November 2015

Shopping im Medikamentenland

Medikamente verursachen über 20 Prozent der Leistungskosten in der Grundversicherung. Wie ermöglichen wir unseren Kunden Einsparungen? Wie den Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung? Die Leistungseinkäufer bei Helsana kümmern sich darum.

Frau

Daniela Zimmermann-Fehr, Leiterin Leistungseinkauf Pharma und Medizinprodukte bei Helsana

Die Finger der Patientin sind schmerzhaft entzündet. Rheumatoide Arthritis. Sie nimmt das Medikament Humira. Eine Packung kostet über 800 Franken. Der Preis wird vom Bundesamt für Gesundheit festgelegt. Ist das Medikament auf der Spezialitätenliste, muss es so von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen werden. Schnell kostet eine solche Behandlung 20 000 Franken oder mehr im Jahr. «Trotzdem sind auch hier Kosteneinsparungen möglich», sagt Daniela Zimmermann-Fehr. Sie leitet bei Helsana den Leistungseinkauf im Bereich Pharma. «Wäre nämlich die Patientin bei Helsana grundversichert, könnte sie das Medikament per Partnerversandapotheke günstiger beziehen und hätte zudem Anspruch auf kostenlose Zusatzleistungen, etwa Verbrauchsmaterial oder telefonische Therapieunterstützung.»

Damit solche Kundenvorteile möglich sind, verhandeln Zimmermann-Fehr und ihr fünfköpfiges Team mit ausgesuchten Partnern im Schweizer Gesundheitsmarkt, vom Hersteller bis zum Arzt oder Apotheker. «Wir Leistungseinkäufer sehen uns als Treuhänder der Kundinnen und Kunden. Wie können wir ihnen Kostenvorteile für Arzneimittel und Medizinprodukte ermöglichen? Wie den Zugang zu bezahlbarer medizinischer Besserversorgung sichern?», so Zimmermann-Fehr. «Wir kaufen jedoch nichts ein, wie der Name Leistungseinkauf vermuten lässt. Stattdessen handeln wir mit Anbietern günstigere Bezugskanäle aus, sorgen für Rabattweitergaben, auch durch Weitergabe von Währungsvorteilen, und Zugang zu innovativen Produkten und Methoden, für die es noch keine Zulassung oder Regelung in der Schweiz gibt, wohl aber im Ausland.»

Leistungseinkauf Grafik mit Text

Zugang zu Therapien ermöglichen

Immer wieder sind Patientinnen und Patienten auf ein Arzneimittel angewiesen, das für ihre spezifische Erkrankung in der Schweiz noch nicht anerkannt ist und somit von der Grundversicherung grundsätzlich nicht übernommen wird. Dies kann der Fall sein, wenn die für die hiesige Zulassung notwendigen Studien noch nicht abgeschlossen sind oder die Krankheit sehr selten ist. Solche Arzneimittel dürfen nur in schwerwiegenden Fällen bezahlt werden, wenn es kein anderes zugelassenes Medikament gibt und die Wirksamkeit ausgewiesen ist. Hier kann der Krankenversicherer anhand des therapeutischen Nutzens die Höhe der Vergütung bestimmen. «Dank Partnerschaften mit Pharmafirmen können wir unseren Kunden den geregelten Zugang zu diesen innovativen Therapien ermöglichen.»

Der Kundennutzen steht im Vordergrund

Im Patientenbeispiel mit dem Rheumamittel Humira arbeitet Helsana unter anderem mit der Versandapotheke Rothaus Direct zusammen. Diese ist spezialisiert auf die Versorgung mit Medikamenten bei Rheuma und Erkrankungen des Nervensystems wie Multipler Sklerose. «Eine Versandapotheke ist für den Kunden sehr komfortabel. Er muss nicht extra in die Apotheke, das Medikament wird diskret und schnell nach Hause geliefert und direkt mit Helsana abgerechnet. Gerade sehr teure Produkte hat ein Apotheker selten an Lager.» Versandapotheken sind ein wachsendes Kundenbedürfnis. Sie erreichen bei Helsana fast zehn Prozent des Apothekenmarktes und setzen jährlich 55 Millionen Franken um.

Kunden der Helsana-Gruppe können die meisten Medikamente zudem bei Mediservice, xtrapharm und Zur Rose vergünstigt beziehen. Damit entstehen Einsparungen von fast sieben Millionen Franken im Jahr. Auch bei Brillen und Kontaktlinsen sparen die Versicherten und Helsana bei Optikerpartner McOptik dank Rabatten mehrere Millionen Franken ein. «Unsere Kunden profitieren direkt von tieferen Selbstkosten», so Zimmermann-Fehr, «und indirekt von stabileren Prämien, weil jede Kostendämpfung zur Entlastung im Gesundheitssystem beiträgt.» Helsana pflegt auch Partnerschaften zu Ärztenetzen, Labors und Anbietern von medizinischen Hilfsmitteln. Leistungseinkäufer müssen neben medizinischen Experten gute Analytiker sein und Informationen interpretieren können. «Der Pharmamarkt bleibt nicht stehen. Wir verfolgen intensiv die Entwicklungen medikamentöser Therapien und Analyseverfahren», so Zimmermann-Fehr, die selbst Medizinerin ist und lange in der Pharmabranche arbeitete. Wenn beide Verhandlungspartner am Tisch sitzen, müsse die Chemie stimmen und die Bereitschaft, gemeinsam ein für die Versicherten nutzbringendes Angebot zu erarbeiten. «Marketing-Floskeln ohne Inhalt und unrealistische Geschäftsmodelle erkenne ich sofort.»

Text: Daniela Schori