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Bundesrat will dank Tarifeingriff 700 Millionen Franken sparen

Ein Tarmed-Tarifeingriff soll die Transparenz erhöhen und Fehlanreize reduzieren. Der richtige Weg? Lesen Sie Pro und Contra von Befürworter Dr. med. Felix Huber und Gegner Prof. Dominik Weishaupt.

Tarifeingriff: ja, aber…

Huber Dr. med. Felix Huber, ärztlicher Leiter Ärztenetz mediX Zürich

mediX zürich begrüsst die durch Bundesrat Alain Berset vorgeschlagenen Änderungen des Tarmeds. In drei Bereichen sollte der Vorschlag aber nachgebessert werden:

Es fehlt erstens nach wie vor eine Position, anhand derer speziell ausgebildetes Pflegepersonal und MPA («Nurses») unter medizinischer Aufsicht des Arztes Leistungen eigenständig abrechnen können, zum Beispiel bei der Betreuung von Diabetespatienten.

Zweitens braucht es einen Pauschalzuschlag für die hausärztliche Tätigkeit des Hausbesuchs. Solche Hausbesuche sind heute für Ärzte in finanzieller Hinsicht unattraktiv. Jeder Einsatz eines Servicetechnikers vor Ort kostet wesentlich mehr.

Drittens erachten wir die Beschränkung der Abrechnung der Position «Leistung in Abwesenheit des Patienten» als nicht sachgerecht. Denn die Hausarztmedizin erfordert je länger desto mehr eine Organisation und Koordination unter verschiedenen Leistungserbringern, also Aufgaben, die meist in Abwesenheit des Patienten zu erbringen sind. Besonders bedeutend sind diese Leistungen für chronisch Kranke und polymorbide Patienten.

Tarifeingriff in dieser Form: nein

Weishaupt Prof. Dominik Weishaupt, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Radiologie (SGR-SSR)

Im Frühjahr präsentierte der Bundesrat seine Änderungsvorschläge für die Tarifstruktur Tarmed. Er erhofft sich 700 Millionen Einsparungen. Vergebens, denn auch dieser zweite Eingriff behebt die strukturellen Fehlanreize zur Mengenausweitung nicht.

Die unbestritten veraltete Nomenklatur erschwert die Verrechnung aktueller Leistungen und verlangt Neuinterpretationen bestehender Positionen. Die beabsichtigten Tarifsenkungen können durch Zusatzleistungen und durch eine Optimierung der Leistungserfassung kompensiert werden.

Der Tarifeingriff ist weder sachgerecht noch betriebswirtschaftlich begründet. Dies zeigen die einseitigen Senkungen für die MR- und CT-Bildgebung, während beim Ultraschall – mit dem höchsten Kostenvolumen in diesem Bereich – kaum oder gar nicht gesenkt wird. Es verstösst zudem gegen das KVG, wenn ärztliche Tätigkeiten im Rahmen von CT- und MR-Untersuchungen nicht mehr vergütet werden.

Sinnvoller wäre es, von staatlichen Eingriffen abzusehen und auf tarifpartnerschaftlichem Weg Lösungen für ein zeitgemässes, nachhaltig finanzierbares Tarifierungsmodell für ambulante medizinische Leistungen zu erarbeiten.

Auch wenn der Tarifeingriff in der jetzigen Form abgelehnt werden muss, können wir dem Vorschlag trotzdem etwas Gutes abgewinnen. Der Tarifeingriff fordert uns alle heraus.

Quo vadis Tarifpartnerschaft?

Wolfram Strüwe, Leiter Gesundheitspolitik bei Helsana

Im Gesundheitswesen ist es beim Thema Geld naturgemäss schwierig. Das wissen Versicherer und Ärzteschaft schon lang. Neu ist aber Folgendes: Die Versicherer haben sich über die sinnvolle Verteilung des Geldes unter einander, dem Risikoausgleich, gespalten. Beim Tarifeingriff droht nun der Ärzteschaft das gleiche Schicksal. Der Eingriff kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Frage lautet nur, ob er alle zur Raison bringt. Falls nicht, ist dies das Ende einheitlicher Tariflösungen. Wäre das schlimm? Nein, denn bekanntlich lässt das KVG auch Verhandlungslösungen von nur einem Teil der Partner zu. Jene, die sich nicht finden, wählen dann de facto die staatliche Lösung.

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