Psychische Gesundheit

Wo Menschen in der Krise Hilfe finden

In der Clienia Privatklinik Schlössli in Oetwil am See (ZH) erhalten Menschen bei persönlichen und seelischen Krisen professionelle Unterstützung. Ein Besuch in der Abteilung für Stressfolgeerkrankungen und Psychosomatik gibt Einblick in den Stationsalltag.

Titelbild Story Schlössli

Im Schlössli ist vieles Teamarbeit: Mariann Ring, Stationsleiterin Pflege, und Arbenit Morina, Lernender Fachmann Gesundheit, bei der Tagesplanung.

Auf der Privatabteilung für Stressfolgeerkrankungen und Psychosomatik hat die Pflegefachperson der Nacht ihre Schicht soeben beendet, und der Tagesdienst beginnt. Mariann Ring, Stationsleiterin Pflege im Schlössli, bespricht im Büro mit Arbenit Morina, dem Lernenden Fachmann Gesundheit, die Tagesorganisation. Die Räume auf der Station sind lichtdurchflutet und die Fenster bieten einen weiten Blick in die Natur. Die bequemen Sitzgruppen laden zum Verweilen ein. Fast wähnt man sich in einer Hotellounge. «Wir legen grossen Wert auf Normalität. Unsere Patientinnen und Patienten sollen sich bei uns wohlfühlen dürfen», erklärt Mariann Ring. Dazu dürften das sorgfältig abgestimmte Ambiente ebenso beitragen wie die gepflegte Hotellerie und Gastronomie. «Die Klinik ist ein Ort, wo Menschen in persönlichen und seelischen Krisen eine ganzheitliche und auf sie abgestimmte Behandlung und Begleitung in einer vertrauensvollen Atmosphäre erhalten», betont Ring. Jede Patientin, jeder Patient werde vom Eintritt bis zum Austritt von einem fixen Team behandelt. Dieses besteht aus einem Facharzt respektive einem Fachpsychologen und einer Pflegefachperson. Entsprechend wichtig sei der interdisziplinäre Austausch. «Wir überprüfen mit dem Patienten laufend, ob das Therapieprogramm auf seine aktuelle Situation abgestimmt ist oder ob es optimiert werden kann.» Dabei setzt das Schlössli nicht nur auf die Psychotherapie, den Einsatz von Medikamenten und Pflanzenheilmitteln, sondern auch auf Bewegung und Sport. Entspannung sowie kreativitäts- und körperorientierte Therapien hätten ebenfalls einen hohen Stellenwert. «Für die individuelle Betreuung ist es sehr wertvoll, vielseitige und umfassende Therapien anwenden zu können», sagt sie. Später macht sie sich auf den Weg in den Gruppentherapieraum der Station. Dort leitet sie für die nächsten sechzig Minuten das Gruppenangebot «Stressreduktionstherapie» für zwölf Patientinnen und Patienten.

Damit das Strahlen zurückkehrt

Die Privatabteilung wirkt freundlich und einladend. Immer wieder trifft man auf Mitarbeiter und Patienten, die sich zwischen den Therapien begegnen und sich Zeit nehmen, sich auszutauschen. «Ganz oft machen die Patienten hier eine grosse Entwicklung durch», verrät der klinische Psychologe Severin Stadtmann. «Zu Beginn sind sie zurückhaltend und skeptisch und möchten den stationären Aufenthalt so kurz wie möglich halten», erzählt er. Sie quälten sich mit dem Gedanken, dass sie es nicht selber geschafft hätten und jetzt im Schlössli gelandet seien. «Dann aber, in der Regel nach kurzer Zeit, wird ihnen bewusst, dass sie hier Hilfe erhalten», fährt er fort. «Sie merken, dass sich die inneren Konflikte zu lösen beginnen, und sehen den Aufenthalt bei uns als Chance.» Solche Veränderungen sieht der Lernende Arbenit Morina den Patienten oftmals regelrecht an: «Ihre Mimik ist beim Austritt eine ganz andere als beim Eintritt, und das Strahlen in ihren Augen kehrt wieder zurück.»

Text: Julia Dieziger