Warum Berührungen so wichtig sind für Körper und Seele

Umarmen, kuscheln, küssen: Körperliche Nähe wirkt sich positiv auf unsere Gesundheit aus. Es baut Stress ab, beruhigt und stärkt das Herz-Kreislauf-System.

30.03.2022 Laetitia Hardegger 4 Minuten

Versuchen Sie einmal, alle Sinne auszuschalten. Schliessen Sie Augen und Mund, halten Sie Ohren und Nase zu. Jetzt können Sie weder sehen, schmecken, hören oder riechen. Aber Sie fühlen noch. Zum Beispiel den Boden unter den Füssen. Oder Haare, die im Gesicht kitzeln. Der Tastsinn ist nicht nur der einzige Sinn, der immer aktiv ist. Er ist auch der Erste, der sich in unserem Leben entwickelt.

Berührungen sind unersetzlich

Bereits mit acht Wochen spürt ein ungeborenes Kind das Streicheln über den Bauch der Mutter. Ab der Geburt sind wir auf engen Körperkontakt angewiesen. Damit sich das Nervensystem und das Gehirn entwickeln können, brauchen Babys Berührungen.

Bis zu 20 Millionen empfindliche Sinneszellen stecken in unserer Haut, die blitzschnell Signale ans Gehirn senden. Das Bedürfnis nach Nähe haben die meisten Menschen ein Leben lang und dies aus gutem Grund. Helsana-Gesundheitsexpertin Julia Pieh erklärt:

Berührungen haben nicht nur Einfluss auf unser Seelenleben. Wir brauchen sie auch, um körperlich gesund zu bleiben. Ein Mangel an Umarmungen und Nähe führt zu Stress, hohem Blutdruck und schwächt das Immunsystem.

Umarmen als einfaches Heilmittel gegen Angst und Stress

Werden wir umarmt, schüttet der Körper Botenstoffe aus, die der Volksmund Glückshormone nennt. Besonders das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin entfaltet eine beruhigende Wirkung: Es hilft beim Stressabbau und stärkt zwischenmenschliche Bindungen. Die Umarmung ist dabei die ursprünglichste Form von Nähe in unserem Leben. «Doch die Berührung allein hat dabei wenig Effekt», sagt Pieh. «Wichtig ist die Verbindung von Haut und Gefühlen. Der Mensch muss sich als Ganzes wahrnehmen.»

Mindestens fünf Sekunden umarmen

Dauern Umarmungen länger als fünf Sekunden, hat dies einen grösseren Einfluss auf unser Wohlbefinden als jene, die drei Sekunden und weniger dauern. Das fanden englische Forschende in Studien heraus.

Fühlen wir uns bei einer längeren und innigen Umarmung wohl, äussert sich dies auf vielfältige Weise:

  • Wir atmen tiefer.
  • Die Muskulatur entspannt sich.
  • Der Blutdruck sinkt.
  • Wir empfinden weniger Angst.

Und wenn man niemanden zum Kuscheln hat?

Der Botenstoff Oxytocin wird nicht nur bei der Berührung von Menschen freigesetzt. Der Körper produziert Oxytocin auch, wenn wir Tiere – besonders Hunde und Katzen – streicheln oder umarmen. Die Berührung und die Körpertemperatur des Tieres stimulieren die Haut ähnlich, wie die Berührung von Menschen. Untersuchungen zeigen: Wer es nicht so tierisch mag, kann mit der gleichen Wirkung einen Baum umarmen.

Küssen regt den Kreislauf an

Eng verbunden mit Umarmen ist das Küssen. Es lässt unser Herz nicht nur höher, sondern auch schneller schlagen: Hormonexperten der Universitätsklinik Wien stellten fest, dass Küssen Herz-Kreislauf-Beschwerden entgegenwirken kann. Der Puls steigt in die Höhe und die Blutgefässe erweitern sich, was die Organe besser versorgt.

Bei regelmässigem Schmusen während mindestens drei Minuten sinkt zu hoher Blutdruck und die Cholesterinwerte verbessern sich. Küssende übertragen rund 80 Millionen Bakterien die – zum Glück – durch Abwehrzellen unschädlich gemacht werden. So wird das Immunsystem gestärkt.

Küssen zur Begrüssung – soll man wieder?

Je nach Kultur und Mode begrüsste man sich oft mit ein, zwei oder drei Küsschen auf die Wange – zumindest bis Corona auftauchte. Die Verunsicherung in Zeiten von «Abstand halten» ist immer noch gross. Die gute Nachricht für Kuss-Fans jedoch ist: Ein flüchtiger Kuss auf die Wange ist gemäss Immunologinnen und Immunologen noch immer die bessere Wahl, als sich die Hand zu schütteln.

Inniges Umarmen, Küssen oder Kuscheln …

… fördert Glückshormone.

… senkt den Blutdruck.

… mobilisiert unsere Abwehrkräfte.

… beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

… löst Angst und Verspannungen.

… lindert Stress und Schmerzen.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kuss?

Kinder werden ab Geburt von ihren Eltern, Grosseltern, Geschwistern und Paten geküsst und geherzt. So werden wir tausendmal auf verschiedene Arten geküsst. Im Jugendalter dann der erste «richtige» Kuss. Ein berauschendes Gefühl – und gesund. Denn wenn sich Lippen und Zungen berühren, ergiesst sich ein regelrechter Hormoncocktail über uns. Botenstoffe wie Oxytocin, Adrenalin und Dopamin lösen Glücksgefühle aus, hemmen das Schmerzempfinden und sie lösen gar Verspannungen.

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So funktioniert die Gesundheitsberatung

Halten Sie wieder einmal Händchen

Umarmen Sie Menschen, die Sie mögen, für mindestens fünf Sekunden. Streicheln Sie Ihr Haustier ausgiebig. Oder umarmen Sie beim nächsten Spaziergang Ihren Lieblingsbaum. All das tut Körper und Seele gut und stärkt Ihr Wohlbefinden. Halten Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin wieder einmal Händchen und küssen Sie sich innig. Einfach so! Vergessen Sie bei Ihren Liebsten nie den Abschieds- und Begrüssungskuss. Und freuen Sie sich über die Glückshormone, die durch Ihren Körper fliessen.

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