Erste Hilfe: Jede zweite Person fühlt sich unsicher

Rund die Hälfte der Bevölkerung traut sich im medizinischen Notfall nicht zu helfen. Eine gemeinsame Studie von Helsana und dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) zeigt grosse Unsicherheiten bei konkreten Erste-Hilfe-Massnahmen. Für die beiden Partner ist klar: Erste Hilfe muss regelmässig geübt werden, damit Menschen im Notfall sicher handeln können.

16.06.2026

Die Schweizer Bevölkerung hält Erste Hilfe für wichtig, fühlt sich im entscheidenden Moment jedoch oft unsicher. Das zeigt eine repräsentative Studie des Schweizerischen Roten Kreuzes und der Helsana durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut gfs.Bern. Rund die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich eher bis sehr sicher im Umgang mit Notfallsituationen. 44 Prozent geben hingegen an, sich eher oder sehr unsicher zu fühlen. Ein zentraler Grund dafür ist der zeitliche Abstand zur Ausbildung: Zwar haben 49 Prozent mindestens einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, doch liegt dieser oft viele Jahre zurück – nicht selten bis zur Fahrprüfung. Nur 44 Prozent der Bevölkerung frischen ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmässig auf.

Notfallsituationen können jeden treffen

Rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung hat mindestens einmal einen medizinischen Notfall miterlebt. Dabei treten Notfälle im engsten privaten Umfeld ebenso oft auf wie bei unbekannten Personen. Rund jede fünfte Person hat zudem selbst bereits einen medizinischen Notfall erlitten.

Grosse Wissenslücken bei der Ersten Hilfe

Besonders deutliche Defizite zeigt die Studie beim konkreten Handlungswissen. Zentrale Elemente der Ersten Hilfe, etwa die Alarmierung des Rettungsdienstes oder das Erkennen eines Defibrillators, sind in der Bevölkerung zwar breit verankert, dennoch bestehen deutliche Unsicherheiten in der praktischen Anwendung. So traut sich nur rund die Hälfte der Bevölkerung zu, einen Defibrillator einzusetzen, während jede fünfte Person eher Unterstützung hinzuziehen würde. Auch bei der Herzdruckmassage zeigt sich Zurückhaltung: Rund 30 Prozent fühlen sich unsicher oder zögern bei der Durchführung. Digitale Hilfsmittel können Erste Hilfe unterstützen, praktische Übung aber nicht ersetzen. Die Befragten der Studie sind sich einig: Smartphones ermöglichen schnellen Zugang zu Informationen. Gleichzeitig befürchtet ein Teil der Befragten aber auch, dass dies zu einer passiveren Haltung im Notfall führt und häufiger lediglich der Rettungsdienst alarmiert wird, statt aktiv zu helfen.

Unsicherheit ist das Kernproblem

Die Studienergebnisse legen nahe: Nicht fehlende Hilfsbereitschaft, sondern Unsicherheit ist das grösste Hemmnis. Am häufigsten werden mangelnde Erfahrung (38 %) sowie die Angst vor Fehlentscheidungen (32 %) genannt. 85 Prozent der Befragten erachten nationale Informationskampagnen als sinnvoll. Die Unterstützung für konkrete Massnahmen ist noch höher: Obligatorische Kurse in Schulen (94%) und Betrieben (89%) sowie mehr Defibrillatoren im öffentlichen Raum (88%) finden breite Zustimmung.

«Dass sich rund die Hälfte der Bevölkerung unsicher fühlt und viele Kenntnisse nicht mehr aktuell sind, zeigt deutlich: Wir müssen in Sachen Ausbildung dranbleiben», betont Helsana-CEO Roman Sonderegger. «Es freut mich, dass wir zusammen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz hierfür einen Beitrag leisten.»

«Erste Hilfe muss regelmässig geübt werden, damit Menschen im Notfall ruhig und korrekt handeln können», sagt SRK-Direktorin Nora Kronig. «Gemeinsam mit den Rettungsorganisationen des Roten Kreuzes setzen wir uns dafür ein, diese Handlungskompetenz nachhaltig zu stärken: möglichst früh, bereits im Schulalltag, praxisnah und für alle zugänglich.»

Erste-Hilfe-Kompetenz als Teil der Prävention

Die Studie fokussiert auf die Handlungskompetenz in Notfallsituationen und macht deutlich, dass diese ein wichtiger, aber bisher nicht ausreichend verankerter Teil der Gesundheitskompetenz ist. Als Partnerin des Schweizerischen Roten Kreuzes setzt sich Helsana für mehr praxisnahes Wissen um die Erste Hilfe in der Schweizer Bevölkerung ein. Mit ihren Kursen in der ganzen Schweiz leisten gerade die Rotkreuz-Rettungsorganisationen hierfür einen unverzichtbaren Beitrag.

«Ertrinken verhindern» Ein Engagement, das Leben rettet. Gerade im Sommer.

Seit diesem Jahr engagiert sich Helsana zusätzlich als Partnerin der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) für Ertrinkungsprävention und unterstützt die Mission «Ertrinken verhindern». Die Studie zeigt: Gerade bei Notfällen im Wasser ist die Unsicherheit besonders gross. Die Bevölkerung fühlt sich hier weniger handlungssicher als in anderen Notfallsituationen. Zudem hat rund drei Viertel der Befragten noch nie einen Kurs besucht, der das richtige Verhalten bei Ertrinkungsunfällen thematisiert. In dieser Partnerschaft setzt Helsana ab diesem Sommer Projekte und Kampagnen um, damit die Menschen den Aufenthalt am, im und auf dem Wasser sicher geniessen können. Die nächste Präventionskampagne findet am kommenden Wochenende mit dem nationalen Präventionsweekend der SLRG an über 30 Standorten in der Schweiz statt. 

Die komplette Studie finden Sie hier: Schlussbericht «Erste Hilfe in der Schweiz»

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