Schlafstörungen: Symptome, Ursachen und Behandlung

Was sind Schlafstörungen und welche Formen gibt es? Wie unterscheiden sie sich? Welche Krankheiten verursachen Schlafstörungen und was hilft, damit die Nächte wieder erholsam werden? Erfahren Sie mehr über Symptome, Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden.

15.10.2026 Christine Signer 6 Minuten

Was sind Schlafstörungen?

1, 2, 3 … 99 – zählen Sie öfters Schäfchen, bis der Schlaf endlich kommt? Oder wachen Sie nachts grundlos auf und wälzen sich im Bett? Dann leiden Sie möglicherweise unter eine Schlafstörung. Dies ist ein Oberbegriff für verschiedene medizinische Störungen des Schlafs und des Schlaf-wach-Systems (innere Uhr). Sie betreffen nicht nur das Ein- und Durchschlafen, sondern auch die Atmung, den Schlafrhythmus, Bewegungen oder das Verhalten im Schlaf. Die Formen unterscheiden sich stark, und ebenso vielfältig sind die Auslöser. Die Ursachen einer Schlafstörung sind psychisch oder organisch, teils auch beides zugleich.

Ab wann spricht man von einer Schlafstörung?

Ein paar unruhige Nächte hintereinander sind noch keine Schlafstörung. Gleiches gilt für vorübergehende Schlafprobleme oder eine kurze Phase mit Schlaflosigkeit. Ob hinter solchen Beschwerden eine Erkrankung steckt, hängt von festen Kriterien ab.

Für die Einordnung zählt zum Beispiel, ob überhaupt genügend Gelegenheit zum Schlafen besteht. Ebenso fliessen die Art der Beschwerden und ihr Verlauf mit ein. Bei Schlafstörungen dauern die Schlafprobleme mindestens einen Monat, an mindestens drei Nächten pro Woche. Wenn die Symptome länger als drei Monate anhalten, spricht man von chronischen Schlafstörungen. Entscheidend ist hier insbesondere der Leidensdruck der betroffenen Person. Es gibt sogenannte Kurzschläfer-Gene. Je nach Schlaftyp unterscheiden sich die Bedürfnisse. Einige Typen kommen problemlos mit weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht aus, andere brauchen mindestens neun Stunden, um erholt aufzuwachen. Wenn die Nacht jedoch über einen längeren Zeitraum damit endet, dass man sich gereizt oder müde fühlt, sollte man genauer hinschauen.

Doch wann wird schlechter Schlaf zur Störung? Eine allgemeine Grenze, ab der schlechter Schlaf krankhaft ist, gibt es nicht. Für jede Form der Störung gelten eigene diagnostische Kriterien.

Welche Schlafstörungen gibt es?

In der internationalen Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD-3) werden über sechzig verschiedene Schlafstörungen beschrieben. Diese lassen sich anhand ihrer Symptomesechs Hauptgruppen zuordnen:

  1. Insomnien
    Die Insomnie ist die häufigste Schlafstörung mit Ein- und Durchschlafproblemen. Betroffene finden abends schlecht in den Schlaf, wachen nachts auf oder erwachen früh am Morgen. Der Schlaf ist wenig erholsam. Zu den Symptomen der Insomnie zählen Erschöpfung am Tag, Reizbarkeit und eine gedrückte Stimmung. Solche Beschwerden treten kurzzeitig auf oder halten über längere Zeit an. Oft entsteht ein Kreislauf aus Anspannung und der Sorge vor der nächsten schlaflosen Nacht.
  2. Schlafbezogene Atmungsstörungen
    Bei schlafbezogenen Atmungsstörungen setzt die Atmung im Schlaf wiederholt aus oder flacht ab. Eine häufige Form ist die Schlafapnoe. Dabei erschlaffen die Muskeln im Rachen und die oberen Atemwege verengen sich. Lautes Schnarchen, nächtliche Atempausen und Tagesmüdigkeit gehören zu den typischen Zeichen. 
  3. Zentrale Störungen mit Hypersomnolenz
    Zentrale Störungen mit Hypersomnolenz führen zu starker Schläfrigkeit am Tag, trotz ausreichendem Nachtschlaf. Der Fachbegriff für diese Schlafstörungen lautet Hypersomnie. Dazu zählt beispielsweise die Narkolepsie. Betroffene überkommt tagsüber eine plötzliche Schlafattacke, gegen die sie kaum ankommen.
  4. Zirkadiane Schlaf-wach-Störungen
    Bei zirkadianen Schlaf-wach-Störungen passt die eigene innere Uhr nicht zum Tag-Nacht-Rhythmus. Das Hormon Melatonin steuert diesen Rhythmus und stimmt den Körper auf die Nacht ein. Gerät der Rhythmus dauerhaft durcheinander, entsteht eine Schlafstörung und betroffene Personen liegen trotz Müdigkeit wach. Typische Auslöser sind Jetlag und Schichtarbeit.
  5. Parasomnien
    Albträume, nächtliches Aufschrecken und Schlafwandeln gehören zu den Parasomnien. Der Begriff fasst ungewöhnliche Ereignisse im Schlaf und beim Aufwachen zusammen. Betroffene bewegen sich, handeln oder nehmen etwas wahr, ohne richtig wach zu sein. Bei Erwachsenen sind Parasomnien seltener als bei Kindern, aber möglich. Eine besondere Schlafstörung ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). Schlafende bewegen sich passend zu ihren Träumen, schlagen um sich oder rufen, statt ruhig zu liegen. Diese Form betrifft oft Männer ab fünfzig Jahren.
  6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen
    Schlafbezogene Bewegungsstörungen umfassen wiederkehrende Bewegungen oder einen Bewegungsdrang, wodurch der Schlaf gestört wird. Ein häufiges Beispiel ist das Restless-Legs-Syndrom: Ein starker Drang, die Beine zu bewegen, geht mit unangenehmem Kribbeln einher, meist abends und in Ruhe. Das führt oft zu Einschlafproblemen. Zu den Bewegungsstörungen zählt ebenfalls nächtliches Zähneknirschen, bei dem die Kaumuskeln im Schlaf arbeiten.

Welche Ursachen haben Schlafstörungen?

Zu den häufigen Ursachen und Auslösern einer Schlafstörung zählen:

  • Häufig entstehen Schlafstörungen beispielsweise wegen Stress bei der Arbeit oder wegen anderer Sorgen, die einem nachts den Schlaf rauben. Anhaltende Anspannung hält den Körper wach und erschwert das Abschalten am Abend. Psychische Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen begünstigen Schlafstörungen zusätzlich.
  • Schlafstörungen können auch körperliche Erkrankungen auslösen. Schmerzen, Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinträchtigen den Schlaf. Ebenso wirken sich neurologische oder andere chronische Grunderkrankungen auf die Nachtruhe aus.
  • Hormonelle Veränderungen begünstigen Schlafstörungen. Schlafstörungen treten in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren vermehrt auf. In der Schwangerschaft erschweren körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder häufiger Harndrang den Schlaf, vor allem in den letzten Monaten. In den Wechseljahren unterbrechen nächtliche Hitzewallungen durch den sinkenden Östrogenspiegel die Nachtruhe.
  • Veränderter sich der Schlaf-wach-Rhythmus,hat das auch Einfluss auf den Schlaf. Nachtarbeit und Schichtarbeit lösen in manchen Fällen Schlafstörungen aus. Auch häufige Wechsel der Arbeitszeiten bringen die innere Uhr durcheinander.
  • Bestimmte Medikamente beeinträchtigen als Nebenwirkung den Schlaf. Auch Koffein, Alkohol und Nikotin erschweren das Ein- und Durchschlafen zusätzlich.

Daneben wirken äussere und lebenssituative Umstände auf den Schlaf. Belastende Ereignisse, Lärm oder häufiges nächtliches Aufwachen durch ein Baby stören den Schlaf ebenfalls. Solche Faktoren beeinflussen die Nachtruhe oft erheblich und mindern die Schlafqualität.

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Folgen von Schlafstörungen

Guter Schlaf unterstützt die Gesundheit, denn nachts erholen sich Körper und Geist. In dieser Zeit ordnet das Gehirn die Erlebnisse des Tages, die Zellen erneuern sich und die Abwehrkräfte arbeiten auf Hochtouren. Fehlt langfristig erholsamer Schlaf, geraten diese Prozesse ins Stocken. Die Auswirkungen einer Schlafstörung zeigen sich dann zuerst am Tag und mit der Zeit auch im allgemeinen Wohlbefinden und der körperlichen Gesundheit.

Kurzfristig lassen Energie, Stimmung und Konzentration nach. Über längere Zeit reichen die Folgen tiefer und betreffen Körper und Psyche gleichermassen. Anhaltender Schlafmangel belastet Herz und Kreislauf und erhöht das Risiko für Übergewicht und Diabetes. Ebenso führen Schlafstörungen zu einem geschwächten Immunsystem und psychischen Beschwerden.

Wie viel Schlaf ist genug?

Gemäss einer repräsentativen Onlinebefragung von Helsana aus dem Jahr 2026 mit 1000 Personen ab achtzehn Jahren schlafen 29% der Befragten werktags weniger als sechs Stunden, und fast zwei Drittel kommen auf weniger als sieben Stunden. 35% der Befragten sind mit ihrer Schlafqualität unzufrieden. Doch wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist sehr individuell. Für Erwachsene gelten sieben bis neun Stunden als Richtwert. Viel wichtiger, als eine gewisse Anzahl Stunden Schlaf zu erreichen, ist jedoch, wie erholsam Ihr Schlaf ist und wie fit Sie sich tagsüber fühlen.

Diagnose von Schlafstörungen

Schlafstörungen sind medizinisch anerkannte Diagnosen. In der Schweiz ordnen Ärzte und Ärztinnen sie nach der internationalen Klassifikation ICD-10 ein. Diese Systematik teilt Schlafstörungen in verschiedene Diagnosegruppen ein. Die Gruppen unterscheiden nach der Ursache zwischen organischen und nicht organischen Schlafstörungen. Für alle Formen gilt diese Zweiteilung jedoch nicht.

Zu Beginn der Diagnose steht in der Regel das ärztliche Gespräch. Darin geht es um die Beschwerden nach Art, Beginn, Häufigkeit und Dauer. Ebenso zählen die Schlafzeiten und Schlafgewohnheiten sowie die Auswirkungen am Tag dazu. Auch mögliche Begleiterkrankungen und eingenommene Medikamente fliessen mit ein.

Ergänzend folgt eine körperliche Untersuchung. Oft kommt ein Schlaftagebuch hinzu, das die Nächte über einige Zeit festhält. Je nach Verdacht schliessen sich fachärztliche Untersuchungen an. In manchen Fällen klärt eine Nacht im Schlaflabor die genaue Ursache der Schlafstörung, etwa bei Atemaussetzern oder Bewegungsstörungen.

Was hilft bei Schlafstörungen?

Die passende Therapie einer Schlafstörung richtet sich nach ihrer Art, der Ursache, der Ausprägung und möglichen Begleiterkrankungen. Deshalb gibt es keinen einheitlichen Weg für alle Betroffenen. Jede Form der Schlafstörung braucht ihren eigenen Ansatz.

Ein gutes Beispiel ist die chronische Schlafstörung in Form der Insomnie. Hier gilt die kognitive Verhaltenstherapie als erste Wahl. Diese Behandlung setzt bei Gedanken, Gewohnheiten und dem Verhalten rund um den Schlaf an. Reicht dieser Weg nicht aus, wird die Behandlung unter Umständen durch Medikamente ergänzt. Schlafmittel eignen sich jedoch nur für kurze Zeit. Deshalb stimmen Ärzte und Ärztinnen jede medikamentöse Behandlung individuell auf die Situation ab und behalten Nutzen und Risiken im Blick.

Ebenso wichtig ist der Blick auf die Ursache der Schlafprobleme. Steckt eine körperliche oder psychische Erkrankung hinter den Beschwerden, gehört ihre Behandlung mit zur Therapie. Oft verbessert sich dadurch der Schlaf, während sich zugleich die zugrunde liegende Erkrankung bessert.

Wie lassen sich Schlafprobleme selbst lösen?

Neben der fachlichen Behandlung von Schlafstörungen tragen die eigenen Gewohnheiten viel zu erholsamem Schlaf bei. Fachpersonen empfehlen darum, eine gute Schlafhygiene aufzubauen und den Alltag bewusst zu gestalten. Dazu zählen möglichst regelmässige Schlaf- und Aufstehzeiten sowie eine ruhige, angenehme und abgedunkelte Schlafumgebung. Ebenso hilft es, Stress am Abend abzubauen und den Tag gedanklich abzuschliessen. Als Hausmittel gegen eine leichte Schlafstörung eignen sich ein festes Abendritual, ein beruhigender Tee oder ein warmes Bad. Diese und weitere Schlaftipps lassen sich schrittweise in den Alltag einbauen.


Gut zu wissen: Wer nicht schlafen kann, kann mit Meditation und Entspannungsmethoden einen Teil (aber nicht alles) an Erholung aufholen. Noch effektiver ist allerdings ein Powernap von zwanzig bis dreissig Minuten, zum Beispiel nach dem Mittagessen. Da wird auch die zelluläre Regeneration nachgeholt und das Gedächtnis besser konsolidiert.


Unabhängig davon, für welche Massnahme Sie sich entscheiden: Seien Sie dabei geduldig mit sich. Eine gesunde Schlafroutine braucht ihre Zeit. Ein Schlaftagebuch hilft Ihnen, Ihre Nächte festzuhalten und Fortschritte zu erkennen. Natürliche Schlafmittel wie Baldrian unterstützen Sie womöglich. Besprechen Sie deren Einnahme aber vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch wenn Ihre Schlafprobleme bestehen bleiben oder zunehmen, ist ärztlicher Rat empfehlenswert.

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