November 2015

Wieso sind unsere Medikamente so teuer?

Medikamente in der Schweiz sind oft um ein Vielfaches teurer als im Ausland. Würden wir sie den andern europäischen Ländern angleichen, könnten wir Millionen sparen. Doch so einfach ist es nicht. Wir erklären, wieso Medikamente bei uns so viel kosten und wie Sie sie günstiger bekommen.

I. Wie kommt der Preis eines Medikaments eigentlich zustande?

Den Preis, den Sie als Konsumentin für ein kassenpflichtiges Medikament bezahlen, legt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fest. Dieser setzt sich zusammen aus dem Fabrikabgabepreis, dem Vertriebsanteil sowie der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Für die Festlegung des Fabrikabgabepreises werden ein Auslandspreisvergleich (9-Länder-Korb) sowie ein therapeutischer Quervergleich mit einem ähnlichen Produkt, das schon vergütet wird, erhoben. Allenfalls kann noch ein Innovationszuschlag erfolgen.

II. Wir zahlen für Medikamente hierzulande deutlich mehr als im Ausland. Warum?

Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz über die Grundversicherung rund 5,8 Milliarden Franken für Medikamente ausgegeben. Würden die Preise an die europäischen Länder angeglichen, könnten wir Millionen einsparen. Doch nicht die Krankenversicherer bestimmen die Preise, sondern der Staat. Der Markt für Medikamente in der Schweiz ist stark reguliert. Den Schweizer Ladenpreis überprüft das BAG alle drei Jahre anhand eines Referenzländerkorbs. Dabei vergleicht die Behörde die Preise ab Fabrik von 9 europäischen Ländern. Beim Preisvergleich müsste man allerdings auch die gesetzlichen Rabatte berücksichtigen, wie etwa im Fall von Deutschland, wo es Rabatte auf den Listenpreis gibt. Hierzulande werden die Rabatte hingegen nicht in die Preisberechnung miteinbezogen. Deshalb kann es durchaus sein, dass ein Medikament in einem dieser Länder viel billiger ist als in der Schweiz.

III. Warum werden Medikamente trotz schwachem Euro nicht billiger?

Das BAG überprüft alle drei Jahre, ob ein Medikament noch wirtschaftlich ist und der Preis im internationalen Vergleich marktgerecht. Für die Umrechnung der ausländischen Preise gilt das Monatsmittel der Schweizerischen Nationalbank (SNB) der letzten 12 Monate, aktuell liegt dieser bei 1.12 Franken pro Euro, doch die Medikamente der Spezialitätenliste sind grösstenteils noch zu einem höheren Wechselkurs bewertet. Aus diesem Grund wirkte sich die Aufhebung der Untergrenze durch die SNB am 15. Januar nicht per sofort auf die Preise aus. Schätzungen gehen davon aus, dass bei einem aktuellen Wechselkurs von zirka 1.10 Franken pro Euro mehrere hundert Millionen Franken gespart werden könnten. Dies lässt sich jedoch nur erreichen, wenn die geltende Praxis überarbeitet wird. Statt lediglich einen Teil der Präparate gestaffelt dem aktuellen Preisniveau anzupassen, müssten jedes Jahr sämtliche Medikamente überprüft werden.

IV. Wie hoch sind die Gesundheitskosten und welchen Anteil daran haben die Medikamente?

Die Kosten des Schweizer Gesundheitssystems betrugen im Jahr 2013 rund 69 Milliarden Franken. Das entsprach in etwa 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Der grösste Teil davon, zirka 40 Prozent, entfiel auf die obligatorische Krankenversicherung. Je 20 Prozent trugen der Staat und die privaten Haushalte. Die restlichen 20 Prozent teilten sich Privatversicherungen und die anderen Sozialversicherungen. Der Anteil an Medikamenten innerhalb der obligatorischen Krankenversicherung betrug 5,8 Milliarden Franken, was rund 9 Prozent der gesamten Kosten des Schweizer Gesundheitswesens entspricht.

V. Wie wirkt sich ein Festbetragssystem auf die Medikamentenpreise aus?

In Deutschland existiert seit 1989 ein Festbetragssystem. Diese Festbeträge bilden Preisobergrenzen, bis zu denen die Krankenversicherer die Kosten für ein verordnetes Medikament übernehmen. Besteht ein Kunde auf ein teureres Medikament, muss er für den Mehrpreis selbst aufkommen. Davon ausgenommen sind medizinisch indizierte Fälle, in denen der Arzt explizit ein teureres Präparat verschreibt. Das Festbetragssystem führt einerseits dazu, dass viele Pharmahersteller die Preise ihrer Medikamente auf den festgesetzten Preis reduzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Patienten verlangen vermehrt Medikamente, die von den Krankenversicherern vollständig vergütet werden. Im Ausland hat sich das Festbetragssystem als wirksames Mittel zur Kosteneindämmung erwiesen.

VI. Wie bekomme ich günstig und effizient meine verschriebenen Medikamente?

Wenn Sie in der Apotheke ärztlich verschriebene Medikamente beziehen möchten, legen Sie dem Apotheker neben dem Rezept auch Ihre Versichertenkarte vor. So können Sie die Medikamente bargeldlos beziehen. Die Kosten verrechnet die Apotheke später auf elektronischem Weg direkt uns. Wir stellen dann lediglich noch Ihren Kostenanteil in Rechnung. Sie können Ihre ärztlich verordneten Medikamente auch diskret und günstig via Versandapotheke beziehen. Helsana arbeitet mit folgenden vier etablierten Versandapotheken zusammen: MediService, xtrapharm, Zur Rose und Rothaus Direct.

VII. Kann ich die Medikamentenpreise vergleichen?

Ja, diese Möglichkeit gibt es. Auf der Online-Plattform Mymedi.ch lassen sich die in der Schweiz zugelassenen und kassenpflichtigen Medikamente schnell und einfach vergleichen. Dazu tippen Sie im Dialogfeld den Wirkstoff oder den Namen des Präparats ein und bestätigen dies mit der Eingabetaste. Das Tool führt daraufhin die Preise des Originalpräparats und des entsprechenden Generikums auf. Das entsprechende Sparpotenzial wird gleich neben dem Verkaufspreis aufgelistet. Mymedi.ch ist unabhängig und bezieht die Daten von den offiziellen Publikationen von Swissmedic, dem BAG und den geprüften und offiziell zugelassenen Patienteninformationen.

VIII. Warum soll ich Generika verwenden?

Generika wirken wie Originalpräparate. Sie enthalten dieselben Wirkstoffe, sind aber günstiger als das Original. Als Versicherter bezahlen Sie für Generika nur den üblichen Selbstbehalt, nämlich 10 Prozent, bei den Originalmedikamenten aber zum Teil 20 Prozent. Immer mehr Firmen stellen heute neben dem Originalpräparat auch gleich das Generikum selbst her. Ein Beispiel: Sortis, ein weitverbreitetes Originalmedikament zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut, kostet 150.15 Franken. Das Generikum derselben Firma kostet 76.25 Franken, das günstigste Generikum sogar nur 68.80 Franken. Der Versicherte bezahlt bei Sortis einen Selbstbehalt von 20 Prozent, das entspricht 30 Franken. Beim günstigsten Generikum zahlt der Versicherte hingegen nur 6.90 Franken, das entspricht einem Selbstbehalt von 10 Prozent. Generika tragen wesentlich dazu bei, die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen – und das ohne Einbussen auf die therapeutische Wirkung. Laut Schätzungen liegt hier das jährliche Sparpotenzial bei rund 400 Millionen Franken. Auch bei biotechnologisch hergestellten Medikamenten gibt es Nachahmerprodukte, diese heissen Biosimilars und sind ebenfalls günstiger als das Original.

IX. Welche Packungsgrösse soll ich kaufen?

Das teuerste Medikament ist jenes, das Sie nicht anwenden und zu Hause aufbewahren, um es nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums unbenutzt zu entsorgen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Medikamente nicht auf Vorrat zu besorgen. Wer über einen längeren Zeitraum Medikamente zu sich nehmen muss, sollte grössere Packungen vorziehen. Diese sind im Vergleich zu den kleineren Packungen pro Tablette und Tagesdosis in der Regel günstiger. Wenn die Behandlung nur über einen kurzen Zeitraum erfolgt, bieten sich kleinere Packungen mit weniger Tabletten an. In der Regel verschreibt der Arzt zu Beginn einer Therapie eine kleine Packung des Präparats, um zu sehen, wie das Medikament bei Ihnen wirkt und wie Sie es vertragen.

Text: Andrea Hohendahl