Welche Art von Picky Eater ist mein Kind? Ist wählerisches Essverhalten eine Essstörung? Folgt die Ernährung von Kindern sensorischen Präferenzen? Erfahren Sie, warum viele Kinder wählerisch beim Essen sind und wie Sie mit einem Picky Eater umgehen.
Der aus dem Englischen stammende Begriff «Picky Eater» bedeutet «wählerischer Esser» oder «wählerische Esserin» und bezieht sich in der Regel auf Kinder. Ein betroffenes Kind isst nur ausgewählte Lebensmittel. Studien zufolge trifft das auf etwa 20% der Kleinkinder zu.
Der Unterschied zwischen Picky Eaters und normalem Kinderverhalten: Beim Picky-Eater-Syndrom lehnen Kinder phasenweise und teilweise plötzlich einige Lebensmittel konsequent ab. Ihr Kind isst dann beispielsweise gar kein Gemüse oder gar kein Fleisch mehr. Es ist hingegen normal, dass Kinder bestimmte Nahrungsmittel bevorzugen. Steht beispielsweise ein Teller mit Fischstäbchen, Kartoffeln und Erbsen vor ihm, isst Ihr Kind vielleicht nur den Fisch und die Kartoffeln und lässt die Erbsen liegen.
Die Gründe, warum manche Kinder wählerisch beim Essen sind, sind unterschiedlich. Mehrere Ursachen kommen infrage.
Picky Eaters haben keine Essstörung. Betroffene Kinder lehnen zeitweilig einige Lebensmittel ab, jedoch nicht dauerhaft. Anders ist es bei einer selektiven Essstörung: Kinder mit einer sogenannten ARFID (avoidant/restrictive food intake disorder, deutsch: vermeidend-restriktive Essstörung) meiden über einen längeren Zeitraum viele verschiedene Nahrungsmittel. Während ein Picky Eater weiterhin Appetit hat und bevorzugte Speisen zu sich nimmt, sorgt die ARFID für anhaltende Appetitlosigkeit bei Kindern sowie für Desinteresse am Essen generell. Ein Kind mit ARFID isst nicht ausreichend und ausgewogen. Folglich verliert es an Gewicht, bekommt zu wenige Nährstoffe und vermeidet das gemeinsame Essen mit Familie und Freunden.
Hinweis: Gerade zu Beginn ähnelt eine ARFID dem Picky-Eater-Syndrom. Bemerken Sie ein langanhaltend wählerisches Essverhalten bei Ihrem Kind, sprechen Sie mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin.
Viele Eltern fragen sich: «Warum ist mein Kleinkind ein wählerischer Esser oder eine wählerische Esserin?» Picky Eating hat zwei Hauptursachen:
Picky Eaters gibt es nicht nur unter Kindern. Auch Erwachsene können wählerisch sein, wenn sie essen. Das äussert sich ähnlich wie bei jüngeren Menschen: Sie meiden bestimmte Lebensmittel. Eine mögliche Ursache ist eine Autismus-Spektrum-Störung. Wie bei Kindern gilt: Wenn Sie über einen längeren Zeitraum hinweg sehr restriktiv essen, sprechen Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin. Denn auch eine ARFID ist ein denkbarer Grund.
Bleibt Ihr Kind für längere Zeit ein Picky Eater und schränkt es die Nahrungsaufnahme stark ein, steigt das Risiko für diverse Beschwerden. Zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von wählerischem Essverhalten gehören:
Es gibt einige Strategien für die Ernährung eines wählerischen Kleinkindes, wie etwa Essspiele oder Gerichte für Picky Eaters. Idealerweise versuchen Sie es mit mehreren Massnahmen. So finden Sie heraus, welche am besten für Sie und Ihr Kind passt.
Bei einem Picky Eater gehören zur Behandlung klare Routinen. Wenn Sie diese gemeinsam als Familie befolgen, können Sie Ihr Kind an neue Lebensmittel gewöhnen und es gleichzeitig dazu motivieren, bereits vertraute Lebensmittel neu zu entdecken und zu geniessen. Ein Esstraining basiert üblicherweise auf folgenden Regeln:
Essen und Nachahmung gehen bei Kindern Hand in Hand. Deshalb sollten Sie zugunsten einer ausgewogenen Ernährung Ihres Kindes ein gutes Vorbild sein. Konzentrieren auch Sie sich auf die Mahlzeit und legen Sie das Smartphone weg, wenn Sie am Tisch sitzen. Schalten Sie zudem den Fernseher aus. Seien Sie neuen Gerichten gegenüber offen und kommunizieren Sie klar, was Sie mögen und was nicht. Gestehen Sie das aber auch Ihrem Kind zu. Wichtig: Lehnen Sie Gemüse nicht kategorisch ab. Denn Ihr Kind übernimmt dies möglicherweise, was eine vielseitige Ernährung erschwert.
Wenn Sie bemerken, Ihr Kind isst wenig oder nichts Gesundes, ist kreatives Essen für Picky Eaters ideal:
Achten Sie auf saisonale Produkte. Obst und Gemüse der Saison sorgen für Abwechslung und schmecken in der Regel besonders gut.
In vielen Fällen helfen auch Essspiele für Picky Eaters. Den Appetit anzuregen bei Kindern, funktioniert auf mehrere Weisen:
Die Ernährung Ihres Kindes wird einfacher, wenn Sie Gelassenheit bewahren und es mit einbeziehen. Fragen Sie es, was es gern isst und was es überhaupt nicht mag. Bevorzugt es zum Beispiel knusprige oder weiche Lebensmittel? So können Sie auch die Arten von Picky Eaters bei Kindern erkennen und die Mahlzeiten demgemäss planen.
Gemeinsam zu kochen, ist bei Picky Eaters ebenfalls hilfreich. Auf diese Weise lernt Ihr Kind die Lebensmittel neu kennen. Teig kneten, Gurke schneiden und Suppe umrühren – Kochen als Familienaktivität ist spannend und motiviert Ihr Kind, das zubereitete Gericht anschliessend zu kosten.
Wenn Sie eine ausgewogene Ernährung bei Ihrem Kind fördern möchten, gehen Sie am besten zusammen einkaufen. Auch hier entdeckt es die vielen Nahrungsmittel neu. Tipp: Gehen Sie nicht nur in den Supermarkt, sondern besuchen Sie auch den Wochenmarkt oder einen Hofladen. Das macht die Sache noch aufregender, weil Ihr Kind sieht, woher die Lebensmittel kommen.
Stellen Sie fest, Ihr Kind isst nicht, ist eine Ernährungsberatung womöglich angebracht. Die Fachperson spricht sowohl mit Ihrem Kind als auch mit Ihnen über das Essverhalten. Wie sieht es gegenwärtig aus und was könnten Sie verbessern? Gemeinsam erarbeiten Sie Routinen. Zusätzlich erhalten Sie nützliche Tipps, wie Sie neue Lebensmittel bei Kindern einführen können.
Bleiben Sie entspannt, wenn Ihr Kind beim Essen zögert. Ermutigen Sie es mit verschiedenen Massnahmen, bisher Unbekanntes zu probieren. Bieten Sie immer wieder unterschiedliche oder neue Speisen an und loben Sie es, wenn es sich etwas traut. Kinder – auch Picky Eaters – lernen durch Nachahmung. Seien Sie sich dessen bewusst. Definieren Sie zudem klare Rollen. Sie als Eltern entscheiden, was, wann und wo Ihr Kind isst. Ihr Kind entscheidet, wie viel es isst und ob es überhaupt isst.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Séverine Godar (Ernährungsberaterin SVDE, Mikronährstofftherapeutin) arbeitet in der Helsana-Gesundheitsberatung. Sie unterstützt Kundinnen und Kunden bei Fragen rund um Ernährung und Gesundheitsförderung.
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