Winterschwimmen – das bringt’s und so geht’s

Eisbaden und Winterschwimmen liegen im Trend. Möchten auch Sie den Kältekick erleben? Hier erfahren Sie, was die gesundheitlichen Vorteile sind und wie Sie sicher vorgehen.

13.01.2026 Deborah Onnis 4 Minuten

Themen im Überblick

Eisbaden und Winterschwimmen – was ist der Unterschied?

Beim Eisbaden steigt man in Wasser mit einer Temperatur von unter 5 °C ein und verweilt kurz darin. Während einige auf Eistonnen schwören, bevorzugen andere einen winterlichen See, Fluss oder das Meer. Dabei ist man zunächst nur wenige Sekunden im Wasser und steigert die Zeit langsam. Beim Winterschwimmen bewegt man sich hingegen in einem kalten Gewässer mit Temperaturen von bis zu 15 °C fort.

Wirkung von Winterschwimmen

Jedes Jahr wagen sich mehr Menschen in kalte Gewässer. Sie versprechen sich davon positive Auswirkungen auf Körper und Geist. Untersuchungen bestätigen: Kurzzeitige Kälte regt das Herz-Kreislauf-System an, reduziert Stress und wirkt stimmungsaufhellend. Studien und Erfahrungsberichte deuten zudem darauf hin, dass Kaltwasserschwimmerinnen und ‑schwimmer seltener an Erkältungen erkranken.

Der 42-jährige Sébastian Haemmerli erlebt die Vorteile regelmässig. Wir haben ihn an einem kalten Wintermorgen am Genfersee getroffen. Die Wassertemperatur beträgt etwa zehn Grad. Strahlend steigt Haemmerli aus dem Wasser.

«Nach dem Bad fühle ich mich jedes Mal ausgezeichnet. Der Atem wird im kalten Wasser langsamer und gleichmässiger, das reduziert Stress.» Durch das regelmässige Winterschwimmen sei er entspannt und ausgeglichen.

Vor zehn Jahren hat der Waadtländer aus Vevey das Kaltwasserschwimmen für sich entdeckt. Ein Freund hatte ihm dazu geraten, wegen seiner damaligen Panikattacken. Nach einem Badeunfall war Sébastien Haemmerli beim Schwimmen jeweils verängstigt und gestresst. Nur im kalten Wasser blieb er ruhig. Seither steigt der medizinische Masseur und Hypnotherapeut im Winter fast täglich in den eiskalten See.

So geht sicheres Winterschwimmen

Sie möchten sich ins kühle Nass wagen? Tanya von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), einer Partnerorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes, zeigt es Ihnen in diesem Video vor:

Alle Schritte im Überblick

1. Richtig vorbereiten

Sie brauchen eine Kopfbedeckung (z. B. Badekappe oder Mütze), eine Schwimm-Boje oder einen Dry-Bag, ein Handtuch, warme Kleidung und ein warmes Getränk für danach. Bei Bedarf auch Neoprenhandschuhe und -socken. Und wichtig: Nehmen Sie aus Sicherheitsgründen immer eine zweite Person mit.

 2. Wassertemperatur herausfinden

Informieren Sie sich über die aktuelle Wassertemperatur. Halten Sie sich an die Faustregel: Wassertemperatur = maximale Aufenthaltsdauer im Wasser. Wenn das Wasser zum Beispiel 5 Grad kalt ist, dann sollten Sie maximal 5 Minuten im Wasser bleiben. Starten Sie mit kürzeren Zeitspannen. Es können am Anfang auch nur wenige Sekunden sein. Steigern Sie sich erst mit der Zeit.

3. Sichere Ein- und Ausstiegsstelle wählen

Egal, ob Sie lieber in einen See oder in einen Fluss steigen: Suchen Sie sich eine Stelle, die einfach und sicher zugänglich ist. Sie sollten schrittweise ins Wasser steigen können.

4. Schritt für Schritt ins Wasser

Steigen Sie langsam ins Wasser. So kann sich der Körper an die Kälte gewöhnen. Benetzen Sie dabei Ihren Körper. Vermeiden Sie es, den Kopf einzutauchen.
Pro-Tipp: Gehen Sie bereits im Sommer regelmässig draussen ins Wasser. So gewöhnt sich der Körper schrittweise an die tieferen Temperaturen.

5. Ruhig atmen

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Sie soll bewusst, ruhig und regelmässig sein. Vermeiden Sie Schnappatmung.

6. Auf den Körper hören

Es wird Ihnen unwohl? Steigen Sie sofort aus dem Wasser. Es wird vor allem dann gefährlich, wenn die Körpermitte extrem warm wird.

7. Von innen aufwärmen

Nach dem Schwimmen droht die grösste Gefahr: Unterkühlung. Trocknen Sie sich deshalb sorgfältig ab und ziehen Sie sich warm an. Trinken Sie ein lauwarmes Getränk. Das wärmt Sie von innen auf. Wichtig: Nicht direkt danach heiss duschen.

Wann sollten Sie auf Baden oder Schwimmen in kalten Gewässern verzichten?

Schwimmen und Baden bei kälteren Temperaturen erfordert eine gute körperliche Verfassung. Wer Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System oder gesundheitliche Beschwerden hat oder sich unsicher fühlt, sollte auf Winterschwimmen verzichten oder es zunächst ärztlich abklären.

Ist Eisbaden und Winterschwimmen für Frauen schädlich?

Expertinnen und Experten sagen «Nein», empfehlen Frauen aber eher sanftere Varianten des Winterschwimmens. Vor allem in der zweiten Zyklushälfte. Von Kältebädern profitieren sie schon bei Wassertemperaturen von 10 bis 12 Grad. Dabei ist eine Aufenthaltsdauer im Wasser von einer bis maximal drei Minuten mehr als genug. Auch Wechselduschen sind eine gute Option.

Der Grund für die sanftere Variante: Die Blutgefässe von Frauen verengen sich bei Kälte tendenziell stärker, um die Körperwärme zu erhalten. Das heisst, Arme und Beine kühlen schneller aus. Frauen zittern auch weniger als Männer – eine Reaktion des Körpers, die Wärme erzeugt. Dazu kommen die Hormone. In der zweiten Zyklushälfte hebt das Progesteron die Grundtemperatur an, was Frauen die äussere Kälte intensiver empfinden lässt.

Immunsystem stärken im Winter

In Eiseskälte baden zu gehen, ist nicht jedermanns Sache – muss es auch nicht. Auch wer im Winter draussen Sport betreibt oder spaziert, tut Gutes für Gesundheit und Wohlbefinden. Das hat mit der positiven Wirkung von Bewegung zu tun, aber auch mit den Temperaturunterschieden zwischen drinnen und draussen. Beides regt die Immunabwehr an.

Feuchte Schleimhäute sind eine wichtige Barriere gegen Viren und Bakterien. Aus diesem Grund sollte man auch ausreichend trinken, am besten zwei Liter Wasser oder Tee täglich. Flüssigkeit hält die Schleimhäute feucht und hilft, Krankheitserreger auszuspülen. Für Erkältungserreger wird es schwieriger, sich dort anzusiedeln.

Erkältung, Grippe und trübe Tage, die auf die Stimmung schlagen: Der Winter stellt unsere Gesundheit auf die Probe. Dafür wappnen kann man sich mit einem gesunden Lebensstil. Eine vitaminreiche Ernährung und Bewegung gehören dazu, auch ausreichend Schlaf und wenig Stress.

Eines der wirksamsten und einfachsten Mittel gegen Krankheitserreger ist weiterhin: Hände regelmässig mit Seife waschen, vor allem vor dem Essen. Tatsächlich werden über die Hände die meisten Erreger übertragen. Trockene und rissige Haut sollte man mit fettender Creme eincremen. Auch regelmässiges Lüften wird empfohlen: Es hilft, angesammelte Feuchtigkeit und Krankheitserreger zu reduzieren und so die Luftqualität zu verbessern.

Winterschwimmen belebt Körper und Geist – vorausgesetzt, Sie gehen achtsam vor. Starten Sie langsam, hören Sie auf Ihren Körper und beachten Sie die Sicherheitsregeln. So wird der Kältekick zu einem wohltuenden Erlebnis.

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