Prävention

Stress verstehen

Ein Drittel der erwerbstätigen Schweizer berichten, sich im Jahr 2010 häufig oder sehr häufig gestresst gefühlt zu haben. Zehn Jahre früher, im Jahr 2000, waren es mit 27% deutlich weniger. Stress nimmt zu, und damit wird es immer wichtiger, Stress zu verstehen und nach Möglichkeit zu bewältigen.

Es lohnt sich in diesem Zusammenhang, sich die Frage zu stellen, was Stress eigentlich ist, wie er entsteht und ob er vermieden werden kann. Stress entsteht immer dann, wenn wir Anforderungen, die an uns gestellt werden, nicht bewältigen können oder glauben, diese nicht bewältigen zu können.

Die Reaktion des Körpers auf Stress ist natürlich

Unter Stress werden im Körper Reaktionen hervorgerufen, die uns bereitmachen, zu kämpfen oder zu fliehen: Der Körper stellt dann möglichst viel Energie und Sauerstoff zur Flucht oder zum Kampf zur Verfügung. Zu Zeiten, als die Menschen noch als Jäger und Sammler unterwegs waren, war diese Reaktion überlebensnotwendig. Da wir aber heute weder möglichst schnell davonrennen noch mit Gegnern kämpfen müssen, wird die bereitgestellte Energie meist nicht verbraucht. Dies kann langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.

Die Bewertung von Anforderungen ist individuell

Die Reaktion des Körpers auf Stress ist zwar natürlich und läuft bei allen Menschen gleich ab. Der Unterschied liegt bei der individuellen Bewertung einer Anforderung: Bei den einen löst die Anforderung eine Stressreaktion aus, bei den anderen nicht. Die Anforderungen sind einerseits äussere Anforderungen wie Aufgaben im Beruf, Betreuung der Kinder, andererseits aber auch eigene Wünsche und Bedürfnisse.

Wenn man sich sicher ist, die Anforderung bewältigen zu können, kommt es nicht zu einer Stressreaktion. Fehlen hingegen die nötigen Mittel (Wissen, Ausbildung, Gesundheit, Familie, Freunde, Kollegen, Geld), um die Anforderung zu bewältigen, kommt es zu einer körperlichen Stressreaktion. Stressreaktionen können auch entstehen, wenn man Anforderungen verzerrt wahrnimmt wegen übertriebener Selbstzweifel oder Unsicherheit.

Langandauernde körperliche Stressreaktionen machen krank

Chronische Stressreaktionen führen zu körperlichen Problemen:

  • Gehirn: Verringerte Gedächtnisleistung, eingeschränkte Wahrnehmung, eingeschränktes Lernen und Denken.
  • Blutdruck: Permanente Stressreaktionen können zu dauerhaft erhöhtem Blutdruck und erhöhter Plusfrequenz führen. Damit ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.
  • Muskulatur: Aufgrund der dauerhaften Muskelanspannung kann der Rücken- und Nackenbereich oft schmerzhaft verspannt sein.
  • Stoffwechsel: Die bereitgestellte Energie wird meist nicht verbraucht und führt zu erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten und damit zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Immunsystem: Dauerhafte Stressreaktionen führen zu einer Schwächung des Immunsystems und erhöhen die Infektanfälligkeit.
  • Magen-Darm-Trakt: Die dauerhaft verminderte Darmtätigkeit führt zu Verdauungsstörungen.
  • Verhalten: Gestresste Personen neigen häufiger zu gesundheitlichem Risikoverhalten. Personen unter Stress rauchen häufiger, trinken häufiger Alkohol und setzen häufiger Beruhigungsmittel ein.

Umgang mit Anforderungen

Um gesund zu bleiben und Krankheiten vorzubeugen, ist ein erfolgreicher Umgang mit Stress entscheidend. Es lohnt sich, sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden und sich bewusst zu sein, wie viel Kraft und Energie man dafür einsetzen kann und will. Dazu kann es nötig sein, ein Ziel auf später zu verschieben, wenn man merkt, dass die Energie fehlt.

Da sich Stress aber nie ganz vermeiden lässt, braucht es bewährte Stressbewältigungsstrategien. Diese sind erlernbar. Besuchen Sie ein Kursangebot.