So funktioniert unsere Verdauung

Die Verdauung hat einen grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Auf dem Weg vom Mund zum Dickdarm entzieht der Körper der Nahrung nämlich die Nährstoffe, die er für seine Funktion benötigt.

08.05.2020

Lara Brunner

Ein gut funktionierendes Verdauungssystem (gastrointestinales System) ist die Basis für unsere Gesundheit. Im Verdauungssystem verarbeiten die Verdauungssäfte und Bakterien die Nahrung, und die Nährstoffe werden ins Blut abgegeben. Zu Letzteren zählen Proteine, Fette und Kohlenhydrate. Sie sind die Baustoffe für unseren Körper und liefern ihm Energie. Dank ihnen kann er wachsen, sich regenerieren und seine lebenserhaltenden Funktionen weiterhin problemlos ausführen. Jedes Nahrungsmittel, das wir zu uns nehmen, passiert Schritt für Schritt jedes Verdauungsorgan. Durch Mund und Speiseröhre gelangt die Nahrung in den Magen, dann in den Dünndarm und zum Schluss in den Dickdarm. Der Körper nimmt auf dieser Reise alle verwertbaren Nährstoffe auf und scheidet die nicht verwertbaren Reste am Schluss aus. Die Nahrung gleitet relativ schnell durch die Speiseröhre und den Dünndarm. Wie lange sie im Magen bleibt, hängt von der Zusammensetzung der Nährstoffe ab. Es kann bis zu sechs Stunden dauern, bis der Magen entleert ist. Im Dickdarm dagegen bleibt der Nahrungsbrei zwischen einem und drei Tagen.

1. Im Gehirn: Mit Hunger fängt alles an

Das Gefühl von Hunger entsteht in unserem Kopf. Das physiologische Verlangen schützt uns vor Unterernährung und Mangelerscheinungen. Wenn der Blutzucker tief ist, erhält das Hungerzentrum im Gehirn ein Signal und löst darauf das Bedürfnis nach Nahrung aus. Beim Essen leiten die Nerven wiederum Signale an das Sättigungszentrum weiter, und das Gehirn stoppt das Verlangen nach Essen. Auch Appetit entsteht im Gehirn. Dabei handelt es sich jedoch um einen psychischen Zustand. Er beschreibt das lustvolle Verlangen nach etwas Bestimmtem.

2. Im Mund: Die Verdauung beginnt

Wenn wir kauen, zerkleinern die Zähne die Nahrungsmittel mechanisch. Das Enzym Amylase, das sich im Speichel befindet, spaltet die Kohlenhydrate chemisch auf. Darauf transportiert die Zunge den Brei zum Gaumen. Das Gaumensegel verhindert, dass beim Schlucken Nahrungsteile in den Nasen-Rachen-Raum gelangen. Der Kehlkopfdeckel verschliesst währenddessen den Eingang zur Luftröhre, damit wir uns nicht verschlucken.

3. In der Speiseröhre: Der Nahrungsbrei wird weiter transportiert

Durch den Schluckreflex gelangt der Nahrungsbrei in die Speiseröhre. Diese besteht aus vielen Ringmuskeln, die rhythmische Wellen erzeugen: Die Muskeln oberhalb des Breis ziehen sich zusammen, die Muskeln darunter entspannen sich. Dieser Vorgang nennt sich Peristaltik. So wird der Nahrungsbrei Richtung Magen transportiert. Das dauert vier bis sechs Sekunden.

4. Im Magen: Der Magensaft verarbeitet die Nahrung

Gelangt der Nahrungsbrei zum Eingang des Magens, öffnet sich dessen Zugang automatisch. Unser Magen produziert rund zwei Liter Magensaft pro Tag. Dieser Saft enthält Salzsäure sowie Enzyme für die Verdauung der Proteine. Das Enzym Pepsin spaltet die Proteine in Teilchen auf, die Salzsäure tötet Bakterien ab. Der Magensaft greift auch die Schleimhäute im Magen an. Deshalb erneuert der Körper diese ständig. Der Nahrungsbrei vermischt sich im Magen mit dem Magensaft. Die Muskeln im Magen ziehen sich danach ringförmig zusammen und bewegen sich in Wellen. Der Brei bleibt nun – je nach Fettgehalt – ein bis sechs Stunden im Magen. Die Stelle, an der der Magen in den Darm übergeht (Pförtner), lässt danach immer nur so viel Brei durch, wie der Dünndarm verarbeiten kann.

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5. Im Dünndarm: Die Nährstoffe gelangen ins Blut

Der Zwölffingerdarm ist der erste Teil des Dünndarms. Dort durchmischt sich der Nahrungsbrei mit dem Sekret der Bauchspeicheldrüsen und der Galle aus der Leber. Das Sekret der Bauchspeicheldrüse enthält Enzyme und basische Säfte. Letztere neutralisieren die Salzsäure, die mit dem Speisebrei aus dem Magen kommt. Die Enzyme dagegen spalten die Nahrung in ihre Bestandteile auf, damit der Dünndarm sie aufnehmen kann. Die Galle unterstützt den Verdauungsprozess von fettreichen Speisen. Die Innenwand des Dünndarms besteht aus einem feinen Netzwerk von Gefässen, den sogenannten Darmzotten. Über sie gelangen die gewonnenen Nährstoffe ins Blut.

6. Im Dickdarm: Das bleibt übrig

Millionen von Nervenzellen umgeben die Wände des Dickdarms. Sie gelten als «Gehirn im Bauch» und steuern die Verdauung. Die Darmbakterien im Dickdarm zersetzen die unverdauten Nahrungsreste aus dem Dünndarm. Während ungefähr zwölf Stunden holen sie noch die letzten verwertbaren Nährstoffe heraus. Sie entziehen dem Nahrungsbrei Wasser und fügen Schleim hinzu, damit er weich wird für die Ausscheidung. Der Darm bewegt sich ständig in Wellen und transportiert den Stuhl so voran. Das vegetative Nervensystem löst den Stuhlreflex aus: Der innere Schliessmuskel erschlafft. Den äusseren Schliessmuskel kontrollieren wir willentlich. Erschlafft auch er, verlassen die Nahrungsreste den Körper durch den After. Der Stuhl besteht jetzt nur noch aus unverdauter Nahrung, Schleim, abgestossenen Schleimhautzellen und Bakterien.

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Die Verdauung hängt stark mit unserem Wohlbefinden zusammen. Oftmals fällt das erst auf, wenn das Verdauungssystem nicht mehr einwandfrei funktioniert. Beschwerden wie Verstopfung oder Blähungen beeinflussen die Lebensqualität negativ. Der Darm wirkt zudem auch auf unsere Psyche – und zwar stärker, als bisher angenommen.

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