Alle wichtigen Fakten zum Vitamin-B12-Mangel

Vitamin B12 ist praktisch nur in tierischen Lebensmitteln enthalten. Vegetarier und Veganer gehören deshalb zu den Risikogruppen. Ein Mangel wird mittels Bluttest festgestellt. Behandelt wird er mit Tabletten oder einer Spritzenkur.

12.03.2021

Lara Brunner

Vitamin B12 ist auch bekannt als Cobalamin. Im Vergleich zu anderen Vitaminen benötigt der Mensch sehr wenig davon, er kann es nämlich gut speichern. 

Wofür benötigt der Körper Vitamin B12?

Der Körper benötigt das Vitamin B12 unter anderem, um Zellen zu erneuern, Blut zu bilden und damit das Nervensystem funktioniert. Ausserdem spielt es eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel. Da der Körper Vitamin B12 nicht selbst herstellen kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden.

Welche Nahrungsmittel sind reich an Vitamin B12?

Vitamin B12 ist praktisch nur in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Milchprodukten enthalten. Diese Lebensmittel sind reich an Vitamin B12 (Angaben in Mikrogramm pro 100 Gramm):

  • Kalbsleber, roh: 60
  • Zuchtlachs: 6,9
  • Forelle, roh: 5
  • Rindfleisch, roh: 2,9
  • Sbrinz: 2,1
  • Gebratenes Lammfilet: 2,1
  • Landjäger: 2,0
  • Camembert: 1,9
  • Trockenfleisch: 1,6
  • Mozzarella: 1,4
Quelle: Schweizer Nährwertdatenbank

Enthalten auch pflanzliche Lebensmittel Vitamin B12?

In Pilzen, Algen, fermentierten Sojabohnen und Blattgemüse konnten Forscherinnen und Forscher Spuren von Vitamin B12 nachweisen. Der Gehalt ist jedoch so gering und schwankt stark, dass man sie nicht zu den verlässlichen Vitamin-B12-Quellen zählen kann. 

Wie hoch ist der tägliche Vitamin-B12-Bedarf?

Erwachsene sollten täglich 4 Mikrogramm Vitamin B12 zu sich nehmen. Während der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf auf 4,5 Mikrogramm und steigt auf 5,5 Mikrogramm bei Stillenden. Laut dem Schweizerischen Ernährungsbericht von 2012 liegt die durchschnittliche Tageszufuhr bei 6 Mikrogramm.

Wie nimmt der Körper Vitamin B12 auf?

Auf seinem Weg durch den Körper ist Vitamin B12 an verschiedene Transportproteine gebunden. Sie sorgen dafür, dass so wenig Vitamin B12 verloren geht. Die Aufnahme des Vitamins erfolgt nämlich erst im letzten Abschnitt des Dünndarms. Magensäure, das Verdauungsenzym Pepsin und die Enzyme der Bauchspeicheldrüse bauen das Vitamin B12 aus der Nahrung soweit ab, dass sich das Glykoprotein Intrinsic-Faktor damit verbinden kann. Ohne dieses Makromolekül könnte der Körper das Vitamin nicht aufnehmen.

Die wichtigsten Fragen zum Vitamin-B12-Mangel

Wie zeigt sich ein Vitamin-B12-Mangel?

Der Körper speichert Vitamin B12 in der Leber. Auch wenn jemand zu wenig Vitamin B12 zu sich nimmt, fällt ein Mangel nicht sofort auf. Der Körper kann noch während Jahren auf seine Depots zurückgreifen. Auch die Symptome sind nicht immer eindeutig. Anzeichen für einen Mangel können folgende sein:

  • Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungen
  • Brennende Zunge
  • Kribbeln in Armen und Beinen
  • Unsicherer Gang
  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Depression
  • Verwirrtheit
  • Haarausfall

Ein Vitamin-B12-Mangel kann zudem zu Blutarmut und Nervenschädigungen führen.

Wie entsteht ein Vitamin-B12-Mangel?

Wer regelmässig Fleisch oder Fisch isst, entwickelt normalerweise keinen Mangel. Wer sich vegetarisch oder gar vegan ernährt, hat demnach ein erhöhtes Risiko, einen Mangel zu entwickeln. Eine Studie hat jedoch gezeigt, dass sich Vegetarier und Veganer dessen bewusst sind. Sie greifen oftmals auf Präparate zurück. 

Alle Details zur Mikronährstoff-Studie (in Englisch)

Neben ungenügender Zufuhr aufgrund einer Mangelernährung und reduzierter Aufnahmefähigkeit (Resorptionsstörung) gibt es weitere Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel:

  • Mangel des Glykoproteins Intrinsic-Faktor
  • Chronische Entzündung von Magen oder Darm
  • Einnahme von Medikamenten gegen Diabetes
  • Einnahme von Medikamenten gegen zu viel Magensäure
  • Starker Alkoholkonsum

Alle aufgeführten Punkte können die Aufnahme von Vitamin B12 im Körper verringern oder teilweise fast ganz hemmen.

Wie lässt sich ein Vitamin-B12-Mangel feststellen?

Es gibt drei verschiedene Arten, einen Vitamin-B12-Mangel festzustellen:

  • Zuerst analysiert die Ärztin oder der Arzt den Vitamin-B12-Spiegel im Blut. Der Wert sagt jedoch nichts darüber aus, wie viel vom nachgewiesenen Vitamin B12 die Zellen tatsächlich nutzen können. Ist der Spiegel jedoch auffallend tief, folgt der nächste Test.
  • Der Holo-TC-Test misst die Konzentration des Holo-Transcobalamins (Holo-TC). Verbindet sich das Vitamin B12 aus der Nahrung mit dem Protein Transcobalamin, entsteht Holo-Transcobalamin, auch bekannt als aktives Vitamin B12. Es kann über Rezeptoren in die Zellen aufgenommen und so vom Körper verwertet werden. Ein tiefer Wert weist darauf hin, dass sich der Vitamin-B12-Speicher entleert.
  • Der eindeutigste Test ist der Nachweis des Stoffwechselproduktes Methylmalonylsäure. Liegt ein Vitamin-B12-Mangel vor, steigt der Spiegel dieser Säure an.

Personen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sollten ihren Vitamin-B12-Spiegel regelmässig prüfen lassen. Das gilt insbesondere für schwangere und stillende Frauen. Sie haben einen erhöhten Bedarf.

Wie behandelt man einen Vitamin-B12-Mangel?

Ist der Mangel auf eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung zurückzuführen, ist eine orale Behandlung möglich. Betroffene nehmen täglich Vitamin B12 in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen auf. Präparate sind meist viel höher dosiert als der Referenzwert von 4 Mikrogramm. Das liegt daran, dass nur ein Teil der enthaltenen Menge tatsächlich vom Körper aufgenommen und verwertet werden kann.

Kann der Körper Vitamin B12 nicht aufnehmen, helfen Tabletten nicht. Der Körper kann auch dieses Vitamin B12 nicht verwerten. In diesem Fall muss das Vitamin intramuskulär verabreicht werden. Wie oft und in welchen Abständen gespritzt wird, ist unterschiedlich.

Gut zu wissen

Liegt ein Mangel vor, geht es in erster Linie darum, diesen zu behandeln. Wichtig ist es aber auch, die Ursache des Mangels zu analysieren. Es kann zum Beispiel eine Erkrankung des Verdauungstraktes vorliegen.

Fazit

Ein Vitamin-B12-Mangel lässt sich nicht immer einfach feststellen. Hinweise dafür liefert erst das Blutbild. Zu den Risikogruppen gehören Vegetarier, Veganer, ältere Personen, Schwangere und Patientinnen und Patienten mit Nieren- und Darmerkrankungen. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und können nicht immer einem Vitamin-B12-Mangel zugeordnet werden. Es ist jedoch wichtig, einen Mangel zeitnah zu behandeln, da gewisse Schäden irreversibel sein können.

Evelyne Dürr, Fachexpertin Gesundheit Evelyne Dürr, Fachexpertin Gesundheit

Evelyne Dürr, Fachexpertin Gesundheit

Evelyne Dürr (MSc ETH Bewegungswissenschaften, CAS Betriebliche Gesundheitsförderung) arbeitet seit 2014 bei Helsana. Als Fachspezialistin Gesundheitsmanagement engagiert sie sich im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung für die Kunden. Evelyne Dürr stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend und redaktionell zur Seite.

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