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Vorsicht im Umgang mit «Superfoods»

Goji-Beeren, Chia-Samen oder Kale und andere unter dem Begriff «Superfoods» vermarkteten Produkte werden weitherum als Fitmacher und Heilmittel gepriesen. Doch ihre vermeintliche Wirkung hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Die in «Superfoods» enthaltenen Nährstoffe sind auch in vergleichbaren einheimischen Naturprodukten enthalten. Wozu also in die Ferne schweifen?

Superfood Goji Beeren gross

Wussten Sie, dass der Begriff Superfoods keiner klaren Definition unterliegt und gesetzlich nicht abgestützt ist? Die Auswahl an sogenannten Superfoods ist entsprechend gross und nimmt stetig zu. Dabei handelt es sich um ganz verschiedene Lebensmittel wie Samen (zum Beispiel Chia), Beeren (zum Beispiel Açai) oder alte Gemüsesorten (zum Beispiel Kale, auch als Feder- oder Grünkohl bekannt), um nur einige Gruppen zu nennen. Ihnen allen werden beinahe sagenhafte Wunderwirkungen zugeschrieben. Superfoods sollen unseren Körper mit einem Extra an lebenswichtigen Nährstoffen versorgen, gegen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, das Altern und sogar allerlei Krankheiten wirken. Die meisten dieser Behauptungen haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Es gibt bisher keine Anhaltspunkte, dass der gezielte Verzehr von Superfoods konkrete Vorteile bringt. Der gesamte Lebensstil – dazu zählen neben Ernährung auch Bewegung und Entspannung – ist für die Gesundheit des Menschen entscheidend, nicht einzelne Produkte.

Kritisch betrachtet werden sollten auch die häufig langen Transportwege, die einige Superfoods hinter sich haben. So stammen Goji-Beeren oft aus China, Chia-Samen aus Südamerika und Açai-Beeren aus dem Amazonasgebiet. Diese Transportwege sind vor allem dann fraglich, wenn es einheimische Lebensmittel gibt, die ähnliche Nährstoffe wie das exotische Pendant liefern. So stehen beispielsweise hiesige Leinsamen den Chia-Samen beim Gehalt von Omega-3-Fettsäuren in nichts nach. Heidelbeeren sind vergleichbar mit weit gereisten Aroniabeeren, und auch Quinoa weist kaum Vorteile gegenüber Hirse auf.

Stéphanie Hochstrasser, Ernährungsberaterin BSc BFH

Stéphanie Hochstrasser Stéphanie Hochstrasser arbeitet bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE in Bern. Sie leitet den kostenlosen Informationsdienst Nutrinfo, der Fragen rund um die Ernährung beantwortet.

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