Kurzsichtig oder weitsichtig – was ist der Unterschied?

Vier von fünf Schweizerinnen und Schweizern leiden an einer Sehschwäche. Wie genau kommt es zu einer Kurz- oder Weitsichtigkeit? Und was können Sie dagegen tun?

13.05.2022 Nina Merli 7 Minuten

Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist auf eine Sehhilfe angewiesen. Laut Umfragen von Optik Schweiz, des Schweizer Verbandes für Optometrie und Optik, tragen 80 Prozent aller 16- bis 74-Jährigen in der Schweiz eine Brille oder Kontaktlinsen. Dieser Wert ist höher als bei früheren Befragungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir immer schlechter sehen. Früher wurden leichte Fehlsichtigkeiten oftmals einfach nicht bemerkt und daher auch nicht korrigiert. Die demografische Entwicklung wirkt sich ebenfalls auf die zunehmenden Zahlen aus: Die Bevölkerung wird älter und im Alter nimmt die Sehschärfe in die Nähe tendenziell ab. 

Fehlsichtigkeit im Überblick

Kurzsichtigkeit

Wie wird Kurzsichtigkeit definiert?

Kurzsichtigkeit, im Fachjargon Myopie, ist eine angeborene oder erworbene Fehlsichtigkeit des Auges. Kurzsichtige sehen weiter entfernte Gegenstände undeutlich und verschwommen, erkennen nahe Objekte jedoch problemlos. Gemessen wird die Kurzsichtigkeit mit negativen Dioptrien. Ab einem Wert von –0,5 Dioptrien kann eine Korrektur sinnvoll sein, ab –1,0 ist sie nötig.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Die Länge des Auges ist angeboren, kann sich während der Wachstumsjahre allerdings verändern. Grundsätzlich gibt es zwei Ursachen für die Kurzsichtigkeit:

  • Der Augapfel ist etwas zu lang geraten (Achsenmyopie).
  • Die Linse und Hornhaut brechen das Licht zu stark (Brechungsmyopie).

Möglich ist auch eine Kombination aus Achsen- und Brechungsmyopie. Liegt eine der beiden Ursachen vor, werden die Lichtstrahlen vor statt – wie bei einem gesunden Auge – auf der Netzhaut gebündelt. Das Resultat: Wir sehen ein unscharfes Bild. Kurzsichtigkeit wird oft vererbt. Sind beide Eltern kurzsichtig, sind in 60 Prozent der Fälle auch die Kinder davon betroffen. Ist die Myopie nicht angeboren, können übermässige Naharbeit oder künstliches Licht die Sehkraft beeinträchtigen: Nicht nur das Lesen von Büchern und Zeitungen, sondern neu auch der intensive Gebrauch von Smartphones, Tablets und anderen Bildschirmen können zu Kurzsichtigkeit führen.

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Was sind die Folgen von Kurzsichtigkeit?

Die Kurzsichtigkeit nimmt weltweit zu. Laut einer aktuellen Studie schreitet die Kurzsichtigkeit jedoch nicht nur, wie bisher angenommen, bei Kindern, sondern auch noch bei Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren markant an. In der Regel wird die Kurzsichtigkeit problemlos mit einer Sehhilfe, also mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen, korrigiert.

Ab einer Dioptrie von –6 spricht man von einer pathologischen, also krankhaften Myopie. Die Folgen:

  • Durch das stark in die Länge gezogene Auge kann die Netzhaut und die Aderhaut so stark gedehnt werden, dass es zu einer stark verdünnten Netzhaut führen kann.
  • Es steigt die Gefahr einer Netzhautablösung oder einer Makulaerkrankung wie Grauer oder Grüner Star. Typische Symptome einer Netzhautablösung: das Sehen von Blitzen, Schatten und Russregen (erscheinen von schwarzen Punkten und Flecken im Gesichtsfeld).

Wie behandelt man Kurzsichtigkeit?

Mit einer passenden Sehhilfe kann der Lichteinfall vor dem Auge so gesteuert werden, dass das Gesehene nicht mehr vor, sondern exakt auf der Netzhaut abgebildet wird.

Brille: Die Kurzsichtigkeit wird mit einer Zerstreuungslinse korrigiert: Sie verschiebt den Punkt, an dem ferne Gegenstände scharf abgebildet werden, sodass er nicht mehr vor, sondern direkt in der Netzhaut liegt. Minusgläser sind am Rand etwas dicker als in der Mitte, können aber dank moderner Technik sehr dünn geschliffen werden.

Kontaktlinsen: Kontaktlinsen funktionieren nach demselben Prinzip wie Brillen. Sie ermöglichen auch bei starker Kurzsichtigkeit eine optimale Sehschärfe. Wenn das Auge für Kontaktlinsen geeignet ist und die Pflegehinweise sowie regelmässige Kontrollen eingehalten werden, können Kontaktlinsen über lange Zeit problemlos getragen werden. Allerdings sollten Sie Kontaktlinsen nicht permanent tragen, sondern die Korrektur mit einer passenden Brille abwechseln.

Laser: Kurzsichtigkeit kann heute auch mit modernen Augenlasern korrigiert werden. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Beim Lasern wird die Hornhaut dauerhaft abgeflacht, sodass die Fehlsichtigkeit ausgeglichen wird. Falls auch eine Hornhautverkrümmung vorliegt, kann diese gleich mitbehandelt werden.

Frische Luft für bessere Sehkraft

Schon vierzig Minuten tägliches Toben an der frischen Luft können Kinder im Grundschulalter vor Kurzsichtigkeit schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine chinesische Studie, die den Zusammenhang zwischen Freiluftaktivität und Kurzsichtigkeit bei Kindern untersucht hat. Der ständige Nahblick auf Fernseher, Computer und Smartphone sowie das fehlende natürliche Licht sind wesentliche Faktoren für die Ausprägung der Kurzsichtigkeit. Darum wird Eltern dringend geraten, ihre Kinder möglichst viel bei Tageslicht draussen spielen zu lassen. Australische Forschende untersuchen nun, ob der Aufenthalt im Freien auch bei erwachsenen Menschen die Kurzsichtigkeit positiv beeinflussen kann. 

Weitsichtigkeit

Wie wird Weitsichtigkeit definiert?

Weitsichtigkeit wird auch Hyperopie, Hypermetropie oder Übersichtigkeit genannt und hat zur Folge, dass Sie Dinge in der Ferne gut sehen, Kleingedrucktes oder nahe Gegenstände aber nicht scharf wahrnehmen können. Hyperopie ist allerdings nicht mit Alterssichtigkeit zu verwechseln. Gemessen wird die Weitsichtigkeit mit positiven Dioptrien. Bei den meisten Betroffenen liegt die Brechkraft der Augen unter +4 bis +5 Dioptrien.

Wie entsteht Weitsichtigkeit?

Bei einem weitsichtigen Auge liegt der Brennpunkt des Lichtes nicht genau auf der Netzhaut, sondern dahinter. Folgende Ursachen können verantwortlich dafür sein:

  • Der Augapfel ist etwas kürzer als im Normalfall (Achsenhyperopie).
  • In seltenen Fällen können Linse und Hornhaut das Licht nicht genug stark brechen (Brechungshyperopie).

Je nach Alter und Ausprägung der Weitsichtigkeit werden ferne Gegenstände schärfer wahrgenommen als nahe. Die Stärke der Weitsichtigkeit verändert sich im Alter – im Vergleich zur Kurzsichtigkeit – nur selten.

Was sind die Folgen von Weitsichtigkeit?

Oft wird Weitsichtigkeit in jungen Jahren gar nicht erkannt. Denn das visuelle System kann noch gut kompensiert werden. Allerdings durch eine verstärkte, wenn auch unbemerkte Seh-Anstrengung. Bei ausgeprägteren Hyperopien oder mit zunehmendem Alter kann diese Anstrengung jedoch verschiedene körperliche Beschwerden auslösen: Überanstrengung und Ermüdung der Augen, Augen- und Kopfschmerzen oder sogar Nacken- und Rückenschmerzen. Brennende Augen oder häufige Bindehautentzündungen können ebenfalls eine Folge von Weitsichtigkeit sein.

Weitere Informationen zur Bindehautentzündung

Alterssichtigkeit oder Weitsichtigkeit?

Im Laufe des Lebens nimmt bei allen Menschen die Elastizität der Linse ab. Die Augenlinse wird dicker und fester, die Akkommodationsfähigkeit lässt nach. Das bedeutet: Die Linse lässt sich nicht mehr so gut krümmen, näher liegende Dinge wirken plötzlich unscharf. Alterssichtigkeit wird auch Presbyopie genannt und macht sich meistens ab dem 40. bis 50. Altersjahr bemerkbar.

Normalerweise beträgt der Leseabstand zwischen 30 und 40 Zentimetern. Bei Alterssichtigkeit wird der Abstand immer grösser, bis die Arme «zu kurz» sind, um den nötigen Abstand zur Zeitung oder der Speisekarte herzustellen. Ignoriert man die Presbyopie, können, abgesehen von der beeinträchtigten Sehkraft, Kopfschmerzen oder brennende Augen auftreten.

Alterssichtigkeit kann mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Im Allgemeinen wird die schwächste Korrektur gewählt. So wird die verbliebene Akkommodationsfähigkeit der Linse genutzt und der Fernpunkt im grösstmöglichen Abstand vom Auge gehalten. Mit dem Fortschreiten der Alterssichtigkeit etwa bis zum 70. Lebensjahr muss die Korrektur für die Nähe in der Regel immer weiter erhöht werden.

Wie behandelt man Weitsichtigkeit

Eine Weitsichtigkeit können Sie mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen beheben. Bei Weitsichtigen werden sogenannte Sammellinsen, auch Plusgläser genannt, mit einem positiven Brech- oder Dioptrienwert verwendet. Das heisst: Die Linsen sind nach aussen gebogen (konvex) und bündeln dadurch die Lichtstrahlen, bevor sie auf die Hornhaut fallen. Bei einer sehr stark ausgeprägten Hyperopie werden Kontaktlinsen bevorzugt, weil die zur Korrektur notwendigen Brillengläser sehr dick und dadurch auch schwer wären.

Als Alternative können Weitsichtige, wie auch Kurzsichtige, eine Laserbehandlung zur Behandlung in Erwägung ziehen: Dabei haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Laserverfahren sowie der Implantation von Kontaktlinsen oder weiteren linsenchirurgischen Verfahren.

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