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Herzinfarkt: Entstehung, Symptome und erste Hilfe

Handelt man bei einem Herzinfarkt nicht schnell genug, sterben Herzmuskelzellen ab. Doch was passiert bei einem Infarkt genau und wie reagiert man im Notfall richtig?

So entsteht ein Herzinfarkt

Ungesunde Ernährung, Übergewicht, wenig Bewegung, Rauchen und viel Stress sind schlecht für unser Herz. Sie gehören zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten und begünstigen beispielsweise Arteriosklerose. Dabei bilden sich in den Arterien Ablagerungen – sogenannte Plaques. Diese bestehen aus Blutfett und Kalzium. Je grösser die Ablagerungen werden, desto stärker gestört ist der Blutfluss. Ein Aufbrechen einer solchen Plaque stellt eine grosse Gefahr dar, da sich an dieser Stelle rasch ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden kann. Dieses kann die Arterie vollständig verstopfen.

Arteriosklerose kann alle Arterien im Körper betreffen – auch die Herzkranzgefässe. Normalerweise versorgen sie das Herz mit Blut und Sauerstoff. Fliesst nicht mehr genügend Blut durch sie hindurch, kann dies zu einer Angina pectoris oder sogar zu einem Herzinfarkt führen. Im schlimmsten Fall droht ein Herz-Kreislauf-Stillstand. In diesem Fall muss die betroffene Person sofort wiederbelebt werden.

Damit so wenig Herzmuskel wie möglich abstirbt, muss die verschlossene Stelle möglichst rasch wieder geöffnet werden. Zu diesem Zweck führt der Arzt eine Koronarangioplastie durch. Dabei wird ein Kunststoffschlauch (Katheter) mit einem kleinen Ballon am Ende in die verstopfte Arterie eingeführt. Der Ballon wird aufgedehnt, wodurch das verengte Gefäss erweitert wird. In schweren Fällen wird eine Bypass-Operation durchgeführt (Umleitung des Blutes).

Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt
  1. Symptome erkennen

Die Symptome eines Herzinfarktes sind bei Frauen und Männern unterschiedlich. Männer spüren meist plötzlich einen heftigen, brennenden Schmerz in der Brust. Auch kalter Schweiss, Schmerzen in Schultern und Armen und Atemnot treten häufig auf. Bei Frauen sind die Symptome oft unspezifischer: Kurzatmigkeit, Übelkeit oder Beschwerden im Oberbauch. Bis zu den Wechseljahren sind sie durch die weiblichen Hormone besser gegen Herzkrankheiten geschützt, danach nimmt diese Schutzwirkung ab. Viele Frauen sind sich dessen nicht bewusst. Deshalb schliessen sie bei den erwähnten Symptomen nicht gleich auf einen Infarkt. Aus diesem Grund sterben Frauen fast doppelt so häufig am ersten Infarkt wie Männer.

Sind diese Symptome nur schwach oder bleiben ganz aus, spricht man von einem stummen Herzinfarkt. Er bleibt unbemerkt.

  1. 144 alarmieren

Teilen Sie dem Rettungsdienst zuerst mit, wo Sie sich befinden. Schildern Sie anschliessend, was genau passiert ist. Ist die Person ansprechbar? Atmet sie? Falls nicht, erhalten Sie Anweisungen für die Wiederbelebung.

  1. Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen

Knien Sie sich neben den Patienten hin. So kommt die Kraft nicht nur aus Ihren Armen. Legen Sie Ihre Hände übereinander und positionieren Sie sie mittig auf die untere Hälfte seines Brustbeins. Beginnen Sie mit der Herzdruckmassage. Die optimale Frequenz liegt bei 100 bis 120 Wiederholungen pro Minute. Drücken Sie etwa 5 Zentimeter tief. Entlasten Sie den Brustkorb jeweils komplett, damit genug Blut zurück zum Herz fliesst.

Tipps:
  • Laien sollten auf die Beatmung verzichten. Sie verlieren damit zu viel Zeit und bewirken zu wenig. Die Herzdruckmassage ist wichtiger.
  • Bei einem Kind drücken Sie mit nur einer Hand etwa 1/3 des Brustkorbs ein. Bei Neugeborenen reichen zwei Finger.

Experten-Tipps zur Herzdruckmassage

  • Ihre eigene Sicherheit steht an erster Stelle. Bringen Sie sich nicht in Gefahr, sonst haben wir am Ende zwei Patienten.
  • Bei der Herzdruckmassage machen Sie nur etwas falsch, wenn Sie gar nichts machen. Haben Sie keine Angst, die Person zu verletzen. In 90 Prozent der Fälle brechen eine oder mehrere Rippen, in 70 Prozent der Fälle sogar das Brustbein. Diese Verletzungen sind aber nicht lebensgefährlich.
  • Suchen Sie Helfer. Wechseln Sie sich ab. Tests zeigen, dass man bereits nach zwei Minuten nicht mehr genügend Druck ausüben kann. Das ist einer der vier Gründe, weshalb man mit der Herzmassage aufhört: weil man einfach nicht mehr kann. Ansonsten stellen Sie die Herzmassage erst dann ein, wenn der Arzt es Ihnen sagt oder der Rettungsdienst die Reanimation übernimmt. Im besten Fall können Sie mit der Herzmassage aufhören, weil der Betroffene selbst wieder zu atmen beginnt.

Alternative: Defibrillator anwenden
Öffnen Sie den Defibrillator. Eine Audio-Anleitung führt Sie durch die Reanimation. Kleben Sie die Elektroden auf den Brustkorb, und starten Sie die Analyse per Knopfdruck. Lösen Sie einen Schock aus, falls das Gerät Sie dazu auffordert.

So beugen Sie einem Herzinfarkt vor

Bewegen Sie sich regelmässig. Ernähren Sie sich ausgewogen. Verzichten Sie auf das Rauchen und achten Sie auf Ihre psychische Gesundheit. Vermeiden Sie Stress so gut wie möglich. Weitere Tipps für einen herzgesunden Lebensstil finden Sie hier.

Raucher, Menschen mit Bluthochdruck, starkem Übergewicht oder erhöhten Cholesterinwerten haben ein erhöhtes Risiko. Sie sollten sich deshalb regelmässig ärztlich untersuchen lassen.

Das Leben nach dem Herzinfarkt

Nach einem Infarkt bilden Verhaltens- und Lebensstiländerungen die Basis jeder Behandlung. Sie senken das Risiko eines erneuten Herzinfarktes oder einer anderen Herz-Kreislauf-Krankheit. Mit Bewegungsprogrammen bauen die Herz-Kreislauf-Patienten ihre Leistungsfähigkeit wieder auf. Später geht es darum, das Gelernte in den Alltag zu integrieren und beizubehalten. Nicht wenige Patienten brauchen zudem psychologische Betreuung, um den Infarkt zu verarbeiten.

Autorin: Lara Brunner
Veröffentlichung: 8. September 2019

Die Herz-Experten

Dr. Robert C. Keller, Geschäftsführer der Schweizerischen Herzstiftung

Dr. Robert C. Keller ist Geschäftsführer der Schweizerischen Herzstiftung mit Sitz in Bern. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im Bereich kardiovaskuläre Erkrankungen und leitet in der Stiftung die Bereiche Forschung und Prävention.

www.swissheart.ch

Michael Feuz, Rettungssanitäter HF

Michael Feuz arbeitet als Rettungssanitäter HF bei der Ambulanz Region Biel AG. Der gelernte Forstwart liess sich mit 31 Jahren zum Rettungssanitäter umschulen. Dazu absolvierte er eine dreijährige Ausbildung.

 

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