Lachen tut gut. Es öffnet uns Türen und ist ansteckend. Weinen kann uns entlasten und wirkt reinigend. Beides stärkt unsere körperliche und seelische Gesundheit. Erfahren Sie, warum es sich lohnt, bewusst mit Gefühlen umzugehen und wieso Lachen und Weinen dabei helfen, unser Wohlbefinden zu steigern.
Lachen und Weinen sind grundlegende Ausdrucksformen. Sie sind klare Signale unseres Körpers – und helfen uns, Gefühle auszudrücken. Beides kann entlasten. Wer lacht oder weint, baut oft Spannung ab und fühlt sich danach ruhiger. Auch im Körper passiert etwas:Lachen und Weinen beeinflussen Botenstoffe wie Endorphine, die unser Wohlbefinden stärken.Wie wir damit umgehen, ist sehr unterschiedlich.Unsere Erfahrungen, unsere Haltung und die Situation prägen, ob wir Gefühle zeigen oder zurückhalten.
Wann haben Sie letztmals Tränen gelacht? Sich im Alltag über eine Kleinigkeit gefreut? Und wann haben Sie hemmungslos geweint? Emotionen wie Freude, Traurigkeit, Überraschung oder Angst gehören zu unserem Leben. Angenehme Empfindungen machen uns dabei nicht nur insgesamt zufrieden oder glücklich, sondern sind wesentlich für unsere Gesundheit, unsere Kreativität und unsere sozialen Bindungen. Es bringt also Vorteile, wenn Sie sich zugestehen, zu lachen oder zu weinen, wenn Sie sich danach fühlen. Wichtig ist deshalb, schon Kindern beizubringen, dass sie diese Emotionen zulassen dürfen. Emotionen muss man zuerst spüren, erst dann kann man reagieren und sich regulieren.
Kinder lachen etwa 400-mal pro Tag. Im Erwachsenenalter wird das Leben ernster. Dann lachen Menschen im Schnitt noch bis zu 20-mal. Das ist bedauerlich, denn Lachen hat einen bedeutenden Nutzen. Lachen regt die Durchblutung an und steigert die Immunabwehr. Lachen befreit, entspannt, nimmt uns Stress, Ärger und Angst.
Es gibt verschiedene Auslöser, wie beispielsweise einen Witz oder eine überraschende Situation. Gemeinsam ist ihnen eine Reaktion auf Unerwartetes. Doch auch in sozialen Beziehungen lachen Menschen. Zum Beispiel, wenn sie miteinander sprechen, sich begrüssen oder andere lachen hören. In beiden Fällen ist Lachen ein unentbehrliches soziales Signal, welches Forscher und Forscherinnen in ähnlicher Form auch bei einigen Affen beobachtet haben.
Lachen wirkt gegen Stress. Beim Lachen setzt der Körper Endorphine frei. Diese sind umgangssprachlich auch als «Glückshormone» bekannt. Gleichzeitig senkt Lachen den Cortisolspiegel. Bei Cortisol handelt es sich um ein Hormon, das der Körper in stressigen Situationen vermehrt produziert. Wird Cortisol nicht mehr abgebaut, hat das einen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit.
Stress vermeiden Sie also durch Lachen, weil sich die Endorphine günstig auf die Stimmung auswirken und der gesenkte Cortisolspiegel beruhigend wirken kann. Lachen Sie in stressigen Phasen häufig, bemerken Sie weniger Stresssymptome.
Lachen stärkt das Immunsystem. Wenn Sie ausgiebig lachen, steigt die Menge bestimmter Immunsubstanzen. Dazu zählen beispielsweise natürliche Killerzellen, die veränderte oder von Krankheitserregern befallene Zellen erkennen und zerstören. Auch der Spiegel an Immunglobulin A steigt. Das ist eine Klasse von Antikörpern, die vor Erregern schützen. Die positiven Effekte des Lachens auf das Immunsystem betreffen somit vor allem die Immunabwehr.
Auch die Herzgesundheit lässt sich durch Lachen verbessern. Während Sie herzhaft lachen, gelangt Luft in die Lunge. So erhalten die roten Blutkörperchen mehr Sauerstoff und die Arterien weiten sich. Dadurch sinkt wiederum der Blutdruck – mit günstigen Folgen für das Herz-Kreislauf-System. Denn Bluthochdruck gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die positiven Effekte des Lachens beziehen sich auch auf die dabei ausgeschütteten Endorphine. Diese wirken schmerzunterdrückend, indem sie sich an die Opioidrezeptoren im Gehirn binden. Dort beeinträchtigen sie die Schmerzweiterleitung. Auch wenn sie nicht wie klassische Schmerzmittel wirken, können sie Schmerzen erträglicher machen. Wenn Sie zum Beispiel starke Rückenschmerzen haben, halten Sie diese möglicherweise besser aus, wenn Sie lachen. Dieser Effekt hält 20 bis 30 Minuten.
Lachen hat viele Vorteile im Umgang mit anderen Menschen. Zum Beispiel:
Das zeigt, wie Lachen soziale Bindungen stärkt. Und diese sozialen Kontakte sind wiederum gut für die psychische Gesundheit. Übrigens: Wenn Menschen in Gesellschaft sind, lachen sie durchschnittlich 30-mal häufiger als sonst.
Weinen tut gut, denn dabei schüttet der Körper mehrere Hormone aus, darunter – wie auch beim Lachen – Endorphine.
Weinen ist eine angeborene Fähigkeit. Psychologen und Psychologinnen sind jedoch uneinig darüber, warum Menschen überhaupt weinen. Es gibt zwei Erklärungsansätze: Weinen zur Kommunikation (Hilfsbedürftigkeit signalisieren) und Weinen zur Stressbewältigung (Emotionen regulieren). Welcher Ansatz korrekt ist, ist noch unklar.
Ausserdem lohnt es sich, die biologischen Funktionen von Tränen zu betrachten. Diese unterscheiden sich je nach Tränenart: Basale Tränen befeuchten die Hornhaut dauerhaft. Reflektorische Tränen entstehen durch äussere Reize. Sie spülen beispielsweise Fremdkörper wie Staub aus dem Auge. Emotionale Tränen treten bei starken Gefühlen wie Trauer, Wut oder auch Freude und Berührtsein auf.
Die Tränen sind abhängig von ihrer Art unterschiedlich zusammengesetzt. Reflektorische Tränen enthalten mehr Schutzstoffe wie Lysozym, welches antibakteriell wirkt. Emotionale Tränen weisen dagegen mehr Eiweisse auf. Zudem können sie Stresshormone enthalten.
Auf körperlicher Ebene können Tränen beim Stressabbau unterstützen. Hierfür sind insbesondere bestimmte Hormone verantwortlich, die der Körper beim Weinen freisetzt. So kommt es unter anderem zur Endorphinausschüttung durch Tränen. Endorphine beeinflussen die Stimmung günstig. Der Körper setzt die Endorphine allerdings nur für eine kurze Zeit frei. Weinen Sie länger, führt dies nicht zu einer anhaltenden Ausschüttung, sondern verlängert die Trauerphase. Oxytocin reguliert das emotionale Wohlbefinden und Prolaktin wirkt zudem beruhigend.
Trotz der hormonellen Effekte ist nicht garantiert, dass sich emotionale Spannungen immer durch Weinen abbauen lassen. Das ist abhängig davon, warum geweint wurde. Sind Sie etwa überfordert oder einsam, kann Weinen die negativen Gefühle kurzfristig verstärken. Weinen Sie hingegen wegen bestimmter Medieninhalte, mindert dies die negativen Emotionen für eine kurze Zeit. Diese Auswirkungen halten in der Regel wenige Stunden bis zu einem Tag. Die Wirkung von Weinen ist nicht immer gleich – sie hängt von der Situation und von der Person ab. Auch das eigene Empfinden spielt eine Rolle. Menschen, die offen auf andere zugehen und Trost erhalten, fühlen sich nach dem Weinen oft besser. Wer jedoch an einer Depression leidet, spürt danach meist wenig oder keine Erleichterung.
Kollektives Trauern zeigt, wie stark emotionale Reaktionen Menschen verbinden können. Der Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 gilt als eines der ersten globalen Trauerereignisse. Millionen Menschen weltweit nahmen Anteil. Dieses gemeinsame Erleben hatte mehrere psychologische Hintergründe:
Weinen kann Schmerzen lindern. Beim Weinen schüttet der Körper Endorphine aus. Diese wirken wie ein natürliches Schmerzmittel und verändern, wie wir Schmerzen wahrnehmen.Der Effekt hält jedoch nur kurz an. Ähnlich wie beim Stressabbau gilt: Der Körper produziert Endorphine nicht dauerhaft – deshalb lässt die Wirkung auch bei längerem Weinen schnell nach.
Auch wenn die Endorphine schmerzhemmend wirken, haben einige Menschen Kopfschmerzen, nachdem sie geweint haben. Das Stresshormon Cortisol gilt als ein möglicher Auslöser. Das würde erklären, weshalb das Weinen bei einem traurigen Film üblicherweise keine Kopfschmerzen verursacht. Weinen Sie hingegen lange und intensiv, sind Sie Stress ausgesetzt – und dieser erhöht den Cortisolspiegel. Hinzu kommt der Flüssigkeitsverlust, der neben Kopfschmerzen auch Müdigkeit hervorruft.
Wer weint, sendet ein Signal an das Umfeld:
Wie stark dieses Signal wirkt, hängt allerdings von der Beziehung ab. Studien zeigen: Im Alltag helfen Menschen vor allem nahestehenden weinenden Personen. Bei Fremden sind sie weniger hilfsbereit. Weinen schafft also Nähe, wirkt aber besonders dort, wo bereits eine Beziehung besteht. Ähnlich wie Lachen ist Weinen ein zwischenmenschliches Signal, das zeigt: Hier ist ein Mensch, der etwas fühlt.
Es gibt Situationen, in denen Menschen gleichzeitig lachen und weinen. Das passiert zum Beispiel, wenn sich jemand sehr freut, glücklich ist, grosse Erleichterung spürt oder eine geliebte Person wiedersieht. Auch bei einem Schock reagieren manche so. In diesen Momenten sind die Gefühle besonders stark, sodass eine andere Emotion mitschwingt und für Ausgleich sorgt. Menschen, die so reagieren, kommen oft schneller wieder zur Ruhe.
Lachen oder Weinen kann auch als Symptom einer Erkrankung auftreten:
Ohne offensichtlichen Grund zu weinen, kann weitere Ursachen haben. Dazu gehören hormonelle Veränderungen, Wechseljahre, Stress oder psychische Erkrankungen wie eine Depression.
Wechseln Sie häufig zwischen intensivem Lachen und Weinen, oder haben Sie öfter Gefühlsausbrüche, sprechen Sie am besten mit einem Arzt oder einer Ärztin darüber. Gleiches gilt, wenn Sie nicht weinen oder lachen können.
Lassen Sie Lachen und Weinen bewusst zu, indem Sie achtsam sind. Fragen Sie sich regelmässig, wie es Ihnen geht. Reden Sie bei Bedarf mit einem Freund oder einer Freundin darüber und verbergen Sie nicht, was Sie fühlen. Nehmen Sie sich etwas Zeit am Abend und überlegen Sie sich drei Dinge, die Sie an dem Tag zum Lachen gebracht haben. Versuchen Sie es zudem mit Yoga und Meditation. Auf diese Weise verbinden Sie sich neu mit Ihrem Inneren und lernen, bewusst zu lachen und zu weinen.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Monika Fäh Rüegg ist Pflegefachfrau HF Psychiatrie, Systemische Mentaltrainerin und hat eine Ausbildung in sinnzentrierter Beratung nach Viktor Frankl. Die Expertin arbeitet im Case Management bei Helsana.
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