Was steckt hinter einer Altersdepression?

Die Symptome einer Altersdepression sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Oder sie werden einer anderen psychischen Erkrankung zugeschrieben. Die richtige Diagnose ist für eine adäquate und zeitnahe Behandlung – egal ob therapeutisch oder medikamentös – jedoch enorm wichtig.

28.10.2021 Lara Brunner 3 Minuten

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Bei Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren spricht man jeweils von einer Altersdepression. Sie kann zum ersten Mal ausbrechen oder nach einer vorgängigen Erkrankung erneut auftreten.

Auslöser einer Altersdepression

Neben der genetischen Veranlagung gibt es weitere Faktoren, die eine Altersdepression auslösen können:

  • Psychosozialer Stress, zum Beispiel aufgrund des bevorstehenden Ruhestands
  • Verlust von Bezugspersonen
  • Einschneidende Ereignisse
  • Mangel- oder Fehlernährung
  • Finanzielle Probleme
  • Schwere Krankheiten
  • Bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Parkinson oder Herz-Kreislaufprobleme
  • Krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit durch körperliche Veränderungen

Symptome einer Altersdepression

Die Symptome einer Altersdepression sind ähnlich wie bei einer typischen Depression. Dazu gehören zum Beispiel innere Unruhe, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder der Verlust von Appetit.

Weitere Symptome, die oft erst mit zunehmendem Alter auftreten sind Gedächtnisstörungen, Magen-Darmprobleme, Schmerzen und weiter körperliche Beschwerden.

Diagnose einer Altersdepression

Eine Altersdepression ist oft nicht leicht zu erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass ältere Patientinnen und Patienten eher körperliche Erkrankungen in den Vordergrund stellen und psychische Probleme hingegen verschweigen. Ausserdem sind kognitive Störungen oft nicht direkt von einer beginnenden Demenz zu unterscheiden. Und Symptome wie sozialer Rückzug oder Interessensverlust werden als natürliche Begleiterscheinungen des Alterns angesehen.

Behandlung einer Altersdepression

Je nach Schweregrad der Depression reicht eine therapeutische Behandlung nicht aus. Dann wird sie mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert. Genau wie bei einer typischen Depression. Weiter ist es wichtig, dass die körperlichen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit der Altersdepression stehen, mitbehandelt werden.

Prävention einer Altersdepression

Folgende Faktoren schützen vor depressiven Störungen:
  • Aktiver Lebensstil mit regelmässiger körperlicher Aktivität
  • Ausgewogene Ernährung
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Gutes, soziales Netzwerk

Tipps zur Altersdepression

Sind Sie selbst von einer Altersdepression betroffen? Oder leidet eine Angehörige oder ein Angehöriger daran? Mit dem richtigen Verhalten können Sie diese schwere Zeit angenehmer gestalten.

Gut zu wissen: Die unten aufgeführten Tipps gelten nicht nur bei einer Altersdepression, sondern sind allgemein gültig.

Tipps für Betroffene

  • Wenn Sie eine Depression vermuten, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.
  • Teilen Sie sich mit. Sprechen Sie mit Angehörigen oder anderen Betroffenen über Ihre Probleme.
  • Geben Sie sich nicht die Schuld an Ihrer Erkrankung. Eine Depression ist eine medizinische Krankheit und keine Kopfsache.
  • Haben Sie Geduld mit sich selbst.
  • Beachten Sie, dass Medikamente erst oft nach zwei bis drei Wochen wirken. Erwarten Sie keine plötzliche Besserung.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten darüber, was Sie selbst zur Heilung beitragen können.

Tipps für Angehörige

  • Wenn der oder die Betroffene in einem Alters- oder Pflegeheim wohnt, sprechen Sie bei Verdacht auf eine Depression mit dem Pflegepersonal. Sie können das Verhalten beobachten und dabei helfen, das Problem anzusprechen.
  • Zeigen Sie Verständnis für den Betroffenen oder die Betroffene. Sie nehmen sich und ihre Umwelt in dieser Zeit anders bzw. gesteigert war.
  • Reden Sie die Erkrankung nicht klein. Aussagen wie «Du bist gerade einfach nur schlecht drauf. Das kommt schon wieder.» können dazu führen, dass sich die Erkrankten nicht ernst genommen fühlen.
  • Achten Sie darauf, wie Sie Ratschläge formulieren. Betroffene fassen sie schnell als Schuldzuweisung auf.
  • Versuchen Sie nicht, die Stimmung künstlich aufzuheitern. Trauerstimmung ist aber auch nicht angesagt. Verhalten Sie sich natürlich.

Jessica Palladino, Psychologin

Jessica Palladino (MSc Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie und Arbeits- und Organisationspsychologie) arbeitet als Gesundheitsberaterin bei Helsana. Sie engagiert sich in den Bereichen psychische Gesundheit, psychologische Beratung und Gesundheitsförderung für unsere Kundinnen und Kunden. Jessica Palladino stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite.

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