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Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Überblick

Sollte unser Herz einmal ermüden, könnte das an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung liegen. Wir haben sieben typische Erkrankungen von Herz und Kreislauf für Sie kurz zusammengefasst.

Pausenlos pumpt das Herz Blut durch unsere Gefässe und versorgt unseren Körper, d. h. unsere Organe und das Gehirn, mit Sauerstoff. Sollte unser Herz einmal ermüden, könnte das an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung liegen. Wir haben sieben typische Erkrankungen von Herz und Kreislauf für Sie kurz zusammengefasst.

Bluthochdruck

Bluthochdruck ist eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bei welcher der Druck zu hoch ist, der auf die Wände der Arterien ausgeübt wird. Dadurch werden Arterien geschädigt und Organe überlastet. Ein Hirnschlag, eine Angina pectoris (Engegefühl oder Schmerz im Brustraum) oder ein Herzinfarkt sind oft die Folge von erhöhtem Blutdruck. Die Risikofaktoren für zu hohen Blutdruck sind vielfältig. Dazu gehören etwa unausgewogene Ernährung, wenig Bewegung oder Stress. Einen erhöhten Blutdruck spüren Betroffene in der Regel nicht. Bei sehr hohem Blutdruck können selten Schwindel, Kopfschmerzen oder Ohrensausen auftreten. Erfahren Sie hier mehr über Bluthochdruck.

Arteriosklerose

Hiervon spricht man, wenn sich die Arterien durch Fetteinlagerungen, Verhärtungen, Verkalkung und entzündliche Prozesse krankhaft verändern. In den Gefässwänden des Herzens entstehen Ablagerungen (Plaques), die das Gefäss verengen oder sogar verschliessen können. Dadurch kann weniger oder gar kein Blut mehr durch die Arterien fliessen. Arteriosklerose entsteht über Jahre oder gar Jahrzehnte.

Anzeichen

Arteriosklerose entwickelt sich ohne spürbare Anzeichen. Sie macht sich erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar. Etwa durch Angina pectoris oder einen Herzinfarkt ((Verlinkung zu Blog-Artikel Herzinfarkt)), einen Hirnschlag, eine Niereninsuffizienz oder Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Wie behandeln

Eine Arteriosklerose kann nicht rückgängig gemacht werden. Bei einer Behandlung geht es darum zu verhindern, dass sich die Krankheit weiter verschlechtert. Gerade ein gesunder Lebensstil ist wichtig. Auch die Behandlung von Risikofaktoren wie hohes Cholesterin, Bluthochdruck und Diabetes helfen, den Fortschritt der Krankheit zu bremsen oder gar zu stoppen. Zum Einsatz kommen je nach Situation auch Medikamente oder eine Angioplastie, also das Aufdehnen der verengten Gefässe, sowie die Implantation einer Gefässstütze (Stent). In gewissen Fällen ist auch eine Operation nötig.

Verengung bzw. Verschluss der Herzkranzgefässe

Wenn die Herzkranzgefässe sich verengen, auch koronare Herzkrankheit genannt, kann dies zu einem Herzinfarkt führen. Eine weitere Folge kann ein Stillstand von Herz und Kreislauf (plötzlicher Herztod) sein. Einlagerungen von Fett, Verhärtungen oder Verkalkungen (auch Arteriosklerose genannt) sind dafür verantwortlich, dass sich die Herzkranzarterien verengen. Die koronare Herzkrankheit führt dazu, dass der Herzmuskel nicht mehr richtig durchblutet wird.

Anzeichen

Ein Gefühl von Enge und Druck in der Brust bei einer Anstrengung (Angina pectoris) oder im Ruhezustand (Herzinfarkt).

Wie behandeln

Bei Angina pectoris: Mit Medikamenten wird der Sauerstoffverbrauch reduziert. Anschliessend werden die verengten Gefässe durch einen Katheter erweitert oder es wird eine Bypass-Operation durchgeführt.

Bei einem Infarkt: Die verschlossenen Arterien müssen so rasch wie möglich wieder geöffnet werden. Das geschieht entweder mithilfe eines Katheters mit Ballon und einer Gefässstütze (sogenannter Stent) oder seltener durch eine Bypass-Operation.

Herzschwäche

Bei einer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, ist das Herz überlastet. Es kann nicht mehr genügend Blut durch den Kreislauf pumpen. Schnelle Erschöpfung und Atemnot sind die Folge. Auslöser der Krankheit ist fast immer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Am häufigsten ist dies ein Infarkt oder ein hoher Blutdruck. Auch ein angeborener Herzfehler oder eine Erkrankung der Herzklappen können dafür verantwortlich sein.

Anzeichen

Atemnot, Müdigkeit, Schwächegefühl, Wasser in den Beinen oder in der Lunge.

Wie behandeln
  • Entlastung des Herzmuskels durch Medikamente
  • Herztransplantation
  • Implantieren einer Pumpe zur Unterstützung des Herzens
  • Implantieren eines Defibrillators

Herzrhythmusstörungen

Bei einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) schlägt das Herz entweder zu schnell (> 100/Min.), zu langsam (< 60/Min.) oder unregelmässig. Zur häufigsten Form gehört das Vorhofflimmern. Dabei entsteht in den Vorhöfen eine Art elektrisches Gewitter, wodurch das Herz zeitweise oder dauerhaft unregelmässig und oft auch zu schnell schlägt. Die Ursachen sind sehr vielfältig. Oft werden sie durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgelöst, wie etwa erhöhter Blutdruck, Herzinfarkt, Herzklappenfehler oder Herzinsuffizienz. Alkohol, Koffein, Drogen oder Medikamente können ebenfalls eine Rhythmusstörung hervorrufen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine Herzrhythmusstörung.

Anzeichen
  • Rhythmus zu langsam: Schwindel oder Leistungsschwäche
  • Rhythmus zu schnell: Herzklopfen oder Herzrasen, Leistungsschwäche
Wie behandeln
  • Medikamente (z. B. Blutverdünner)
  • Betroffenes Herzgewebe wird mittels Katheter verödet (stillgelegt)
  • Implantieren eines Herzschrittmachers
  • Implantieren eines Defibrillators

Herzklappenfehler

Wir verfügen über vier Herzklappen. Sie sorgen dafür, dass das Blut im Körper in die richtige Richtung fliesst. Diese Klappen können verwachsen, verdickt oder verkalkt sein. In solchen Fällen öffnen sie sich nicht mehr genügend, das Blut kann nur bedingt fliessen und so weniger Sauerstoff liefern (Herzklappenstenose). Auch können die Klappen ausgeweitet oder eingerissen sein. In diesem Fall schliessen sie nicht mehr genügend und so fliesst das Blut bei jedem Herzschlag zurück (Klappeninsuffizienz). Für Herzklappen-Erkrankungen gibt es verschiedene Ursachen. Dazu gehören etwa Infektionskrankheiten, eine altersbedingte Verkalkung, angeborene Klappenveränderungen oder auch erbliche Krankheiten.

Anzeichen
  • Atemnot, Herzklopfen, starke Müdigkeit, Kreislaufkollaps.
Wie behandeln
  • Ersetzen der Herzklappe über Katheter oder durch Operation
  • Rekonstruieren der Herzklappe durch Operation

Herzbeutelentzündung

Bei einer Herzbeutelentzündung, auch Perikarditis genannt, bildet sich in der zweischichtigen Haut des Herzbeutels eine Entzündung mit viel Flüssigkeit (Erguss). Häufigste Ursache sind virale Infektionen. Aber auch bakterielle Infekte, Herzinfarkte, Nierenversagen oder Tumore können eine solche Entzündung auslösen.

Anzeichen
  • Lageabhängige Schmerzen in der Brust, Atemnot.
Wie behandeln

Meistens heilt eine akute Herzbeutelentzündung bei richtiger Behandlung und unter Überwachung im Spital aus. Behandlungsmassnahmen sowie Medikamente, die dazu benötigt werden, sind vom jeweiligen Krankheitsbild abhängig. Wird eine Herzbeutelentzündung nicht behandelt, kann die Krankheit chronisch werden. Das kann zu einer Schädigung des Herzmuskels mit Nieren- oder Leberschäden führen.

Autor: Christian Benz
Veröffentlichung: 30.08.2019

Dr. Robert C. Keller, Geschäftsführer der Schweizerischen Herzstiftung

Robert Keller Dr. Robert C. Keller ist Geschäftsführer der Schweizerischen Herzstiftung mit Sitz in Bern. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im Bereich kardiovaskuläre Erkrankungen und leitet in der Stiftung die Bereiche Forschung und Prävention. Dr. Keller stand der Redaktion beratend zur Seite.

www.swissheart.ch

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