Eule oder Lerche? Erfahren Sie, wie die innere Uhr funktioniert, warum manche Menschen abends besonders fit sind und welche Rolle die Chronotypen dabei spielen. Mit dem Online-Test finden Sie Ihren Schlaftyp heraus.
Chronotypen, auch Schlaftypen genannt, beschreiben den individuellen Schlafrhythmus eines Menschen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie «Zeittyp». Chronotypen geben an, zu welcher Tageszeit jemand bevorzugt einschläft, aufwacht und sich besonders leistungsfähig fühlt.
Während die einen frühmorgens voller Energie aus dem Bett steigen, laufen andere erst am Abend zu Hochform auf. Solche Unterschiede betreffen nicht die Schlafdauer, sondern den Zeitpunkt des Schlafs. Zugleich beeinflusst der Chronotyp auch die Konzentration und den Stoffwechsel. Den dahinterliegenden Takt gibt die innere Uhr vor.
Die innere Uhr ist ein körpereigenes Zeitsystem. Sie stimmt zahlreiche Körperfunktionen auf den Wechsel von Tag und Nacht ab und steuert auf diese Weise die Schlafphasen. In der Fachsprache heisst dieser Ablauf zirkadianer Rhythmus (lat. circa = ungefähr, dies = Tag). Ein vollständiger Durchlauf der zirkadianen Uhr dauert ungefähr 24 Stunden.
Ihren Sitz hat die innere Uhr im Hypothalamus, einem zentralen Steuerbereich des Gehirns. Von dort sendet sie über Nervenbahnen und Hormone Signale an den Körper und gibt so den Takt vor. Damit der biologische Zeitplan mit dem äusseren Tag übereinstimmt, benötigt die innere Uhr regelmässige Hinweisreize aus der Umwelt. Den wichtigsten Hinweis liefert das Tageslicht. Auch Essenszeiten, Bewegung und soziale Gewohnheiten beeinflussen den Biorhythmus der inneren Uhr, verändern den grundlegenden Chronotyp jedoch nicht.
Wie genau dieser Rhythmus verläuft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Daraus ergeben sich die verschiedenen Schlaftypen.
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In der Wissenschaft gibt es verschiedene Modelle, die Schlaftypen beschreiben. Sie ordnen Menschen nach ihrem natürlichen Schlaf-Wach-Verhalten in unterschiedliche Gruppen ein. Vor allem zwei Einteilungen haben sich etabliert. Beide Modelle helfen dabei, die eigene innere Uhr herauszufinden und den persönlichen Rhythmus einzuordnen.
Die Einteilung in Lerche und Eule zählt zu den ältesten Beschreibungen von Schlaftypen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beobachteten Forschende systematische Unterschiede im Schlaf- und Leistungsverhalten verschiedener Menschen. Daraus entstand die Unterscheidung zwischen dem Frühtyp (Lerche) und dem Spättyp (Eule). Bis heute bildet dieses Modell die Grundlage der Chronotypen-Forschung und prägt viele wissenschaftliche Studien zum zirkadianen Rhythmus des Schlafs.
Beide Typen unterscheiden sich darin, wann jemand wach wird, einschläft und seine Leistungsspitze erreicht:
Lerche
Lerche und Eule bilden die beiden Pole dieses Modells. In der Realität liegen wenige Menschen an einem der beiden Enden. Eine grosse Mehrheit zählt zum sogenannten Misch- beziehungsweise Normaltyp. Diese Gruppe vereint Eigenschaften beider Chronotypen: Sie schläft weder besonders früh noch besonders spät und passt sich gut an den üblichen Tagesablauf an.
Der amerikanische Schlafmediziner und klinische Psychologe Michael Breus hat das klassische Lerche-Eule-Modell weiterentwickelt. Er beschreibt vier Schlaftypen und ordnet jedem ein Tier zu, dessen Verhalten den jeweiligen Rhythmus widerspiegelt. Neben dem Schlaf-Wach-Verhalten berücksichtigt das Modell auch Persönlichkeitsmerkmale und typische Leistungsphasen im Tagesablauf.
Die folgende Übersicht stellt die vier Schlaftypen vor:
Auch beim Vier-Typen-Modell sind Mischformen häufig. Viele Menschen erkennen sich in den Eigenschaften mehrerer Typen wieder und lassen sich nicht eindeutig einem bestimmten zuordnen.
Wichtig zu wissen: Die Schlaftypen von Michael Breus sind populärwissenschaftlich aufgebaut und stützen sich auf seine klinischen Erfahrungen sowie Patientenprofile. Eine breite wissenschaftliche Validierung wie beim Lerche-Eule-Modell gibt es nicht. Dennoch bietet das Modell eine anschauliche Orientierungshilfe für den Alltag. Sie unterstützt uns dabei, das eigene Schlafverhalten und persönliche Leistungsphasen besser einzuordnen.
Die Chronobiologie ist ein eigener Zweig der Biowissenschaft. Sie erforscht zeitliche Abläufe in Lebewesen und ihre Anpassung an die Umwelt. Ein Schwerpunkt liegt auf dem menschlichen Schlaf-Wach-Verhalten. Die heutige Forschung zur Chronobiologie des Schlafs zeigt: Chronotypen sind kein subjektives Empfinden, sondern beruhen auf messbaren biologischen Grundlagen.
Inzwischen sind rund 20 Gene bekannt, die den Takt der inneren Uhr steuern. Diese Gene regulieren, wie schnell oder langsam der individuelle Schlaf-Wach-Rhythmus verläuft. Damit ist der Schlaftyp wissenschaftlich gut belegt und beruht zu einem grossen Teil auf erblichen Anlagen.
Neben der genetischen Veranlagung beeinflussen weitere Faktoren den Schlafrhythmus:
Die Verteilung der Chronotypen in der Bevölkerung wurde auch in gross angelegten Schlaftyp-Studien untersucht. Ausgeprägte Frühtypen und ausgeprägte Spättypen sind dabei in der Minderheit. Die Mehrheit der Menschen liegt mit ihrem Rhythmus irgendwo dazwischen und vereint Eigenschaften beider Pole.
Der Chronotyp ist genetisch geprägt und lässt sich nicht beliebig verändern. Dennoch können äussere Faktoren Einfluss nehmen. Dazu zählen Tageslicht, regelmässige Schlafzeiten und feste Routinen.
Ausserdem verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus im Laufe des Lebens auf natürliche Weise. Kinder gehören häufig zum Frühtyp. Während der Pubertät entwickelt sich bei vielen Menschen ein späterer Rhythmus, sodass sie abends länger wach bleiben und morgens schwerer aus dem Bett kommen. Ab dem mittleren Erwachsenenalter verschiebt sich die innere Uhr wieder nach vorne. Viele ältere Menschen werden daher erneut zu Frühaufstehern.
Den eigenen Chronotyp zu bestimmen, gelingt auf mehreren Wegen. In der Forschung kommen vor allem zwei Methoden zum Einsatz.
Eine verbreitete Möglichkeit sind ausführliche wissenschaftliche Fragebögen, die das Schlafverhalten an Arbeits- und freien Tagen erfassen und daraus den Chronotyp ableiten. Noch genauer arbeiten medizinische Untersuchungen im Labor, etwa mit der Messung des Schlafhormons Melatonin im Speichel oder neueren Verfahren wie die Analyse von Haarwurzeln. Diese Methoden liefern präzise Ergebnisse, sind jedoch aufwendig und nur unter kontrollierten Bedingungen umsetzbar.
Für eine erste Orientierung im Alltag braucht es keine Laboranalyse. Schon ein einfacher Test hilft Ihnen dabei, Ihren eigenen Schlaftyp herauszufinden. Allerdings ersetzt er keine medizinische Einschätzung. Er liefert lediglich eine Tendenz, ob Sie eher zum Frühtyp, Spättyp oder Mischtyp gehören. Bei anhaltenden Schlafstörungen oder dem Gefühl, dauerhaft nicht im eigenen Rhythmus zu leben, empfiehlt sich ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Mit dem folgenden Chronotypen-Test finden Sie heraus, ob Sie eher zur Lerche, zur Eule oder zum Mischtyp gehören. Pro Bereich gibt es drei Aussagen zur Auswahl. Wählen Sie jeweils diejenige, die Sie am besten beschreibt. Notieren Sie sich die zugehörige Punktzahl. Am Ende zählen Sie alle Punkte zusammen und sehen in der Auswertung, welcher Schlaftyp zu Ihnen passt.
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Einschlafen
Durchschlafen
Aufwachen am Morgen
Wachwerden nach dem Aufstehen
Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf
Tagesplanung
Entspannung am Tag
Aufstehen an freien Tagen
Auswertung
Ein Tagesablauf, der zum eigenen Schlaftyp passt, sorgt für eine höhere Produktivität, mehr Wachheit und eine bessere Konzentration.
Im Alltag passt der individuelle Rhythmus jedoch selten zum festen Zeitplan von Schule, Beruf oder Familie. Vor allem für den späten Chronotyp wird der Arbeitsbeginn am frühen Morgen rasch zur Belastung. Das Phänomen heisst sozialer Jetlag und beschreibt die Diskrepanz zwischen der biologischen Uhr und den sozialen Zeitvorgaben. Ein Frühaufsteher-Typ findet sich im klassischen Berufsalltag in der Regel leichter zurecht.
Wer dauerhaft nicht im Einklang mit seiner inneren Uhr ist, erlebt oft mehr als Schlafmangel. Studien bringen sozialen Jetlag mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Auch die mentale Gesundheit gerät auf Dauer aus dem Gleichgewicht. Eine Abstimmung zwischen dem eigenen Chronotyp und der Arbeit schafft eine stabile Grundlage für mehr Wohlbefinden.
Schon kleine Veränderungen im Alltag halten die innere Uhr in einem gesunden Takt. Mit den folgenden Tipps schöpfen Sie das Potenzial Ihres Chronotyps besser aus und unterstützen gleichzeitig Ihren Schlaf. Diese Empfehlungen gelten unabhängig davon, welcher Schlaftyp Sie sind.:
Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers, denn sie verraten viel über Ihren persönlichen Rhythmus. Müdigkeitsphasen und Konzentrationstiefs sind keine Schwäche, sondern wertvolle Hinweise auf Ihre innere Uhr. Weitere Schlaftipps ergänzen diese Massnahmen und unterstützen Sie auf dem Weg zu erholsamem Schlaf.
So unterschiedlich Menschen ticken, so individuell verläuft auch ihr Tag. Ein bewusster Blick auf den eigenen Schlaftyp zeigt, wann der Körper Energie schöpft und wann er Ruhe benötigt. Mit diesem Wissen finden Sie die beste Arbeitszeit für Ihren Chronotyp und gestalten zugleich Erholung, soziale Aktivitäten und persönliche Routinen im Einklang mit Ihrer inneren Uhr.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Monika Fäh Rüegg ist Pflegefachfrau HF Psychiatrie, Systemische Mentaltrainerin und hat eine Ausbildung in sinnzentrierter Beratung nach Viktor Frankl. Die Expertin arbeitet im Case Management bei Helsana.
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