Tipps fürs Wochenbett

Ihr Baby ist da! Herzliche Gratulation. Jetzt ist es wichtig, dass sich Körper und Seele von den Strapazen der vergangenen Monate erholen. Dafür ist das Wochenbett da. Welche Veränderungen Sie erwarten und was bei Beschwerden hilft.

Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt bezeichnet man als Wochenbett, Puerperium oder Nachgeburtsphase. Solange dauert es, bis sich die Gebärmutter zurückbildet. In dieser Zeit verheilen auch allfällige Geburtsverletzungen. Wöchnerinnen – so nennt man die Mütter nach der Geburt – sollen sich im Wochenbett von der Schwangerschaft und Geburt erholen.

Wochenbett schon vor der Geburt organisieren

Der neue Alltag mit dem Baby bringt neue Aufgaben, die ganz schön fordern können. Regeln Sie deshalb ein paar Dinge im Voraus:

  • Hebamme engagieren: Suchen Sie sich für die Wochenbettbetreuung eine Hebamme oder eine Pflegefachperson. Sie besucht Sie zuhause und schaut, wie es Ihnen und Ihrem Nachwuchs geht. Sie berät Sie zur Babypflege, Rückbildung, zu Ihrer Ernährung und unterstützt Sie beim Stillen.
  • Haushalt delegieren: Organisieren Sie sich so, dass Sie sicher in den ersten zwei Wochen keine anstrengenden Arbeiten und schweren Einkäufe erledigen müssen. Sie leisten schon genug mit Ihrem Baby.
  • Hilfe annehmen: Wie wäre es mit einem gekochten Mittagessen oder einem Gutschein fürs Putzen statt Babygeschenken? Seien Sie erfinderisch und mutig!
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Was genau passiert im Wochenbett?

Schwangerschaft und Geburt sind vorbei, die Hormone stellen sich wieder um in den «Normalmodus». Allerdings braucht es dafür etwas Zeit. Welche Veränderungen auf Sie zukommen und wie Sie diese meistern:

Durch das Ablösen der Plazenta nach der Geburt, entsteht eine Wundfläche, die abheilen muss. Diese Wundheilung geht mit Blutungen einher, dem sogenannten Wochenfluss – medizinisch Lochien genannt. Anfangs kann der Wochenfluss stark sein und wird mit der Zeit immer schwächer. Er verfärbt sich von blutig-rot zu gelblich-weiss. Der Wochenfluss dauert etwa vier bis sechs Wochen.

Auch nach einem Kaiserschnitt setzt der Wochenfluss ein. Da sich die Gebärmutter im Vergleich zur vaginalen Geburt jedoch langsamer zurückbildet und bereits während der Operation viel Blut abgesaugt wurde, ist der Wochenfluss eventuell schwächer und dauert dafür etwas länger an.

Tipps für den Wochenfluss:

  • Auf dem Bauch liegen (falls möglich) und Bauchmassagen fördern das Abfliessen. Hierzu gibt Ihnen die Hebamme sicher Tipps.
  • Wochenfluss-Binden: Verzichten Sie auf Tampons, der Wochenfluss muss ungehindert abfliessen können, um einen sogenannten Lochialstau zu vermeiden. Und es könnten mit den Tampons Bakterien in die Gebärmutter gelangen und eine Infektion auslösen. Decken Sie sich am besten vor der Geburt mit speziellen Binden aus dem Supermarkt ein. Diese Baumwollbinden, auch Flockenwindeln genannt, sind etwas grösser als normale Damenbinden und besonders saugstark. Achten Sie darauf, dass die Binden nicht plastifiziert sind, damit sie atmungsaktiv sind.
  • Wechseln Sie die Binden regelmässig, um Infektionen zu vermeiden – vor allem bei einem Dammriss oder Dammschnitt ist Hygiene wichtig.
  • Der Wochenfluss ist in den ersten zehn Tagen oft so stark wie eine Menstruation. Legen Sie in den ersten Nächten zusätzlich ein Handtuch ins Bett, für den Fall der Fälle.
  • Verzichten Sie aufs Baden in dieser Zeit, um eine Infektion zu vermeiden.
  • Auch Geschlechtsverkehr ist eine Infektionsgefahr. Wenn, dann immer mit Kondom verhüten.

Mögliche Komplikationen:

  • Stress kann die Heilung der Gebärmutter beeinträchtigen. Falls die Blutung plötzlich wieder einsetzt, kann das ein Warnsignal sein. Schalten Sie einen Gang runter. 
  • Keine oder nur schwache Blutung: Möglicherweise ist der Muttermund verstopft. Dann kommt es zu einem Wochenflussstau. Symptome: Kopfschmerzen, Fieber, starke Schmerzen im Unterbauch, sehr unangenehmer Geruch des Ausflusses wie nach faulen Eiern.

Wenden Sie sich auch bei anderen Beschwerden oder Unterleibsschmerzen sofort an Ihre Hebamme, Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen.

Die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt auf die Grösse einer Birne zurück: von rund 1,5 Kilogramm auf etwa 60 Gramm. Diese Rückbildung, also das Zusammenziehen der Gebärmutter, erlebt jede Frau unterschiedlich stark. Beim ersten Kind ist es in der Regel nur ein leicht ziehender Schmerz im Bauch. Bei jedem weiteren Kind sind die Geburtsnachwehen oft schmerzhafter. Am intensivsten spüren sie Frauen beim Stillen. Auch nach einem Kaiserschnitt oder einer Ausschabung treten sie auf. Sie können auch Rückenschmerzen auslösen. In der Regel enden die Nachwehen nach vier Tagen, spätestens nach zehn sind sie vorbei.

Das hilft bei Nachwehen:

  • Atmen Sie den Schmerz weg wie Geburtswehen.
  • Eine volle Blase kann das Ziehen verstärken.
  • Pfefferminztee mit mindestens drei Zuckerwürfel trinken.
  • Legen Sie sich jeden Tag 20 Minuten auf den Bauch, sofern das geht. Diese Lage fördert die Rückbildung.
  • Falls die Wehen anhaltend stark sind: Fragen Sie Ihre Nachbetreuung oder in der Apotheke, welches Schmerzmittel beim Stillen erlaubt ist.

Sie fahren emotionale Achterbahn, von euphorisch bis überfordert – Stimmungsschwankungen sind normal. Sie haben auch einiges zu verarbeiten: Die Geburt, die neue Rolle als Mutter, das Stillen. Zudem haben Sie einen anderen Tagesrhythmus und müssen sich in der Partnerschaft neu organisieren. Vielleicht macht Ihnen auch Schlafmangel zu schaffen. Der sogenannte Baby-Blues tritt typischerweise zwischen dem dritten und fünften Tag auf, bedingt durch den Hormonabfall der Schwangerschaft. Der Baby-Blues kann ein paar Tage dauern. Lassen Sie Ihre Emotionen zu. Sorgen Sie für Ruhe und die Unterstützung des Partners und Ihres Umfelds.

So achten Sie auf Ihr Wohlbefinden:

  • Vergessen Sie Ihre Ansprüche nach Perfektion, auch was den Haushalt anbelangt. Jemand anders soll sich jetzt darum kümmern.  
  • Kein Terminstress! Sie brauchen Zeit für sich und das Baby.
  • Schlafen Sie tagsüber, wenn Ihr Baby schläft.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder anderen Bezugspersonen über das, was Sie bewegt.
  • Schämen Sie sich nicht für Ihre Gefühle. Auch die Mutterliebe muss sich entwickeln.
  • Gönnen Sie sich bewusst ab und zu eine halbe Stunde Zeit nur für sich.

Falls Sie länger traurig und antriebslos bleiben, handelt es sich vielleicht um eine Wochenbettdepression. Sprechen Sie mir Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt darüber.

So gehen Sie mit Wochenbettdepression um

Bei der Geburt kann es zu einem Dammriss (Scheidenriss Richtung After), einem Dammschnitt oder zu anderen Geburtsverletzungen der Scheide und Vulva kommen. Je nachdem wie schwer die Verletzung ist, wird diese direkt nach der Geburt des Mutterkuchens unter örtlicher Betäubung genäht. Kleine, nicht blutende Verletzungen verheilen ohne Nähen gut und schnell. In der Regel heilen Geburtsverletzungen innerhalb von zwei Wochen aus.

Geburtsverletzungen vermeiden: Sprechen Sie bereits vor der Geburt mit Ihrer Hebamme, Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber, wie Sie einem Dammriss oder Dammschnitt möglichst vorbeugen können.

Tipps bei Geburtsverletzungen:

  • Damit keine Keime vom After in die Wunde gelangen, den Po nach dem Stuhlgang immer nach hinten abwischen.
  • Während dem Wasserlösen lauwarmes Wasser über die Wunde laufen lassen. Dadurch bleibt der Dammriss sauber und es brennt nicht so.
  • Lauwarme Sitzbäder mit Kamille, Schafgarbe, Arnika oder Ringel­blume (Calendula Essenz) fördern den Heilungsprozess. Bei Bedarf täglich anwenden. Hält die Wunde weich und desinfiziert sie.
  • Gegen Schwellungen hilft kühlen: Kondom oder die Finger eines Latexhandschuhs mit Wasser füllen, im Eisfach gefrieren lassen, dann in ein Tuch gewickelt auflegen.
  • Quark wirkt zusätzlich entzündungshemmend: Quark mit 4 Tropfen Lavendelöl gut vermischen, dann 1 cm dick auf Kompresse streichen und auf die Dammverletzung auftragen. Sofort entfernen, sobald diese nicht mehr als kühl empfunden wird.
  • Pflegen: Wenn sich die Fäden aufgelöst haben, die Narbe zweimal täglich mit Mandelöl oder spezieller Narbensalbe massieren.

Geburtsverletzungen bei Neugeborenen treten zum Glück nur selten auf, da schwierige Geburten dank dem Kaiserschnitt vermieden werden.

Während der Schwangerschaft erschlafft der Beckenboden. Auch während der Geburt wurde das Bindegewebe im Beckengürtel enorm belastet. Der Beckenboden muss nun gestärkt werden, damit er seine Stützfunktion wieder voll aufnehmen kann. Denn ein schwacher Beckenboden kann zu Blasenschwäche, Stuhlinkontinenz, Rückenschmerzen oder Beckenbodenschmerzen führen. Doch keine Angst: Mit gezielten Übungen erhält Ihr Beckenboden nach und nach wieder die nötige Spannkraft.

Einfache Beckenboden-Übungen fürs Wochenbett

Für Ihre gesunde Rückbildung:

  • Beckenbodenübungen sind ab Geburt möglich. Mit der eigentlichen Rückbildungsgymnastik soll man allerdings erst nach dem Wochenbett starten (sechs bis acht Wochen nach der Geburt).
  • Die Rückbildung nach einem Kaiserschnitt dauert etwas länger: Warten Sie acht bis zehn Wochen mit der Rückbildungsgymnastik.
  • Nach der Wochenbettpause sind sanfte Sportarten wie Schwimmen, Walking, Yoga und Pilates ideal.
  • Bei Krämpfen kann hochdosiertes Magnesium helfen. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme, Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.

Viele Wöchnerinnen leiden im Wochenbett an Verstopfung. In Ihrem Bauch ist jetzt wieder mehr Platz für die Organe. Der Darm braucht bis zu zwei Wochen Zeit, um mit der Umstellung klar zu kommen. Wenig Bewegung, Schmerzen oder Angst beim Pressen sowie ein Mangel an Flüssigkeit durch das Stillen sind weitere Gründe für eine Verstopfung. So bringen Sie Ihre Verdauung in Schwung:

  • Starten Sie den Tag mit einem Glas lauwarmen Wasser.
  • Trinken Sie zwei bis drei Liter täglich.
  • Machen Sie oft kleine Spaziergänge.
  • Essen Sie ballaststoffreich, besonders hilfreich sind: Nüsse, Leinsamen, Früchte, Hülsenfrüchte, Getreide und getrocknete Pflaumen.
  • Massieren Sie den Bauch mit etwas Druck im Uhrzeigersinn.
  • Regen Sie den Darm mit Beckenboden-Übungen an.
Wie Sie sich ausgewogen ernähren

Der Milcheinschuss macht die Brüste grösser, wärmer und fester. Das kann schmerzhaft sein, legt sich aber grundsätzlich wieder. Bakterien, die durch kleine Verletzungen an der Brustwarze eindringen, können einen Milchstau oder sogar eine Brustentzündung (Mastitis) auslösen.

Das hilft bei Brustschmerzen:

  • Achten Sie auf eine gute Entleerung der Brust.
  • Vor dem Stillen: Wärmewickel mit warmem Wasser fördern den Milchfluss.
  • Nach dem Stillen: Kühlende Wickel mit kaltem Wasser entspannen die Brust.
  • Falls die Brüste gerötet sind, helfen kühlende Quarkwickel.
  • Sanfte Brustmassagen und Ausstreichen der Brust – Ihre Hebamme oder Stillberaterin zeigt Ihnen gerne wie.
  • Pflegen Sie in den ersten zwei Wochen die Brustwarzen mit einer speziellen Brustwarzensalbe.
  • Melden Sie sich bei Unsicherheiten bei Ihrer Wochenbettbetreuung oder der Stillberaterin (drei Beratungen werden von Ihrer Krankenkasse bezahlt).

Unsere Leistungen für Ihre Rückbildung

Aus der Zusatzversicherung COMPLETA erhalten Sie 75 % der Kosten bis 500 Franken pro Kalenderjahr für Schwangerschaftskurse, z. B. Rückbildungs- und Beckenbodentraining. Auch alternative Methoden wie Akupunktur fördern Ihre Genesung nach der Geburt.

Was zahlt die Krankenversicherung bei Mutterschaft?

Sie haben für die Zeit nach der Geburt folgende Leistungen aus der Grundversicherung zugute:

  • Betreuung zuhause: Besuche der Hebamme oder Pflegefachperson bis zu acht Wochen nach der Geburt
  • Stillberatung: drei Beratungen bei einer Hebamme oder bei einer speziell in Stillberatung ausgebildeten Pflegefachperson
  • Milchpumpe: mit ärztlicher Verordnung bis zu 340 Franken Kostenbeteiligung für den Kauf einer elektronischen Doppelmilchpumpe inkl. Zubehörset oder bis zu 175 Franken für den Kauf einer elektronischen Einzelmilchpumpe inkl. Zubehörset; manuelle Version bis zu 47 Franken
  • Medizinische Versorgung: ärztliche Nachkontrollen und notwendige Laboranalysen
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