Wenn Kinder spielen und sich bewegen, fördert dies weit mehr als ihre körperliche Entwicklung. Bewegung beeinflusst Körper, Gefühle, Psyche und Gehirn gleichzeitig – und ist damit ein zentraler Baustein für eine gesunde Entwicklung.
Kinder haben von Natur aus ein starkes Bedürfnis, sich zu bewegen. Dieser Bewegungsdrang ist kein «Zuviel» an Energie, sondern ein zentraler Teil ihrer Entwicklung. Über Bewegung erschliessen sich Kinder ihre Umwelt, lernen ihren Körper kennen und sammeln wichtige Erfahrungen für Gesundheit, Lernen und soziales Verhalten.
Bewegung ist damit weit mehr als Freizeitbeschäftigung: Sie legt den Grundstein für ein gesundes Leben.
Ein aktiver Lebensstil stärkt das Immunsystem und unterstützt den Aufbau stabiler Knochen. Zudem kräftigt regelmässige Bewegung die Muskulatur und macht das Herz-Kreislauf-System leistungsfähiger. Kinder schulen damit Motorik, Koordination und ihr Körpergefühl. Das gibt ihnen Sicherheit im Alltag.
Zudem unterstützt körperliche Aktivität ein gesundes Körpergewicht und kann dazu beitragen, einem Risiko für Beschwerden wie Übergewicht oder Typ-2-Diabetes bereits im Kindesalter vorzubeugen.
Körperliche Aktivität hilft Kindern, Gefühle besser zu regulieren und ein stabiles Selbstbild zu entwickeln. Bewegung stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und fördert soziale Kompetenzen. Beim gemeinsamen Spielen oder Sport lernen Kinder Regeln, Respekt, Teilen und den Umgang mit Konflikten.
Auch der Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen gehört dazu – gerade daran wachsen Kinder oft.
Regelmässige Bewegung wirkt sich auch auf das psychische Wohlbefinden positiv aus. Sie kann helfen, Stress abzubauen, Anspannung zu lösen und positive Emotionen zu fördern. Kinder, die sich regelmässig bewegen, erleben ihren Alltag oft ausgeglichener und belastbarer.
Bewegung unterstützt die Gehirnentwicklung. Sie verbessert die Durchblutung und fördert die Vernetzung der Nervenzellen. Körperliche Aktivität unterstützt unter anderem die Konzentrationsfähigkeit und das Lernen.
Für Kinder ab 5 Jahren und Jugendliche empfehlen das Schweizer Bundesamt für Sport BASPO und die WHO im Durchschnitt mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag mit mittlerer bis hoher Intensität. Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter sollten mindestens drei Stunden täglich körperlich aktiv sein. Langes Sitzen sollte regelmässig unterbrochen werden.
Studien aus der Schweiz zeigen: Mit zunehmendem Alter sinkt die körperliche Aktivität vieler Kinder und Jugendlicher deutlich. Gerade in der Pubertät erfüllen immer weniger Jugendliche die Bewegungsempfehlungen und viele steigen aus Vereinsangeboten aus. Umso wichtiger sind positive Bewegungserfahrungen in jungen Jahren.
Um Bewegung in den Alltag zu bringen, braucht es keine grossen Programme. Oft genügen kleine Impulse: Wege zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen, gemeinsam auf den Spielplatz gehen oder kurze, spielerische Bewegungspausen einbauen. Entscheidend ist ein entspannter Rahmen ohne Leistungsdruck, im Tempo des Kindes.
Kinder sind deutlich aktiver, wenn ihre Eltern es auch sind. Vorbildverhalten wirkt über Jahre und gehört zu den stärksten Faktoren für eine dauerhafte, positive Beziehung zu Bewegung. Gemeinsame Erlebnisse wirken oft stärker als jede Sportlektion.
Durch Ausprobieren. Ob Klettern, Velofahren, Tanzen, Ballspiele oder Skaten: Kinder zeigen meist schnell, was ihnen Freude macht. Nachhaltig ist Bewegung dann, wenn ein Kind freiwillig und mit Neugier dranbleibt.
Wenn Kinder sich dauerhaft zu wenig bewegen, kann der Bewegungsmangel ihre körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen und das Risiko für Übergewicht sowie weitere gesundheitliche Probleme erhöhen.
Wer im Verein oder in Gruppen trainiert, bleibt oft länger aktiv. Teamgeist, feste Trainingszeiten und Gemeinschaft geben Halt – gerade in der Pubertät. Im Team fällt Dranbleiben leichter, selbst wenn die eigene Motivation einmal nachlässt.
Wie wichtig frühe und positive Bewegungserfahrungen sind, zeigen Ergebnisse der SOPHYA-Studie. Kinder bleiben langfristig eher aktiv, wenn Bewegung mit Freude, Erfolgserlebnissen, Gemeinschaft und einem unterstützenden Umfeld verknüpft ist.
Entscheidend ist dabei nicht Perfektion, sondern die Freude an Bewegung. Was Kinder früh als stärkend erleben, begleitet sie oft bis ins Erwachsenenalter.
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Der Physiotherapeut stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Stefan Wöll (dipl. Physiotherapeut) war zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels in der Gesundheitsberatung von Helsana tätig.
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