Was ist Gehirnjogging und wie funktioniert es? Wann beginnen Sie am besten damit? Welche Übungen gibt es? Hilft Gehirntraining bei Alzheimer? Erfahren Sie mehr über Gehirnjogging und den Unterschied zu Gedächtnis- und mentalem Training.
Mit zunehmendem Alter lassen Gedächtnis, Konzentration und Denkvermögen natürlicherweise nach. Dies ist jedoch kein unabwendbares Schicksal: Regelmässiges Gehirntraining kann helfen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten oder sogar zu erhöhen – beispielsweise mit speziellen Übungen zum Gehirnjogging. Was aber meint Gehirnjogging genau und wie unterscheidet es sich vom Gedächtnistraining?
Gehirnjogging – auch Gehirntraining genannt – ist ein Sammelbegriff für Übungen und Denkaufgaben, die verschiedene geistige Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, logisches Denken oder Problemlösen anregen. Gedächtnistraining hingegen ist enger gefasst: Es zielt vor allem darauf ab, sich Informationen besser zu merken und später wieder abzurufen. Gehirnjogging und Gedächtnistraining funktionieren in jedem Alter.
Mentales Training ist ein Begriff aus der Sportpsychologie. Es verfolgt das Ziel, die mentale Leistungsfähigkeit von Sportlerinnen und Sportlern zu verbessern. Mentales Training umfasst verschiedene Techniken, darunter die sogenannte Visualisierung: Sportlerinnen und Sportler gehen Bewegungsabläufe gedanklich durch und stellen sich vor, wie ihr Körper in welcher Situation reagiert. Das Gehirn nimmt diese mentalen Bilder als Trainingseinheit wahr. Die Folge: Die Verbindung zwischen Kopf und Körper sowie die mentale Stärke verbessern sich und die Sportlerinnen und Sportler sind vor Wettkämpfen konzentrierter. Doch auch ausserhalb des Sports nutzen Menschen mentales Training, zum Beispielwenn sie psychisch belastet sind. Durch mentales Training steuern sie ihre Gedanken, fördern ihre Resilienz und meistern stressige Situationen besser. Gehirnjogging ist Teil des mentalen Trainings.
Gehirntraining hilft, Gehirnleistungen wie Konzentration und Gedächtnis langfristig zu verbessern. Dabei gilt: Wer Gehirnjogging-Übungen mehrfach wiederholt, löst sie mit der Zeit schneller und sicherer. Der Fortschritt bezieht sich allerdings genau auf die jeweiligen Übungen. Das heisst: Wenn Sie öfter Sudokus lösen, werden Sie mit der Zeit schneller und besser darin. Sie lesen dadurch aber nicht konzentrierter, denn das Lesen beansprucht andere geistige Fähigkeiten. Das heisst, es lohnt sich, nicht nur regelmässig, sondern auch abwechslungsreich zu trainieren.
Einige Personen meistern mit der Zeit jedoch auch ähnliche Aufgaben leichter. Beim Sudoku wären das etwa andere Zahlenrätsel. Nur in seltenen Fällen verbessern Menschen auch andere geistige Fähigkeiten – unabhängig von der Art der Übungen, die sie machen.
Gut zu wissen: Ungefähr ab dem 40. Lebensjahr nimmt unsere Fähigkeit zu lesen, zu schreiben und zu rechnen ab. Es lohnt sich deshalb, schon früh mit Gehirntraining zu beginnen. Im höheren Alter sinken die geistigen Fähigkeiten vor allem bei jenen Menschen, die sie selten nutzen. Vom Gehirnjogging und Gedächtnistraining profitieren deshalb insbesondere Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr berufstätig sind: Gehirntraining fordert sie weiterhin geistig heraus und sie bleiben geistig aktiv und leistungsfähig.
Das Gehirn bleibt nur fit, wenn wir es regelmässig nutzen. Wer es gezielt trainiert, speichert neue Informationen leichter, und das in jedem Alter. Viele Übungen lassen sich dabei mühelos in den Alltag integrieren.
Das Gedächtnis – und damit die Fähigkeit, Dinge zu speichern und später wieder abzurufen – lässt sich mithilfe sogenannter Mnemotechniken gezielt trainieren. Mnemotechniken sind nützliche Gedächtnisstützen (umgangssprachlich «Eselsbrücken») für verschiedene Alltagssituationen:
Gut zu wissen: Diese Gedächtnistechniken eignen sich sowohl, um Ihr Kurzzeitgedächtnis als auch Ihr Langzeitgedächtnis zu trainieren. Sie sind auf kurzzeitig wichtige Informationen (z. B. Einkaufslisten) und auf Informationen anwendbar, an die Sie sich langfristig erinnern wollen (z. B. Planeten).
Gedächtnistraining ist auch im Hinblick auf Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer sinnvoll: Wer sein Gehirn regelmässig trainiert, stärkt die Verknüpfung zwischen den Nervenzellen im Gehirn und hilft diesem, neue Verknüpfungen aufzubauen. Fachpersonen sprechen in diesem Zusammenhang von Neuroplastizität. Die Folge: Ganz verhindern lässt sich Demenz durch Gehirntraining zwar nicht, doch die Symptome treten womöglich später oder abgemildert auf. Besonders wirksam ist das Gedächtnistraining, wenn es aus verschiedenartigen Übungen besteht: Fotos von Angehörigen betrachten und zuordnen, bekannte Musik hören oder selber Musik machen, Museen und Theater besuchen, Briefe schreiben, Spiele und Rätsel lösen.
Wichtig: Demenzkranke Menschen reagieren womöglich gestresst, wenn sich Übungen wie eine Prüfung anfühlen. Es ist daher sinnvoll, auf alltagsnahes Training zu setzen (wie z. B. Musik hören).
Regelmässige Bewegung ist wichtig für unsere geistige Leistungsfähigkeit. Sie verbessert Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Kontrolle. Besonders wirksam sind koordinativ anspruchsvolle Sportarten. Sie fordern das Gehirn zusätzlich und unterstützen so die geistige Fitness. Es gibt mehrere Bewegungsübungen, die helfen, das Gehirn zu trainieren:
Es gibt zahlreiche Rätsel und Spiele, die helfen, das Gehirn zu trainieren:
Spiele wirken sich günstig auf das Gehirn aus und machen es leistungsfähiger – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen und bei Seniorinnen und Senioren. Es erkennt logische Zusammenhänge besser, verarbeitet Informationen schneller und prägt sich diese besser ein. Für ganzheitliches Gehirntraining reicht es jedoch nicht, zu spielen. Kombinieren Sie verschiedene Übungen. So stärken Sie unterschiedliche geistige Fähigkeiten.
Mit den folgenden Tipps unterstützen Sie Ihr Gehirn zusätzlich zum Gehirntraining:
Trainieren Sie Ihr Gedächtnis fortlaufend – unabhängig von Ihrem Alter. Schicken Sie Ihr Gehirn täglich zum Gehirnjogging und fordern Sie es mit verschiedenen Aufgaben heraus: analysieren, erkennen, merken, kombinieren. Nutzen Sie die Techniken, die Ihnen Spass machen. Mal ist es ein Spiel, mal ein Merkspruch oder eine Übung kombiniert mit Bewegung. Hauptsache, Sie fordern sich – das hält Ihr Gehirn flexibel und fit.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Julia Pieh (Doktorin der Pharmazie und Toxikologie, Apothekerin, Naturheilpraktikerin) arbeitet in der Helsana-Gesundheitsberatung.
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