität und der Körper kommt weiter zur Ruhe. Die Phase nimmt mit rund 50 Prozent den grössten Anteil der gesamten Schlafzeit ein. Die Dauer der Leichtschlafphase liegt pro Zyklus bei etwa 30 bis 60 Minuten. Bereits in diesem Stadium beginnt das Gehirn mit der Verarbeitung von Tageserlebnissen. Der Schlaf ist jedoch nach wie vor oberflächlich. Äussere Reize wie Geräusche oder Licht führen leicht zum Aufwachen. Auch Schnarchen setzt oft in dieser Hauptschlafphase ein, da sich die Muskulatur im Rachenraum zunehmend entspannt.

Tiefschlafphase

Die Tiefschlafphase ist das erholsamste Stadium des Schlafs. Der Körper schüttet vermehrt Wachstumshormone aus, Zellen erneuern sich und das Immunsystem stärkt seine Abwehrkräfte. In dieser Phase ist der Schlaf besonders fest – selbst laute Geräusche führen kaum zum Aufwachen. Die Dauer des Tiefschlafs liegt bei Erwachsenen bei etwa ein bis zwei Stunden pro Nacht. Dabei ist der Tiefschlaf im ersten Schlafzyklus am längsten und nimmt mit jedem weiteren Zyklus ab. Gelegentlich treten im Tiefschlaf Phänomene wie Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf auf.

REM-Schlafphase

Die Bedeutung des REM-Schlafs ist für die geistige Erholung besonders gross. In dieser Phase ordnet das Gehirn Gelerntes und festigt es im Langzeitgedächtnis. Gleichzeitig finden hier die lebhaftesten Träume statt. Die Gehirnaktivität nähert sich dabei dem Niveau des Wachzustands an – daher auch die Bezeichnung «paradoxer Schlaf». Trotz dieser hohen Hirnaktivität erschlafft die Skelettmuskulatur fast vollständig. Diese natürliche Lähmung schützt davor, Trauminhalte motorisch auszuführen. Die normale Dauer des REM-Schlafs liegt pro Nacht bei etwa eineinhalb bis zwei Stunden. Im Gegensatz zum Tiefschlaf nehmen die REM-Schlafphasen mit jedem Zyklus zu. Die letzte REM-Phase fällt daher deutlich länger aus als die erste.

Wie lange dauert ein Schlafzyklus?

Ein Schlafzyklus umfasst das einmalige Durchlaufen aller vier Schlafphasen. Ein Schlafzyklus dauert etwa 90 bis 110 Minuten. Pro Nacht wiederholt sich dieser Ablauf vier- bis fünfmal. Der Schlaf gliedert sich in Etappen mit wechselnder Schlaftiefe. Zwischen den einzelnen Zyklen treten kurze Wachphasen auf. Diese dauern meist nur wenige Sekunden und sind völlig normal. Die Zusammensetzung der Zyklen verändert sich im Lauf der Nacht: In der ersten Nachthälfte überwiegt der Tiefschlaf, in der zweiten der REM-Schlaf.

Wie viel Schlaf ist gesund?

Der persönliche Schlafbedarf variiert je nach Lebensstil, Gesundheitszustand und Schlaftyp. Manche Menschen erholen sich bereits nach sechs Stunden vollständig, andere fühlen sich erst nach zehn Stunden ausgeschlafen. Erwachsene brauchen pro Nacht durchschnittlich sieben bis neun Stunden Schlaf. Entscheidend ist dabei nicht allein die Dauer. Vor allem die Schlafqualität bestimmt, wie erholt Sie sich am nächsten Morgen fühlen. Ein gesunder Schlafzyklus zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus:

  • Zügiges Einschlafen: Der Einschlafprozess dauert in der Regel nicht länger als 30 Minuten.
  • Geringe Wachzeiten: Längere Wachphasen in der Nacht bleiben die Ausnahme.
  • Alle Phasen erleben: Jede Nacht werden sämtliche Schlafphasen durchlaufen.
  • Tief und erholsam schlafen: Tiefschlaf und REM-Schlaf finden in ausreichendem Umfang statt.

Ein dauerhaftes Schlafdefizit wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Die Folgen von zu wenig Tiefschlaf und Schlafmangel zeigen sich unter anderem in anhaltender Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, einer geschwächten Immunabwehr und Gewichtszunahme.

Schlafzyklus bei Babys

Der Schlaf von Babys unterscheidet sich grundlegend vom Erwachsenenschlaf. Neugeborene schlafen rund 14 bis 17 Stunden pro Tag, aufgeteilt in mehrere kurzen Etappen von zwei bis vier Stunden. Ihr Schlafzyklus dauert nur etwa 60 Minuten und besteht aus zwei Phasen: dem aktiven Schlaf (REM) und dem ruhigen Schlaf (Non-REM). Im REM-Schlaf zeigen Babys häufig Bewegungen wie Zucken, Grimassieren oder unregelmässige Atmung. Im Tiefschlaf hingegen liegen Babys ruhig. Den Tiefschlaf beim Baby erkennen Eltern, wenn es gleichmässig atmet und sich auch bei Berührungen kaum regt. 

Anders als Erwachsene starten Babys ihren Schlafzyklus im REM-Schlaf und verbringen rund die Hälfte ihrer Schlafzeit in dieser aktiven Traumphase. Zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensmonat verlängern sich die Schlafphasen zunehmend. Die Babys schlafen häufiger über längere Zeitabschnitte hinweg.

Wie viel Tiefschlaf und REM-Schlaf sollte man haben?

Die Schlafqualität hängt davon ab, ob die Tiefschlafphase und die REM-Schlafphase in ausreichendem Umfang stattfinden. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sind für die körperliche und geistige Erholung unverzichtbar. 

Rund die Hälfte der Nacht verbringen Erwachsene in der Leichtschlafphase. Fällt diese zu lang aus und werden die tieferen Stadien kaum erreicht, leidet die Erholung. Als Orientierung dienen die folgenden Richtwerte für Tiefschlaf und REM-Schlaf:

  • Tiefschlaf: Der Anteil pro Nacht liegt bei etwa 15 bis 25 Prozent der gesamten Schlafzeit.
  • REM-Schlaf: Der REM-Anteil liegt bei etwa 20 bis 25 Prozent der gesamten Schlafzeit.

Bei zu wenig Tiefschlaf oder REM-Schlaf zeigen sich meist Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, eine geschwächte Immunabwehr, Heisshungerattacken und emotionale Reizbarkeit. Selbst bei ausreichender Schlafdauer fühlen sich Betroffene nicht erholt. Zu den häufigsten Ursachen für fehlenden oder zu kurzen Tiefschlaf und REM-Schlaf zählen chronischer Stress, Alkoholkonsum und unregelmässige Schlafzeiten. Alkohol unterdrückt vor allem den REM-Schlaf in der zweiten Nachthälfte, während Stress den Übergang in den Tiefschlaf erschwert.

Wie verändern sich die Schlafphasen im Alter?

Der Tiefschlafanteil nimmt mit zunehmendem Alter ab. In vielen Fällen sinkt ab 60 Jahren der Anteil an Tiefschlaf auf unter 10 Prozent der Gesamtschlafzeit. Auch nur 30 Minuten Tiefschlaf pro Nacht sind in diesem Alter nicht ungewöhnlich. Die Dauer der einzelnen Schlafphasen verschiebt sich zugunsten des Leichtschlafs, der einen zunehmend grösseren Anteil der Nacht einnimmt. Der REM-Schlaf bleibt bis zum 60. Lebensjahr stabil und nimmt danach ebenfalls leicht ab. Gleichzeitig steigt die Zahl nächtlicher Wachphasen. Häufiges Aufwachen ist ein normaler Teil des Alterungsprozesses und kein Grund zur Sorge. Ausschlaggebend bleibt das subjektive Erholungsgefühl am Morgen.

In manchen Fällen tritt ab dem 60. Lebensjahr die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) auf. Betroffene führen dabei Trauminhalte motorisch aus – sie sprechen, schlagen oder treten im Schlaf. Die natürliche Muskellähmung im REM-Schlaf funktioniert in diesen Fällen nicht vollständig. Rund 5 Prozent der Menschen über 60 Jahren sind davon betroffen, überwiegend Männer.

Tiefschlaf und REM-Schlaf verbessern

Die eigene Schlafqualität lässt sich aktiv beeinflussen. Bereits einfache Anpassungen im Alltag helfen, besser zu schlafen und morgens ausgeruht aufzustehen. Nehmen Sie Veränderungen in Ihrem Schlafverhalten ernst und achten Sie bewusst auf Ihre Schlafgewohnheiten.

Wenn Schlafstörungen über mehrere Wochen anhalten und trotz guter Schlafhygiene keine Besserung eintritt, holen Sie sich ärztlichen Rat. Eine Untersuchung in einem spezialisierten Schlaflabor hilft bei der Abklärung von Störungen und zeigt, ob Ihre Schlafphasen ausgewogen verlaufen.

Schlaftracker und Schlafphasenwecker

Zwischen den Schlafphasen gibt es Momente, in denen das Aufwachen besonders leichtfällt.

Schlafphasenwecker nutzen dieses Prinzip und wecken Sie in einer leichten Schlafphase innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters. Sensoren im Armband erfassen dazu Ihre Bewegungen und erkennen, wann Sie sich in einer oberflächlichen Schlafphase befinden. So wachen Sie nach einem vollständigen Schlafzyklus sanfter und angenehmer auf.

Schlaftracker erfassen zusätzlich weitere Schlafdaten. Über Bewegungssensoren und Herzfrequenzmessung erfassen sie Ihre Schlafphasen, die Schlafdauer und das allgemeine Schlafverhalten. Diese Daten liefern hilfreiche Hinweise auf die eigene Schlafqualität. Wichtig zu wissen: Schlaftracker bieten eine Orientierung, ersetzen aber keine professionelle Untersuchung im Schlaflabor.

Tipps für eine bessere Schlafroutine

Mit einigen bewährten Schlaftipps verbessern Sie Ihre Schlafqualität nachhaltig. Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen dabei, Ihren Tiefschlaf zu erhöhen und mehr REM-Schlaf zu bekommen:

  • Schlafrhythmus finden: Gehen Sie jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie morgens zur gleichen Zeit auf. Ein regelmässiger Rhythmus stabilisiert den Wechsel der Hauptschlafphasen über die gesamte Nacht.
  • Körperlich aktiv bleiben: Bewegung beeinflusst die Schlafphasen positiv und fördert insbesondere den Tiefschlaf. Bauen Sie regelmässige Bewegung in Ihren Alltag ein, planen Sie intensive Einheiten jedoch nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen.
  • Alkohol und Koffein reduzieren: Verzichten Sie ab dem späten Nachmittag auf koffeinhaltige Getränke und trinken Sie abends keinen Alkohol.
  • Ausgewogene Ernährung: Bevorzugen Sie abends leichte Mahlzeiten und verzichten Sie auf fettreiche Speisen. Nehmen Sie die letzte Mahlzeit spätestens zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen ein.
  • Schlafumgebung optimieren: Ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer schafft ideale Voraussetzungen. Die empfohlene Raumtemperatur liegt bei etwa 16 bis 18 Grad Celsius.
  • Bildschirmzeit reduzieren: Das Licht von Smartphones, Tablets und Laptops beeinflusst die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Legen Sie elektronische Geräte mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen beiseite.
  • Pflanzliche Präparate als Ergänzung: Natürliche Schlafmittel wie Baldrian oder Lavendel gelten als schlaffördernd. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Guter Schlaf beginnt bereits am Tag. Achten Sie auf Ihre Gewohnheiten und geben Sie Ihrem Körper die Ruhe, die er für eine erholsame Nacht braucht.

Jede Nacht durchläuft Ihr Körper ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Schlafphasen. Je besser Sie dieses verstehen, desto leichter fällt es Ihnen, Ihren Tiefschlaf zu fördern und Ihre Schlafqualität langfristig zu stärken. Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers und gönnen Sie sich den Schlaf, der Ihnen guttut. Denn guter Schlaf ist kein Luxus, sondern die Grundlage für einen gesunden und aktiven Alltag.

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