Nur gut informierte Patienten können selbst entscheiden

Daniel H. Schmutz, 06.06.2016

Das Wissen in der Bevölkerung über Vor- und Nachteile der modernen medizinischen Angebote ist sehr unterschiedlich und oft ungenügend. Damit Betroffene bessere, aufgeklärte Entscheidungen treffen können, brauchen sie Zugang zu objektiver Information. Dafür engagiert sich Helsana und macht gesicherte Informationen auf Basis der neusten, wissenschaftlichen Evidenz einfach zugänglich.

Gesundheitskompetenz

Die Schweiz hat eines der weltweit besten Gesundheitssysteme. Sei es bei der Lebenserwartung, der Kindersterblichkeit oder dem Zugang zur Gesundheitsversorgung – die Schweiz verdient sich vorzügliche Noten. Selbstverständlich hat das seinen Preis. Die Gesundheitskosten belaufen sich auf 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts, vergleichbar mit Dänemark oder Deutschland, weit weniger als in den USA (16,4 Prozent), aber deutlich mehr als in Grossbritannien (8,5 Prozent). Und dank guter Wirtschaftsleistung haben wir in der Schweiz ein geringeres Kostenwachstum als anderswo.

Dass wir in der Schweiz eine der weltweit höchsten – wenn nicht sogar die höchste – Lebenserwartung überhaupt haben, ist nicht nur Folge eines gesunden Lebenswandels, sondern auch Folge eines gut funktionierenden Wirtschafts- und Gesundheitssystems. Doch keinesfalls steht es mit allem zum Besten: Unnötige Behandlungen und Ineffizienzen im System sind häufig. Unser System verbraucht zu viele Ressourcen. Wir müssen effizienter werden. Rationierungen – Einschränkungen des Leistungskatalogs und/oder der Zugangsbeschränkungen – sind aber der falsche Weg. Wir wollen für alle den Zugang zu einer hochklassigen Gesundheitsversorgung sicherstellen. Bevor wir eine Debatte über Rationierung führen, sollten wir uns darüber unterhalten, wo die Effizienz gesteigert werden kann und wie unnötige Leistungen verhindert werden können.

Gesundheitskompetenz hilft, gesund zu bleiben

Doch wie schaffen wir das? Einen wichtigen Beitrag kann eine gesteigerte Gesundheitskompetenz in der breiten Bevölkerung leisten, also die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Dabei geht es um Wissen und Können des Einzelnen, sich gesund zu verhalten.

Ihr Arzt sagt Ihnen dann schon, was Sie tun müssen, sagen Sie? Wäre es nicht besser, Sie könnten den Entscheid für oder gegen eine Behandlung selbst treffen, auf Basis des Ratschlags Ihres Arztes, aber auch in Kenntnis der Faktenlage, der Vor- und Nachteile? Denn nicht alle medizinischen Untersuchungen, die empfohlen respektive durchgeführt werden, sind sinnvoll. Allfällige unnötige Untersuche verursachen unnötiges Leid und hohe Kosten. Dies könnte deutlich reduziert werden, wären die Betroffenen besser informiert. Der Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und guter Gesundheit ist erwiesen. Um aufgeklärte Entscheidungen treffen zu können, brauchen Betroffene Zugang zu objektiver Information. Denn nur gut informierte Patienten können selbst entscheiden.

Genau hier engagiert sich Helsana: Wir machen gesicherte Informationen auf Basis der neusten, wissenschaftlichen Evidenz einfach zugänglich, damit Betroffene besser entscheiden können. Dies tun wir in Zusammenarbeit mit dem renommierten Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin. Damit leistet Helsana einen Beitrag zur Förderung der Gesundheitskompetenz breiter Bevölkerungsschichten.

Gesundheitskompetenz – ein gemeinsames Anliegen

Unser Engagement hat nur Chancen auf Erfolg, wenn wir das Ziel im Verbund mit Partnern anstreben: Eine breite Aufklärung und nachhaltige Informationsvermittlung werden nur gelingen, wenn möglichst viele Absender hinter dem Ansinnen stehen und mithelfen, die relevanten Informationen transparent zu verbreiten. Helsana lässt sich extern begleiten, beraten und unterstützen von namhaften Experten von «Medix» – dem Netzwerk innovativer Ärztenetze –, der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz, dem Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich, der Careum-Stiftung und des Instituts für biomedizinische Ethik der Universität Zürich. So erhalten wir wertvolle Hinweise und Unterstützung bei der Weiterentwicklung unseres Engagements.

Die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit unserer Gesundheit ist eine wichtige Aufgabe in Bezug auf die öffentliche Gesundheit. Dabei stehen wir alle in der Verantwortung. Als führender Krankenversicherer der Schweiz stellen wir uns dieser Verantwortung – im Interesse unserer Kundinnen und Kunden und der breiten Bevölkerung. Wir engagieren uns gemeinsam mit anderen Akteuren, denn die nachhaltige Stärkung der Gesundheitskompetenz breiter Bevölkerungskreise wird nur mit vereinten Kräften gelingen. Deshalb beabsichtigt Helsana, der Allianz Gesundheitskompetenz beizutreten. Auch dort wollen wir unseren Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesundheitskompetenz leisten.

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Christoph A. Pfister
20.08.2016 16:27 Uhr
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Vielen Dank für die Initiative. Es ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Massnahmen für die Zukunftssicherung unseres Gesundheitssystems, die Ressource PatientIn ernst zu nehmen. Dies geht wie Sie schreiben weit über die Information der PatientInnen hinaus, sondern muss ihre Kompetenz stärken, ihre Selbstorganisationsfähigkeit in einem ausserordentlich komplexen System. Damit dies gelingt, erhalten die Health Professionals eine wesentliche Aufgabe, wie wir in unserem Artikel in der Schweizerischen Ärztezeitung (http://www.saez.ch/archiv/details/kompetente-patienten-was-bedeutet-das-fuer-health-professionals.html) ausgeführt haben.
Es wird Zeit, dass sich die verschiedenen Player zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zusammenfinden. Auch bei diesem Schritt sollen PatientInnen involviert werden.