Kräuterkunde

Efeu – Immergrün für die Lunge

Die Blätter des Efeus sind sehr effektiv bei Bronchitis und Husten: Ihre Inhaltsstoffe wirken auswurffördernd und schleimlösend und erleichtern das Atmen.

Efeu

Im kahlen Spätherbst und Winter fällt eine Pflanze besonders ins Auge: der Efeu mit seinen immergrünen Blättern. Und genau in dieser Zeit, in der Erkältungen wieder Hochsaison haben, leistet der Efeu besonders wertvolle Dienste. Seine Blätter werden für Arzneimittel genutzt, die bei chronischer Bronchitis und bei akuten Entzündungen der Atemwege für Linderung sorgen. Auch gegen Keuch- und Reizhusten wird der Extrakt der Efeublätter eingesetzt. Denn die Inhaltsstoffe des Immergrüns wirken auswurffördernd und sekretionslösend im Atemtrakt.

Mehr Luft für die Lungen

Die Hauptbestandteile des Efeus sind Saponine – eine Wirkstoffgruppe, die die Oberflächenspannung des Bronchialschleims senkt und verflüssigt. Auch enthält er ätherische Öle, die eine keimtötende Wirkung haben, sowie Gerbstoffe, die entzündete Schleimhäute abdichten. Weiter besteht Efeu aus Flavonoiden, die Blutgefässe stabilisieren und den Sauerstofftransport durch das Blut verbessern. Alles in allem erleichtert die ausdauernde Kletterpflanze dem Menschen das Atmen und bringt Leichtigkeit in die Lunge. Dies, indem sie die Bronchialschleimhaut dazu anregt, dünnflüssigeren Schleim zu produzieren, der sich leichter aushusten lässt. Zudem werden die kleinsten Lungenbläschen über einen komplexen biochemischen Ablauf ausgedehnt, sodass die Sauerstoffzufuhr in die Lungen erleichtert wird. Man spricht von einer indirekten «Beta2-mimetischen» Wirkung, die auch bei bestimmten synthetischen Asthmamitteln erzeugt wird.

Efeu als Hustenmittel zufällig entdeckt

Efeu – der in weiten Teilen der Erde wächst – ist ein symbolträchtiges Gewächs. Schon im alten Ägypten wurde es bei Ritualfeiern des Osiris eingesetzt, und bei den Griechen und Römern war die Kletterpflanze den Göttern des Weins geweiht. Heute gilt sie als Zeichen für ewiges Leben und Freundschaft. Seit Jahrhunderten wird die Pflanze auch als Arzneimittel genutzt – mit den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten im Verlaufe der Zeit. Die Entdeckung des Efeus als Hustenmittel beruht auf einem Zufall: So ist es einem aufmerksamen Arzt aus Südfrankreich zu Beginn des 20. Jahrhundert aufgefallen, dass die Kinder aus der Region nie an Bronchitis erkrankten. Bei seinen Recherchen stellte er fest, dass sie ihre Milch aus Schalen tranken, die aus dem Holz der Efeupflanze gefertigt waren. Seitdem hat Efeu in der Therapie von Husten einen festen Platz. Mittlerweile ist die Wirkung von Efeuextrakten auch durch verschiedene klinische Studien belegt. Meist kommen diese Extrakte als Hustensaft, Tropfen oder in Tees zum Einsatz.

Dabei sollte man immer auf pharmazeutische Präparate zurückgreifen. Denn die Zubereitung des Efeus als Heilmittel ist eine Kunst. Erstens muss man wissen, in welchem Entwicklungsstadium die Blätter zu ernten sind. Und zweitens ist auf eine korrekte Dosierung zu achten. Ein Zuviel an Saponinen kann zu Erbrechen, Schwindel oder Benommenheit führen. Giftig sind übrigens die Beeren, deren Verzehr vor allem für Kinder gefährlich ist.

Steckbrief

Familie

Efeugewächs (Araliaceae)

Aussehen

Der Efeu ist eine Liane, die je nach Lichtverhältnis und Höhe unterschiedliche Blattformen bildet. Bodennah sind die Blätter fünfeckig, ledrig und wachsen an nicht blühenden Zweigen. In der Höhe sind sie dreieckig und werden von Haftwurzeln begleitet. Der Stängel verholzt im Alter bis armdick und kann bis 140 Jahre alt werden. Erst nach sieben Jahren und bei viel Licht bilden sich die Blüten an den höheren Ästen mit den dreieckigen Blättern. Augenfällig ist sein atypischer Vegetationszyklus: Im Herbst zeigen sich die kugelförmigen gelben Blütendolden und im Frühling die dunkelblauen Früchte, die bitter schmecken.

Standort

in schattigen Mischwäldern, an Mauern, Ruinen und Felsen, beheimatet in ganz Europa, Asien, Nordafrika und verwildert im Südosten der Vereinigten Staaten

Botanische Einordnung

Efeu ist eine Kletterpflanze, die sich selbst ernährt. Er ist im Gegensatz zum weitverbreiteten Vorurteil weder ein Schmarotzer noch ein Halbschmarotzer.

Erntezeit

Blätter nicht blühender Zweige: Mai bis Juni zu Blütenbeginn frisch gebildete Efeutriebe für die Tinktur im Herbst

Verwendung
  • Gegen Reizhusten wird eine Tasse Hustenteemischung mit Efeublättern drei Mal täglich während sieben Tagen getrunken.
  • Gegen Keuchhusten und chronische Bronchitis sind standardisierte Pflanzenextrakte, Tinkturen oder Spagyrika empfehlenswert. Die spezifische Wahl ist abhängig vom Schweregrad der Atemeinschränkung, dem Alter und der physiologischen Reaktionsfähigkeit des Betroffenen.

Text: Christine Funke