Was ist eine Fruchtwasserpunktion? Bis wann ist sie möglich, wann wird sie eingesetzt und was sagen die Ergebnisse aus? Wie gefährlich ist die Punktion und ist sie schmerzhaft? Hier erfahren Sie mehr.
Fruchtwasserpunktion (auch «Fruchtwasseruntersuchung» oder «Amniozentese» genannt) ist eine Untersuchung in der Schwangerschaft und gehört zur invasiven Pränataldiagnostik. Das heisst: Die Untersuchung ist mit einem Eingriff in den Körper der werdenden Mutter verbunden. Die Fruchtwasseruntersuchung wird eingesetzt, um bestimmte Infektionskrankheiten, genetische Erkrankungen und Abweichungen im Erbgut des Ungeborenen festzustellen. Es handelt sich um einen seltenen Eingriff, der nur bei einem begründeten Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung zum Einsatz kommt.
Eine Fruchtwasserpunktion ist keine gängige Untersuchung während der Schwangerschaft. Fachpersonen raten in folgenden Fällen dazu:
Bei späten Schwangerschaften sind Fruchtwasseruntersuchungen häufiger, da das Risiko für eine Trisomie mit dem Alter der werdenden Mutter steigt. Die Untersuchung erfolgt aber auch bei Spätgebärenden nur bei begründetem Verdacht.
Ab wann ist eine Fruchtwasseruntersuchung möglich? Die Fruchtwasserpunktion erfolgt in der Regel ab der 15. Schwangerschaftswoche (SSW). Vor der 15. SSW ist das Risiko einer Fehlgeburt durch den Eingriff höher und die Ergebnisse sind noch nicht zuverlässig. Meist führen Ärztinnen und Ärzte die Untersuchung zwischen der 15. und der 18. SSW durch.
Wie läuft die Amniozentese ab? Zunächst klärt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie über den Ablauf und mögliche Risiken auf. Sie haben Gelegenheit, Ihre Fragen zu stellen, bevor Sie Ihre schriftliche Einwilligung für den Eingriff geben. Anschliessend kontrolliert der Arzt oder die Ärztin mittels Ultraschall, wie das Kind liegt. Anschliessend führt er oder sie eine hohle Nadel durch die Bauchdecke bis in die Fruchtblase und entnimmt dort etwa 15 bis 20 Milliliter Fruchtwasser. Die Fruchtwasseruntersuchung dauert rund 15 Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Die meisten Frauen verzichten deshalb auf eine örtliche Betäubung. Nach der Untersuchung bleiben Sie noch 30 Minuten zur Beobachtung in der Praxis oder im Spital.
Was passiert nach der Amniozentese? Unmittelbar nach der Entnahme schliesst sich die Einstichstelle. Eventuell spüren Sie für kurze Zeit drückende Schmerzen im Unterbauch. Verzichten Sie nach der Amniozentese für zwei Tage auf körperliche Anstrengung und auf Geschlechtsverkehr. Nach zehn bis vierzehn Tagen erhalten Sie das Ergebnis. Während dieser Zeit legt das Labor eine Kultur der kindlichen Zellen an und untersucht diese auf Chromosomenstruktur und -anzahl.
Eine Amniozentese liefert zuverlässige Befunde – ihr Ergebnis ist für Chromosomenstörungen zu 99%, für Neuralrohrdefekte zu 90% sicher. Es gibt auch einen Fruchtwasserpunktion-Schnelltest. Fachpersonen nennen diesen auch «Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung» (FISH-Test). Das Ergebnis dieser Fruchtwasseruntersuchung liegt bereits nach 24 Stunden vor. Der Nachteil: Sie ist etwas weniger zuverlässig, da das Labor in dieser kurzen Zeit keine Langzeitkultur der kindlichen Zellen anlegen kann.
Übrigens: Eine Fruchtwasseruntersuchung ist auch bei Zwillingen möglich. Je nach Situation entscheidet sich der Arzt oder die Ärztin für die sogenannte Ein- oder Zweistichtechnik.
Die Fruchtwasseruntersuchung weist Chromosomenstörungen (Chromosomenanomalien) sowie Infektions- und andere Erkrankungen nach. Dazu gehören:
Hinweis: Diese Liste ist nicht abschliessend.
Ein positives Ergebnis einer Fruchtwasserpunktion stellt werdende Eltern oft vor viele Fragen. In dieser Situation ist eine umfassende ärztliche Beratung besonders wichtig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erklärt Ihnen, was die Diagnose bedeutet und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Wägen Sie gemeinsam mit ihm oder ihr in Ruhe ab, was für Sie der beste Weg ist. Auch die Unterstützung durch Angehörige sowie Freundinnen und Freunde ist jetzt sehr wertvoll.
Nach einem positiven Befund entscheiden sich einige werdende Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch. Vielen fällt diese Entscheidung schwer – umso wichtiger sind eine sorgfältige medizinische Aufklärung und ein einfühlsames Umfeld. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin informiert Sie über Ihre Möglichkeiten.
Eine Fruchtwasseruntersuchung gilt als sicher, birgt aber ein gewisses Risiko für Komplikationen:
Die Wartezeit auf das Ergebnis belastet viele Eltern. Unsicherheit und Sorgen begleiten sie in diesen Tagen. Hinzu kommen moralische Fragen: Wie gehe ich mit der Diagnose um? Welche Entscheidungen stehen an? Jede Familie erlebt diese Situation anders. Ein offenes Gespräch mit Fachpersonen hilft, damit umzugehen.
Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für eine Fruchtwasseruntersuchung in den folgenden Fällen:
Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin informiert Sie gerne über die für Sie geltenden Voraussetzungen.
Wichtig: Vor der Untersuchung muss ein umfassendes Aufklärungs- und Beratungsgespräch stattfinden. Dieses Gespräch muss zudem dokumentiert werden.
Die Bedingungen sind nicht erfüllt, aber Sie wollen trotzdem Gewissheit? Dann kommt unsere Zusatzversicherung PRIMEO ins Spiel. Sie übernimmt die Kosten für eine Fruchtwasseruntersuchung im Rahmen der medizinischen Innovation. Sie erhalten 90% des Betrags bis maximal 5000 Franken pro Kalenderjahr.
Neben der Amniozentese gibt es weitere invasive und nicht-invasive Methoden der Pränataldiagnostik. Gängige Verfahren sind:
Sie entscheiden, welche pränatalen Untersuchungen Sie wahrnehmen. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihre Ärztin über Nutzen und Risiken. Informierte Entscheidungen geben Sicherheit und stärken das Vertrauen. Nehmen Sie sich genug Zeit für Ihre Überlegungen. Ihre Gesundheit und die Ihres Kindes stehen im Mittelpunkt.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Bei Helsana hat Anna-Maria Maier die fachliche Leitung im Themengebiet Kinderwunsch und Schwangerschaft inne.
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