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Sind bildgebende Verfahren bei Rückenschmerzen sinnvoll?

Bei Rückenschmerzen werden oft bildgebende Verfahren angewendet. Doch wie hilfreich sind Röntgen, Computertomografie und Co. wirklich?

In der Schweiz leiden durchschnittlich acht von zehn Personen einmal in ihrem Leben an unspezifischen Kreuz- und Rückenschmerzen. Experten unterscheiden dabei zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen. Die Schmerzen gelten als spezifisch, wenn ein Unfall oder eine Erkrankung vorliegt. Ein typisches Beispiel dafür ist der Bandscheibenvorfall. Unspezifisch sind die Schmerzen infolge von Muskelverspannungen, einer mangelhaft ausgeprägten Rumpfmuskulatur oder Fehlhaltungen. Ausserdem unterscheiden Experten zwischen akuten, subakuten und chronischen Schmerzen. Klingen Schmerzen innert sechs bis zwölf Wochen ab, spricht man von akuten und subakuten Rückenschmerzen, halten sie über zwölf Wochen an, werden sie als chronisch bezeichnet.

Um die Ursachen der Schmerzen zu bestimmen, werden oft bildgebende Verfahren eingesetzt. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Während das Röntgenbild die Knochenstrukturen aufzeigt, bildet die Computertomografie (CT) nebst Knochen und Gelenken auch Bänder, Sehnen und Bandscheiben ab. Einen Schritt weiter geht die Magnetresonanztomografie (MRT). Das MRT liefert die detaillierte Aufnahme von Weichteilen und Rückenmark. Doch bildgebende Verfahren sind auch mit Risiken verbunden: Die Strahlenbelastung, insbesondere von Röntgenbildern und Computertomografie, ist nicht zu unterschätzen. Strahlen verändern das Erbgut und erhöhen das Risiko für eine Krebserkrankung. Ein weiteres Risiko im Rahmen bildgebender Verfahren sind falsche oder zufällige Befunde wie Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule, die jedoch nicht zwingend der Auslöser für diffuse Schmerzen sein müssen. Fehldiagnosen können schlimmstenfalls zu unnötigen Operationen führen.

Wann braucht es bildgebende Verfahren?

Wann also ist ein bildgebendes Verfahren sinnvoll, wenn man Risiken und Nutzen abwägt? Diese Fragestellung war Gegenstand mehrerer Studien. Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat die potenziellen Nutzen und Schäden von bildgebenden Verfahren untersucht. In der erwähnten Studie wurden Erwachsene mit anhaltenden und unspezifischen Rücken- und Kreuzschmerzen bis zu zwei Jahre lang beobachtet.

Bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen kann bis etwa sechs Wochen zugewartet werden. Ein bildgebendes Verfahren ist unnötig. Der Vergleich zwischen Patienten mit und ohne bildgebendes Verfahren ergab, dass sich bei gleich vielen Patienten aus beiden Gruppen der Schmerz, die körperliche Funktion und die Lebensqualität verbesserten. Ebenso waren gleich viele Patienten zufrieden mit ihrer Behandlung.

Bei akuten nicht spezifischen Rücken- und Kreuzschmerzen stehen oft lebensstilbedingte Ursachen im Vordergrund. Massnahmen wie mehr Aktivität oder Stressbewältigung können eine Verbesserung bringen. Medikamentöse Behandlungen mit Schmerzmitteln und nicht medikamentöse Behandlungen wie Physiotherapie oder Akupunktur können ebenfalls Schmerzen lindern.

Hingegen bei Verdacht auf einen gefährlichen Verlauf, etwa bei zunehmenden Schmerzen, Aktivitätseinschränkungen und Lähmungserscheinungen, ist ein bildgebendes Verfahren sinnvoll.

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