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Tarmed-Eingriff – sinnvoll, wichtig und richtig

Die Anpassung des Tarifs für ambulante ärztliche Leistungen (Tarmed) behebt Mängel des veralteten Tarmeds und soll jährlich rund 470 Millionen Franken einsparen. Doch nun braucht es dringend eine Gesamtrevision.

Die Kosten in der schweizerischen Gesundheitsversorgung steigen seit jeher unvermindert an. Weil die Prämien zwangsläufig stets den Kosten folgen, werden die jährlichen Prämienerhöhungen für immer mehr Haushalte untragbar. Für das stete Kostenwachstum gibt es zahlreiche Gründe wie etwa den medizinisch-technologischen Fortschritt, die höhere Lebenserwartung oder die angebotsinduzierte Nachfrage. Ein nicht unwesentlicher Faktor für die Kostenentwicklung ist auch der überholte Tarif für ambulante ärztliche Leistungen, der Tarmed. Immerhin wird rund ein Viertel der gesamten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich generiert.

Tarmed ist veraltet und muss dringend revidiert werden

Der aktuell gültige Tarmed wurde seit seiner Einführung 2004 nie umfassend revidiert und bildet den medizinischen Fortschritt schon lange nicht mehr sachgerecht ab. Noch schlimmer: Genau genommen war der Tarif von Anfang an nie sachgerecht, weil die Datenbasis bereits bei seiner Einführung veraltet war und damals diverse Tarifpositionen aus politischen Gründen nachfrisiert worden sind. Ein Beispiel: Der Tarif rechnet bei der operativen Behandlung des Grauen Stars immer noch unverändert mit einer Operationszeit von 45 Minuten (das war der Standard in den 90er-Jahren), obschon der Eingriff heute kaum noch eine Viertelstunde dauert. Salopp ausgedrückt: Der Arzt verdient sich eine goldene Nase, weil er bei effektiv 15 Minuten Arbeit honoriert wird, wie wenn er eine Dreiviertelstunde gearbeitet hätte. Diese und viele andere Fehltarifierungen waren nicht mehr länger hinzunehmen, Handlungsbedarf war also angezeigt.

Der Bundesrat setzte ein wichtiges Zeichen

Nun hat der Bundesrat eingegriffen. Denn obwohl sich die Tarifpartner einig waren, dass der Tarmed revidiert werden muss, wurde in jahrelangen Verhandlungen keine Einigung erzielt. Der bundesrätliche Verordnungsentwurf, welcher im Frühjahr 2017 in die Vernehmlassung geschickt wurde, sah eine Anpassung der Tarifstruktur vor, der zu Einsparungen von rund 700 Millionen Franken führen sollte. Nach Berücksichtigung der teilweise nachvollziehbaren und berechtigten Kritik seitens der Ärzte und Spitäler geht die nun definitive Verordnung von immerhin noch 470 Millionen Franken aus. Das entspricht zwar nicht vollständig den Vorstellungen der Mitglieder von curafutura, welche über ihren Verband sachlich begründete Einsparungen im Umfang von jährlich 600 Millionen geltend machten. Aber auch die knappe halbe Milliarde Franken ist substanziell, entspricht dies doch immerhin rund 1,5 Prämienprozenten. Auch wenn davon auszugehen ist, dass es zu Kompensationen durch Ärzte und Spitäler kommen wird, ist das Signal klar: Einigen sich die Tarifpartner nicht auf eine Revision, handelt der Bundesrat. Der Eingriff soll aufrütteln.

An der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung ändert der Eingriff des Bundesrates freilich nichts. Weder wird, wie von nicht wenigen Spezialisten schwarzmalerisch behauptet, die Qualität der Gesundheitsversorgung darunter leiden noch der Zugang zu medizinischen Leistungen in irgendeiner Weise eingeschränkt.

Nun braucht es dringend eine Gesamtrevision

Der beschlossene Tarifeingriff behebt einige Fehltarifierungen sowie Doppelvergütungen und berücksichtigt die technologische Entwicklung ein Stück weit. Es bleibt zu hoffen, dass er die Tarifpartner zur Raison bringt und die Revisionsarbeiten des veralteten Tarmeds bald wieder aufgenommen werden. Denn es bedarf weiterer Massnahmen, um die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen zu dämpfen und die Finanzierung des Systems nachhaltig sicherzustellen.

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