Picky Eater: Bedeutung, Ursache und Umgang

Welche Art von Picky Eater ist mein Kind? Ist wählerisches Essverhalten eine Essstörung? Folgt die Ernährung von Kindern sensorischen Präferenzen? Erfahren Sie, warum viele Kinder wählerisch beim Essen sind und wie Sie mit einem Picky Eater umgehen.

21.01.2026 Imke Schmitz 7 Minuten

Themen im Überblick

Was ist ein Picky Eater?

Der aus dem Englischen stammende Begriff «Picky Eater» bedeutet «wählerischer Esser» oder «wählerische Esserin» und bezieht sich in der Regel auf Kinder. Ein betroffenes Kind isst nur ausgewählte Lebensmittel. Studien zufolge trifft das auf etwa 20% der Kleinkinder zu.

Der Unterschied zwischen Picky Eaters und normalem Kinderverhalten: Beim Picky-Eater-Syndrom lehnen Kinder phasenweise und teilweise plötzlich einige Lebensmittel konsequent ab. Ihr Kind isst dann beispielsweise gar kein Gemüse oder gar kein Fleisch mehr. Es ist hingegen normal, dass Kinder bestimmte Nahrungsmittel bevorzugen. Steht beispielsweise ein Teller mit Fischstäbchen, Kartoffeln und Erbsen vor ihm, isst Ihr Kind vielleicht nur den Fisch und die Kartoffeln und lässt die Erbsen liegen.

Die Gründe, warum manche Kinder wählerisch beim Essen sind, sind unterschiedlich. Mehrere Ursachen kommen infrage.

Wählerischer Esser, wählerische Esserin oder ARFID?

Picky Eaters haben keine Essstörung. Betroffene Kinder lehnen zeitweilig einige Lebensmittel ab, jedoch nicht dauerhaft. Anders ist es bei einer selektiven Essstörung: Kinder mit einer sogenannten ARFID (avoidant/restrictive food intake disorder, deutsch: vermeidend-restriktive Essstörung) meiden über einen längeren Zeitraum viele verschiedene Nahrungsmittel. Während ein Picky Eater weiterhin Appetit hat und bevorzugte Speisen zu sich nimmt, sorgt die ARFID für anhaltende Appetitlosigkeit bei Kindern sowie für Desinteresse am Essen generell. Ein Kind mit ARFID isst nicht ausreichend und ausgewogen. Folglich verliert es an Gewicht, bekommt zu wenige Nährstoffe und vermeidet das gemeinsame Essen mit Familie und Freunden.

Hinweis: Gerade zu Beginn ähnelt eine ARFID dem Picky-Eater-Syndrom. Bemerken Sie ein langanhaltend wählerisches Essverhalten bei Ihrem Kind, sprechen Sie mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin.

Picky Eater: Ursachen

Viele Eltern fragen sich: «Warum ist mein Kleinkind ein wählerischer Esser oder eine wählerische Esserin?» Picky Eating hat zwei Hauptursachen:

  • Kindliche Entwicklung: «Mein Kind probiert kein Essen» – diesen Satz bringen viele Mütter und Väter über die Lippen. Kinder sind oft vorsichtig, wenn es um neue, bisher unbekannte Lebensmittel geht. Das ist evolutionär sinnvoll. Wenn sie beim Altbekannten bleiben, gehen sie auf Nummer sicher und vermeiden potenziell gefährliche Nahrungsmittel. Auch die Autonomiephase spielt eine Rolle. Ihr Kind isst möglicherweise schlecht, weil es neue Geschmacksvorlieben entwickelt und lernt, eigenständig zu entscheiden.
  • Sensorische Empfindlichkeit: Einige Picky Eaters reagieren empfindlich auf eine bestimmte Konsistenz oder einen bestimmten Geschmack. Ihr Kind ekelt sich vielleicht vor Essen mit einer sehr weichen Textur. Das ist der Grund, warum viele Kinder beispielsweise kein gegartes Gemüse mögen. Mögliche Auslöser für diese Empfindlichkeit sind ADHS, Autismus oder Hochsensibilität. Ebenso kann sie erblich bedingt sein. Doch häufig sind Kinder auch ohne konkrete Ursache empfindlich gegenüber bestimmten Lebensmitteln.

Picky Eater als Erwachsener oder Erwachsene

Picky Eaters gibt es nicht nur unter Kindern. Auch Erwachsene können wählerisch sein, wenn sie essen. Das äussert sich ähnlich wie bei jüngeren Menschen: Sie meiden bestimmte Lebensmittel. Eine mögliche Ursache ist eine Autismus-Spektrum-Störung. Wie bei Kindern gilt: Wenn Sie über einen längeren Zeitraum hinweg sehr restriktiv essen, sprechen Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin. Denn auch eine ARFID ist ein denkbarer Grund.

Mögliche Folgen des Picky-Eating-Syndroms

Bleibt Ihr Kind für längere Zeit ein Picky Eater und schränkt es die Nahrungsaufnahme stark ein, steigt das Risiko für diverse Beschwerden. Zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von wählerischem Essverhalten gehören:

  • Nährstoffmangel: Möglicherweise entsteht ein Nährstoffmangel bei wählerischen Kindern, wenn sie sich nur einseitig ernähren und beispielsweise alle Gemüsesorten oder jegliche Früchte vermeiden. Häufig betreffen Nährstoffmängel bei wählerisch essenden Kindern Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine.
  • Gewichtsprobleme: Wählerisch essende Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Unter- oder Übergewicht sowie Adipositas.
  • Entwicklungsverzögerung: Eine einseitige Ernährung bei wählerischen Kindern beeinträchtigt mitunter deren Entwicklung, indem sie etwa das Wachstum hemmt.
  • Ungünstiges Essverhalten: Ist das Picky-Eater-Syndrom stark ausgeprägt, steigt die Wahrscheinlichkeit für restriktives und emotionales Essen im Erwachsenenalter.

Was tun mit wählerischen Kleinkindern?

Es gibt einige Strategien für die Ernährung eines wählerischen Kleinkindes, wie etwa Essspiele oder Gerichte für Picky Eaters. Idealerweise versuchen Sie es mit mehreren Massnahmen. So finden Sie heraus, welche am besten für Sie und Ihr Kind passt.

Esstraining für zu Hause

Bei einem Picky Eater gehören zur Behandlung klare Routinen. Wenn Sie diese gemeinsam als Familie befolgen, können Sie Ihr Kind an neue Lebensmittel gewöhnen und es gleichzeitig dazu motivieren, bereits vertraute Lebensmittel neu zu entdecken und zu geniessen. Ein Esstraining basiert üblicherweise auf folgenden Regeln:

  • Essen Sie gemeinsam und bleiben Sie für mindestens 20 Minuten am Tisch sitzen. So hat Ihr Kind genügend Zeit, um kurze Pausen einzulegen und bewusst zu spüren, ob es hungrig oder satt ist. Oft greifen Kinder nach einiger Zeit erneut zu.
  • Idealerweise sollte das Kind auf gleicher Höhe wie seine Eltern am Tisch sitzen. Ein Hochstuhl ist hierfür ideal. Schaffen Sie eine entspannte, familiäre Atmosphäre am Tisch. Vermeiden Sie Druck oder Streit während der Mahlzeiten, denn eine positive Stimmung fördert die Bereitschaft Ihres Kindes, Neues auszuprobieren.
  • Falls Ihr Kind zwischendurch von den Tellern der anderen Personen am Tisch isst, erlauben Sie ihm das. So bleibt es neugierig und entdeckt hin und wieder neue Nahrungsmittel.
  • Wenn Ihr Kleinkind gerne mit seinem Essen spielt, lassen Sie es gewähren. Das hilft, neue Lebensmittel weniger fremd erscheinen zu lassen.
  • Wie können Sie Ihrem Kind anderes Essen schmackhaft machen? Loben Sie es, wenn es bisher nur einmal gekostete oder völlig neue Lebensmittel probiert. Bieten Sie diese Speise regelmässig an und ermutigen Sie Ihr Kind weiterhin.
  • Ein kurzer Tischspruch nach 30 Minuten markiert das Ende der Mahlzeit. Das schliesst die gemeinsame Zeit ab und Ihr Kind kommt leichter wieder ins Spielen.
  • Legen Sie konkrete Zeiten für Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie für Zwischenmahlzeiten am Vor- und Nachmittag fest. Bieten Sie ausserhalb dieser Essenszeiten keine Snacks und gesüssten Getränke an. So lernt Ihr Kind, zu den «richtigen» Mahlzeiten ausreichend zu essen.

Eltern als Essvorbild

Essen und Nachahmung gehen bei Kindern Hand in Hand. Deshalb sollten Sie zugunsten einer ausgewogenen Ernährung Ihres Kindes ein gutes Vorbild sein. Konzentrieren auch Sie sich auf die Mahlzeit und legen Sie das Smartphone weg, wenn Sie am Tisch sitzen. Schalten Sie zudem den Fernseher aus. Seien Sie neuen Gerichten gegenüber offen und kommunizieren Sie klar, was Sie mögen und was nicht. Gestehen Sie das aber auch Ihrem Kind zu. Wichtig: Lehnen Sie Gemüse nicht kategorisch ab. Denn Ihr Kind übernimmt dies möglicherweise, was eine vielseitige Ernährung erschwert.

Essen für wählerische Kinder

Wenn Sie bemerken, Ihr Kind isst wenig oder nichts Gesundes, ist kreatives Essen für Picky Eaters ideal:

  • Für die Ernährung von Kindern sind bunte Teller besonders gut geeignet. Gemüse in unterschiedlichen Farben und auffällige Zutaten, wie beispielsweise rote Tomatensauce, machen die Mahlzeit spannender. Mit farbigem Kartoffelstock mit Spinat oder Randen können Sie sogar Gemüse verstecken in Kindermahlzeiten. So liefern sie zusätzliche Vitamine für wählerische Esser und Esserinnen.
  • Führen Sie unbeliebte Lebensmittel schrittweise in die Lieblingsgerichte Ihres Kindes ein. Mischen Sie etwa geraspelte Karotten oder Zucchini in die Tomatensauce für Pasta. So gewöhnt sich Ihr Kind langsam an neue Geschmacksrichtungen.
  • Einfallsreich angerichtetes Gemüse ist optimal für Kinder, die sonst kein Gemüse mögen. Legen Sie verschiedene Motive, wie zum Beispiel lustige Gesichter, ein Auto oder Tiere, an. Das macht auch Gemüseverweigerinnen und -verweigerern Spass. Sie suchen eine Idee für das Abendessen für wählerische Esser und Esserinnen im Kleinkindalter? Schneiden Sie Gurkenscheiben als Augen, legen Sie eine halbe Cherrytomate als Nase und formen Sie den Mund mit dünnen Paprikastreifen.
  • Essen für wählerische Kleinkinder darf gern mild gewürzt sein. Versuchen Sie es beispielsweise mit einer Currysauce oder süss-saurem Gemüse.
  • Es ist entscheidend, bei der Ernährung von Kindern Vielfalt anzubieten und kreative Mahlzeiten einzubauen. Planen Sie beispielsweise Themenmahlzeiten: Kochen Sie doch einmal nur mit roten oder grünen Zutaten. Ihr Kind freut sich noch mehr, wenn sich alle, die mitessen, in den entsprechenden Farben kleiden. Oder bereiten Sie Gerichte aus einem bestimmten Land zu.

Achten Sie auf saisonale Produkte. Obst und Gemüse der Saison sorgen für Abwechslung und schmecken in der Regel besonders gut.

Spiele für wählerische Esser und Esserinnen

In vielen Fällen helfen auch Essspiele für Picky Eaters. Den Appetit anzuregen bei Kindern, funktioniert auf mehrere Weisen:

  • Essen Sie eine Mahlzeit mit den Händen. Gut geeignet sind Gerichte wie Ofenkartoffeln, Gemüsesticks mit Dip, Reisbällchen, Omelettwürfel oder kleine Frikadellen. So entdeckt Ihr Kind die Zutaten ganz neu.
  • Schneiden Sie Früchte und Gemüse in kleine Stücke. Verbinden Sie Ihrem Kind die Augen und bieten Sie ihm die Lebensmittel nacheinander an. Fordern Sie es auf, die Lebensmittel zu erraten, indem es sie ertastet, riecht und letztlich schmeckt.
  • Zerkleinern Sie Nahrungsmittel Ihrer Wahl, beispielsweise Gemüse oder Früchte. Halten Sie von jeder Zutat zwei Stücke bereit. Verdecken Sie alle Komponenten unter jeweils einem Becher und spielen Sie Memory mit Ihrem Kind. Wer ein Paar findet, darf es essen.

Kinder einbeziehen in die Ernährung

Die Ernährung Ihres Kindes wird einfacher, wenn Sie Gelassenheit bewahren und es mit einbeziehen. Fragen Sie es, was es gern isst und was es überhaupt nicht mag. Bevorzugt es zum Beispiel knusprige oder weiche Lebensmittel? So können Sie auch die Arten von Picky Eaters bei Kindern erkennen und die Mahlzeiten demgemäss planen.

Gemeinsam zu kochen, ist bei Picky Eaters ebenfalls hilfreich. Auf diese Weise lernt Ihr Kind die Lebensmittel neu kennen. Teig kneten, Gurke schneiden und Suppe umrühren – Kochen als Familienaktivität ist spannend und motiviert Ihr Kind, das zubereitete Gericht anschliessend zu kosten.

Wenn Sie eine ausgewogene Ernährung bei Ihrem Kind fördern möchten, gehen Sie am besten zusammen einkaufen. Auch hier entdeckt es die vielen Nahrungsmittel neu. Tipp: Gehen Sie nicht nur in den Supermarkt, sondern besuchen Sie auch den Wochenmarkt oder einen Hofladen. Das macht die Sache noch aufregender, weil Ihr Kind sieht, woher die Lebensmittel kommen.

Ernährungsberatung für Kinder

Stellen Sie fest, Ihr Kind isst nicht, ist eine Ernährungsberatung womöglich angebracht. Die Fachperson spricht sowohl mit Ihrem Kind als auch mit Ihnen über das Essverhalten. Wie sieht es gegenwärtig aus und was könnten Sie verbessern? Gemeinsam erarbeiten Sie Routinen. Zusätzlich erhalten Sie nützliche Tipps, wie Sie neue Lebensmittel bei Kindern einführen können.

Bleiben Sie entspannt, wenn Ihr Kind beim Essen zögert. Ermutigen Sie es mit verschiedenen Massnahmen, bisher Unbekanntes zu probieren. Bieten Sie immer wieder unterschiedliche oder neue Speisen an und loben Sie es, wenn es sich etwas traut. Kinder – auch Picky Eaters – lernen durch Nachahmung. Seien Sie sich dessen bewusst. Definieren Sie zudem klare Rollen. Sie als Eltern entscheiden, was, wann und wo Ihr Kind isst. Ihr Kind entscheidet, wie viel es isst und ob es überhaupt isst.

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