Wer treibt die Kosten an?

Michael Willer, 17.04.2014

Für die Prämienfestsetzung der Krankenversicherer ist die Leistungskostenentwicklung ein massgeblicher Faktor. Denn letztlich müssen die Prämien die bezogenen Leistungen decken. Ein Rückblick auf 2013 zeigt relevante Verschiebungen in den einzelnen Kostenkategorien und eine auffallende Erhöhung der Arztkosten – ein vertiefter Blick lohnt sich.

Wer treibt die Kosten an

Die Zunahme der Leistungskosten im Helsana-Geschäftsjahr 2013 war mit 3,5 Prozent zwar durchschnittlich, allerdings haben sich im Vergleich zum Vorjahr wesentliche Verschiebungen zwischen den einzelnen Kostenarten ergeben. Besorgniserregend hoch sind dabei die Ausgaben für Ärzte sowie für ambulante Spitalbehandlungen, die 2013 je Versicherten um 8,3 Prozent beziehungsweise 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen sind.

Niedergelassener ärztlicher Bereich: Auffällig hoher Kostenanstieg

Wer treibt die Kosten an Der Kostenschub bei den ärztlichen Leistungen ist primär auf die Zunahme der Anzahl Ärzte zurückzuführen, was direkt mit der Aufhebung des Zulassungsstopps Ende 2011 zusammenhängt. Dieser hat dazu geführt, dass 2012 und 2013 je etwa dreimal so viele Ärzte mit Praktizieren begonnen haben wie in den Jahren zuvor – und damit wurden auch mehr Leistungen verrechnet. Helsana hat diese Zahlen im Detail analysiert; die Zunahme der Arztkosten korreliert mit der Zunahme der Ärzte regional. Das heisst, dort, wo mehr Ärzte dazugekommen sind, sind auch die Kosten entsprechend gestiegen.

Sehr stark zugenommen hat insbesondere die Anzahl der abrechnenden Spezialisten mit etwa 12 Prozent, bei den Grundversorgern beträgt die Zunahme «nur» 3 Prozent. Das ergibt insgesamt etwa 8 Prozent mehr Ärzte und damit ein Mehr von ca. 8 Prozent von 2012 auf 2013 bei den Kosten. Spezialdisziplinen, die bereits früher einen hohen Kostenanteil auswiesen und die nochmals stark gewachsen sind, sind die Bereiche Radiologie, Ophthalmologie (Augenheilkunde), Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die psychiatrischen Leistungen.

Helsana rechnet auch 2014 mit einem hohen Kostenwachstum, da die neuen Ärzte teilweise noch nicht den vollen Umsatz erreicht und einige Kantone den Zulassungsstopp auf Mitte 2013 nicht wieder eingeführt haben. Neben der Aufhebung des Zulassungsstopps gibt es eine zweite Ursache für die Kostenentwicklung: den Vertragszwang, dem die Krankenversicherer nach wie vor unterworfen sind. Verantwortlich für die steigenden Prämien sind also ganz klar Regulierungsbehörden bei Bund und Kantonen.

Spital ambulant: Überdurchschnittlich hoch

Wer treibt die Kosten an Im Bereich Spital ambulant ist die Kostenentwicklung mit einer Zunahme von 5,4 Prozent gegenüber 2012 wie seit Jahren überdurchschnittlich hoch, und eine Entspannung ist leider nicht in Sicht.

Spital stationär: Mehr oder weniger stabil nach Systemumstellung

Wer treibt die Kosten an Im Bereich Spital stationär stellte Helsana bereits 2012 eine grosse Kostensteigerung wegen der Einführung der neuen Spitalfinanzierung und SwissDRG fest. Die Leistungskosten von rund 74 Franken pro Versicherten im Bereich Spital stationär sind mit Vorsicht zu geniessen, da noch nicht alle Rechnungen bei uns eingegangen sind.

Pflegeheim: Rückläufig mit Verlagerungen

Die Kosten in der Langzeitpflege haben sich in den letzten zwei Jahren mit der neuen Pflegefinanzierung zwar stabilisiert, teilweise wurden sie aber auch in andere Kategorien verschoben.

Medikamente: Grössere Kostenreduktion erwartet

Die Kosten im Bereich der Medikamente sind konstant. Hier hätten wir allerdings aufgrund der Preissenkungen eine deutlichere Verringerung der Kosten erwartet.

Übrige: Mehr als verdoppelt

Der Zuwachs der Kosten in der Kategorie «Übrige» hat sich von 2012 bis 2013 mit einer Zunahme von über 11 Prozent mehr als verdoppelt, vor allem aufgrund von Mengenausweitungen in den Bereichen Spitex, Physiotherapie und Laborleistungen.

Alternative Versicherungsmodelle dämpfen die Kosten

In den vergangenen Jahren gab es vereinzelte Reformen mit kostendämpfender Wirkung, zum Beispiel bei den Medikamentenpreisen. Darüber hinaus trug bei Helsana aber vor allem die Verbreitung von Managed Care (Alternative Versicherungsmodelle mit Koordination wie zum Beispiel Telemedizin mit ärztlicher Beratung) dazu bei, dass sich die Kosten unterdurchschnittlich entwickelt haben: Mit den steigenden Anteilen von Managed Care wachsen die dämpfenden Effekte für die Leistungskosten, was sich positiv auf die Prämien auswirkt. Ein Wegfall der alternativen Versicherungsmodelle hätte demnach einen signifikanten Kosten- und Prämienschub zur Folge. Insgesamt haben die alternativen Versicherungsmodelle bei Helsana seit 2011 um 32 Prozent zugelegt.

0 Kommentare

Zurück zum Artikel

0 Kommentare

Ihr Kommentar wird gespeichert und nach erfolgreicher Überprüfung aufgeschaltet. Danke für Ihre Geduld.