PMS: Wenn die Hormone verrücktspielen

Die Pickel spriessen, die Brüste spannen und die Tränen fliessen ohne Grund: Das prämenstruelle Syndrom (PMS) hat viele Gesichter. Erfahren Sie, was in unserem Körper passiert und was die Beschwerden lindern kann.

09.06.2022 Laetitia Hardegger 7 Minuten

Gestern fühlten Sie sich noch rundum wohl in Ihrer Haut, heute spannt die Hose und alles nervt? Dann schauen Sie mal in den Kalender. Es ist gut möglich, dass es wieder die nervigen Tage vor den Tagen sind. Die monatliche Achterbahnfahrt der Hormone vor der Menstruation belastet viele Frauen.

Was ist PMS?

Der medizinische Ausdruck prämenstruelles Syndrom umfasst eine Vielzahl von Beschwerden, die bei Frauen nach dem Eisprung bis zur Menstruation auftreten können. Die Ursache von PMS ist wissenschaftlich noch nicht genau geklärt. Forschende vermuten, dass ein Ungleichgewicht der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron das Syndrom auslöst. Dies wiederum beeinflusst das Glückshormon Serotonin und kann für schlechte Laune sorgen. Die gute Nachricht: Mit Beginn der Periodenblutung verschwinden die Symptome wieder und kehren erst nach frühestens zwei Wochen zurück.

So verlaufen die vier Phasen des weiblichen Zyklus

Prämenstruelle dysphorische Störung

Die stärkste Form von PMS ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS). Sie zeigt sich durch depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen und ungewohnt impulsives Handeln. Betroffen sind etwa drei bis acht Prozent der Frauen. Die genaue Ursache für PMDS ist unbekannt. Ein Faktor ist wahrscheinlich eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron. Auch Störungen im Serotoninstoffwechsel könnten eine Ursache sein. Es ist vererbbar. Frauen mit PMDS sind nach der Geburt eines Kindes besonders gefährdet für eine Wochenbettdepression (postpartale Depression).

Weitere Informationen zur Wochenbettdepression

Wer ist betroffen?

Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter leidet statistisch unter PMS. Bei einer Schwangerschaft und nach den Wechseljahren hat man Ruhe davor.

Sind Sie nicht sicher, ob Sie vom prämenstruellen Syndrom betroffen sind? Ein Zyklustagebuch hilft: Notieren Sie über mehrere Monate, welche Beschwerden wann auftreten, und werten Sie es mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt aus.

Häufige Beschwerden und was dagegen hilft

Schuld daran sind Prostaglandine – Stoffe, die der Körper während der Menstruation ausschüttet. Sie sorgen dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und so Blut, Gewebe und andere Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden können.

Bei Spannungsgefühlen und Krämpfen im Unterleib hilft Wärme: eine Wärmeflasche auf den Bauch legen, ein warmes Bad nehmen oder ein Wärmepflaster aufkleben. Sanfte Sportarten wie Nordic Walking, Wandern, Radfahren oder Yoga entspannen zudem bei Muskelkontraktionen der Gebärmutter. In akuten Phasen nützen krampflösende Medikamente, um den Alltag bewältigen zu können.

Natürliche Hilfe: Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Schafgarbe, Kamille

In der zweiten Zyklushälfte sorgt das Hormon Östrogen für das Wachstum des Brustdrüsengewebes.

Reagieren Ihre Brüste besonders empfindlich auf Berührungen oder sind gespannt, dann helfen Quarkwickel. Sie kühlen und haben eine abschwellende Wirkung.

Natürliche Hilfe: Mönchspfeffer

Liegt die letzte Regelblutung zwölf Monate zurück, haben die Eierstöcke ihre Arbeit vollständig und endgültig eingestellt. Es beginnt die letzte Phase der WechseljahrKurz vor der Periode arbeitet der Körper besonders hart und der Stoffwechsel beschleunigt sich: Der Körper braucht bis zu 350 Kalorien mehr. Das äussert sich in stärkerem Hunger – besonders auf Süsses. Ein Mangel an Magnesium und das Stresshormon Cortisol sind weitere Gründe für den Heisshunger.

Was man isst, macht den Unterschied: Frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte und Kartoffeln enthalten reichlich Mineralstoffe und Vitamine. Fisch ist eher besser als Milchprodukte und Fleisch.

Natürliche Hilfe: Pfefferminze, Ingwer, Topinambur

Sowohl der Anstieg der Hormone als auch ihr Abfall kurz vor der Menstruation können Kopfschmerzen auslösen. Einige Frauen leiden an menstrueller Migräne, die nicht unter die PMS-Symptome fällt, sondern eine Diagnose für sich ist.

Die Anti-Baby-Pille gilt als wirksames Mittel gegen PMS-Kopfschmerzen. Ansonsten nützen meistens herkömmliche Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Gegen Spannungskopfschmerzen helfen zwei bis drei Tropfen Pfefferminzöl oder Tigerbalsam an Stirn und Schläfe.

Natürliche Hilfe: Echte Mädesüss, Mutterkraut, Lavendel, Ingwer und Weidenrinde

Starke Verkrampfungen in der Gebärmutter können sich auf die umliegenden Muskeln auswirken und in den Rücken und die Gelenke ausstrahlen.

Wie bei Bauchschmerzen entspannt Wärme Ihre Muskulatur. Also, Wärmeflasche füllen oder das Kirschkernkissen aufwärmen.

Natürliche Hilfe: Melisse, Ingwer, Johanniskraut

Forschende fanden heraus, dass Veränderungen der Eierstockhormone über den gesamten Menstruationszyklus hinweg der Grund für Schlafprobleme sind. Zudem ist in dieser Zyklusphase das Melatonin im weiblichen Körper niedriger. Es ist das wichtigste Hormon für einen gesunden Schlaf. 

Hungerattacken auf zuckerreiche und eher ungesunde Nahrung wie Schokolade, Chips oder Pizza sollten Sie besser vermeiden. Eine Studie belegte, dass Frauen, die viele pflanzliche Produkte zu sich nahmen, die Nebenwirkungen von PMS um 76 Prozent reduzierten. Eine kalorienarme Ernährung vor der Periode hilft darum, die Schlafqualität zu verbessern.  

Natürliche Hilfe: Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel, Passionsblüte, Hafer

Diese Kräuter helfen bei Schlafproblemen

Nicht nur in den Wechseljahren, sondern auch vor der Menstruation gerät die körpereigene Regulierung der Temperatur durcheinander. Zudem ist der Östrogenspiegel in dieser Zeit auf einem Tiefstand.

Kneipp-Anwendungen mit kalt-warmem Wechselduschen, Moorbäder und wechselwarme Fussbäder bringen die Körpertemperatur wieder ins Lot.

Natürliche Hilfe: Mönchspfeffer, Traubensilberkerze, Salbei, Lavendel, Schafgarbe, Frauenmantel

Medizinerinnen und Mediziner gehen davon aus, dass die Östrogene sich auf das Herz-Kreislauf-System, den Fett- und Zuckerstoffwechsel sowie den Darm auswirken. So kann es zu zyklusbedingter hormoneller Übelkeit, Blähungen oder Verstopfung kommen.

Gesundes Essen und viel Bewegung tragen zur Linderung bei. Geeignet sind magenfreundliche Lebensmittel wie Reis, Fisch oder reife Bananen. Ausserdem sollte man Zucker, Koffein und Nikotin meiden.

Natürliche Hilfe: Pfefferminze, Bohnenkraut, Ingwer, Eibisch (gegen Sodbrennen)

Wieder sind es die Hormone: Der Östrogenspiegel sinkt rapide ab, stattdessen kommt das Testosteron ins Spiel. Es regt die Talgdrüsen an, was zu fettiger Haut, verstopften Poren und somit zu Pickeln vor der Menstruation führt. 

Neben einer regelmässigen Reinigung helfen austrocknende Schwefelpaste oder Tonerde, die Sie nachts auf die Haut auftragen. Schonend reinigen können Sie Ihr Gesicht mit einem Gesichtsdampfbad oder einem Enzympeeling. Starke Akne sollten Sie unbedingt medizinisch behandeln lassen.

Natürliche Hilfe: Kamille, Majoran, Salbei, Thymian, Dost, Anis, Petersilie, Kerbel, Wacholderbeeren, Rosmarin, Schafgarbe

Das Wasser lagert sich gerne in den Brüsten, an den Augenlidern sowie an den Händen, Füssen und Beinen ein. Das Körpergewicht steigt und man fühlt sich aufgedunsen. Als Ursache gilt eine erhöhte Durchlässigkeit der Kapillarwand für Eiweiss. Flüssigkeit und Eiweiss treten ins Bindegewebe aus. In den Blutgefässen führt das zu Mangelerscheinungen. Der Körper reagiert und produziert gleich eine ganze Reihe an Hormonen. Diese halten dann das Körperwasser und das Kochsalz zurück. Dadurch wird die Ausscheidung verringert und die Einlagerungen nehmen langsam aber stetig zu. 

Salzarme Ernährung und entwässernde Lebensmittel wie zum Beispiel Gurken, Melonen, Ananas, Erdbeeren und Spargeln beugen der Einlagerung von Wasser vor.

Natürliche Hilfe: Birkenblätter, Ingwer, Brennnessel, Löwenzahn, Koriander

Haben Sie noch Fragen zu PMS?

Unsere Gesundheitsberaterinnen und -berater liefern Ihnen hilfreiche Informationen dazu.

Weitere Informationen zur Gesundheitsberatung

Was hilft gegen Stimmungsschwankungen?

«Die hat sicher wieder ihre Tage.» Nervt Sie dieser Satz auch? An den mühsamen Tagen vor den Tagen sind Frauen einem Strudel von wechselnden Emotionen ausgesetzt: gereizt, wütend, erschöpft, unsicher, niedergeschlagen oder lustlos. So als hätte man die Kontrolle über seine Gefühle verloren. Wenn Sie in der zweiten Zyklushälfte unter Stimmungsschwankungen leiden, können Sie Ihr Wohlbefinden mit wenig Aufwand merklich verbessern:

Sanfte Bewegung

Ein entspannter Spaziergang durch die Natur hilft oft mehr als eine Wärmeflasche im Bett – auch wenn man sich vielleicht erst überwinden muss. Sanfte Bewegung reduziert PMS und stellt die Balance im Körper wieder her. Neben leichtem Ausdauertraining eignet sich zum Beispiel auch Yoga, um tief durchzuatmen und Körper und Geist zu entspannen

Was Sie über Yoga wissen müssen

Ausreichend Schlaf

Sind Schlafprobleme menstruell bedingt, liegt das häufig an der Veränderung des Hormonspiegels in der zweiten Zyklushälfte. Progesteron wirkt schlafunterstützend. Sinkt der Spiegel vor der Menstruation wieder, kann es zu Schlafproblemen kommen. Die wirken sich wiederum negativ auf die Nebennieren aus und erhöhen den Cortisolspiegel im Körper. Die Produktion des Glückshormons Serotonin wird gleichzeitig gemindert. Zirkuliert dauerhaft zu viel Cortisol im Blut, schlägt sich das auch auf die Laune nieder: Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und durchgehend schlechte Laune sind dann an der Tagesordnung.

Es kann helfen, auf Koffein und Alkohol zu verzichten und dafür vermehrt Magnesium (z. B. in Bananen, Nüssen und Brokkoli) aufzunehmen. Gönnen Sie sich am Abend Entspannung – beispielsweise durch eine ausgiebige Massage oder mit einem warmen Bad. Melatoninhaltige Produkte oder Baldrian helfen, falls das Einschlafen schwerfällt.

Achtsamkeit

Kürzen Sie bewusst Ihre tägliche To-do-Liste und sorgen Sie für regelmässige Ruheinseln im Alltag. Meditations- und Achtsamkeitsübungen können bei Stimmungsschwankungen und hormonell bedingter Gereiztheit Wunder wirken. Nur wenige Minuten am Tag helfen bereits, das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen und gelassener mit zyklusbedingten Beschwerden umzugehen.

Einfacher meditieren lernen

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