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Schlafwandeln: Mögliche Ursachen und Vorkehrungen

Beim Schlafwandeln geraten Betroffene manchmal in komische, ja sogar gefährliche Situationen. Wir zeigen Ihnen, was es damit genau auf sich hat und was Sie tun können.

Über das Schlafwandeln gibt es viele sonderbare Geschichten – vom Spazierengehen über das Putzen bis hin zum Klavierspielen. Weniger vorhanden sind dagegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den nächtlichen Ausflügen, im Fachjargon Somnambulismus genannt. Wissenschaftler sprechen von einer Schlafstörung, die meistens in der Tiefschlafphase auftritt. Am nächsten Morgen können sich Betroffene in der Regel an nichts erinnern.

Wacher Körper trotz Schlaf

Schlafwandeln dauert in den meisten Fällen einige Sekunden bis Minuten und findet hauptsächlich im Schlafzimmer statt. «Nur selten dauert das Schlafwandeln länger», sagt Daniela Janssen, Psychotherapeutin und Somnologin am Zentrum für Schlafmedizin Hirslanden in Zürich. Dabei werden verschiedene Bereiche im Gehirn aktiviert, die Betroffene in einen besonderen Zustand versetzen – eine Mischung aus Wachzustand und Schlaf. Mit anderen Worten: Zwar funktionieren die Bewegungsabläufe, aber das Hirn ruht. Auslöser dafür ist eine Aufwachstörung, die gut eine Stunde nach dem Einschlafen einsetzt. Das Gehirn aktiviert die Motorik, die durch verschiedene Reize ausgelöst werden kann, etwa durch ein lautes Geräusch oder eine volle Blase. Im Schlaf ist das Bewusstsein ausgeschaltet, weshalb Schlafwandler meistens keinen Schmerz spüren und vertraute Menschen nicht erkennen.

Vor allem Kinder sind Schlafwandler

Rund 15 bis 30 Prozent aller Kinder schlafwandeln mindestens einmal in ihrem Leben. Nach dem 10. Lebensjahr nimmt die Schlafstörung in der Regel ab und endet in den meisten Fällen spätestens mit der Pubertät. Die Ursachen dafür sind nicht belegt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit spielen genetische Faktoren eine Rolle: 80 Prozent der Betroffenen haben sehr nahe Verwandte, die darunter leiden oder gelitten haben. Auch Stress kann dafür verantwortlich sein, wie etwa die Einschulung oder eine Übernachtung auswärts. Bei Erwachsenen kann Schlafwandeln unabhängig von anderen Schlafstörungen auftreten. Nicht selten in Verbindung mit Atembeschwerden oder unkontrollierten Beinbewegungen im Schlaf. Zudem können übermässiger Alkoholkonsum, Schlafmangel, Stress oder psychische Belastungen eine solch unruhige Nacht fördern. «Die Ursachen dafür sind völlig unterschiedlich», sagt Janssen. Umso wichtiger sei es deshalb, dass erwachsene Schlafwandler einen Arzt aufsuchen.

Was tun bei Schlafwandeln

Schlafwandeln kann für Angehörige unangenehm sein, gerade für Lebenspartner, die mit den Betroffenen im selben Bett schlafen. Eine Gefahr aber stellen Schlafwandler nur für sich selbst dar. Je besser jemand über seine nächtlichen Aktivitäten Bescheid weiss, desto besser kann er sich davor schützen. «Überlegen Sie sich, was Ihnen im Schlaf gefährlich werden könnte und treffen Sie Ihre individuellen Sicherheitsvorkehrungen», empfiehlt Janssen. Zerbrechliche Gegenstände oder Hindernisse am Boden etwa sollte man wegräumen, insbesondere aus dem Schlafzimmer. Auch ist es ratsam, vor dem Schlafengehen Haus- und Balkontüren mit dem Schlüssel zu schliessen und die Schlüssel zu verstecken.

Umgang mit Schlafwandler: nicht wecken – reden

«Nur bei akuter Gefahr aufwecken», rät Daniela Janssen, «und das Licht nicht einschalten.» Was helfen kann: reden. «Legen Sie der Person nahe, zurück ins Bett zu gehen.» Dasselbe gelte mit dem Anfassen: «Kündigen Sie Ihre Handlungen immer vorher an», betont die Expertin, etwa mit Aussagen wie «ich nehme deine Hand und bringe dich zurück ins Bett.» Dadurch wird verhindert, dass die Betroffenen aufwachen. «Werden Schlafwandler geweckt, reagieren sie meistens sehr verwirrt, teilweise auch aggressiv», warnt Janssen. Bei Kindern können auch bestimmte Rituale vor dem Einschlafen helfen: «Lesen Sie jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte vor, damit sich Ihr Kind besser an den Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen kann und zur Ruhe kommt.»

Checkliste für Schlafwandler

  • Verriegeln Sie vor dem Einschlafen Türen und Fenster.
  • Entfernen Sie zerbrechliche Gegenstände und Stolperfallen aus Ihrem Schlafzimmer.
  • Schlafen Sie genügend – auch ein Nickerchen am Tag kann helfen.
  • Vermeiden Sie starke körperliche oder psychische Belastungen.
  • Verzichten Sie auf Radio und Fernseher im Schlafzimmer.

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