September 2014

Wie uns die Zukunft gesund macht

Was sich in Forschungslaboren tut, tönt nach Science-Fiction: Da werden Organteile ausgedruckt und künstliche Augen erprobt. Apps sind bereits zur Stütze von Patienten und Ärzten geworden.

Künstliches Sehen

Eine fast blinde Australierin hat 2012 erstmals den Prototyp eines bionischen Auges eingesetzt bekommen. Das «Auge», das nur im Laborbetrieb und sehr eingeschränkt funktioniert, soll stark Sehbehinderten in Zukunft das Augenlicht zumindest teilweise wiedergeben. Vorerst ist das «Auge» mit 24 Elektroden ausgestattet und wird in den Bereich der Aderhaut implantiert. Es stimuliert die gleich daneben liegende Netzhaut mit elektrischen Impulsen. Die visuellen Informationen werden ans Gehirn übermittelt und dort zu einem Bild zusammengesetzt. Das bionische Auge ist für Leute konzipiert, die unter einem erblichen Verlust des Augenlichts namens Retinitis pigmentosa oder an einer Makuladegeneration leiden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen für Blindheit im Alter. Mit dem Implantat sollen Patienten schärfere Kontraste unterscheiden und damit unabhängig mobil sein können.

Pillenkamera

Eine Magenspiegelung ist nicht angenehm. Nun erproben japanische Forscher etwas, das sich «schlucken» lässt: ein Kapselendoskop namens «Meerjungfrau», das von der Speiseröhre bis zum Dickdarm durch die Gedärme schwimmt und dabei zwei Fotos pro Sekunde schiesst. Die Nixe hat eine «Schwanzflosse», mit der sie sich bis zu zehn Stunden selbst steuert. Ihr Durchmesser beträgt 1 cm und ihre Länge 4,6 cm. Sie wird mit einer Minibatterie und einem Elektromagneten betrieben. Er erlaubt Ärzten, die «Meerjungfrau» für präzisere Bewegungen mittels Joystick fernzusteuern.

Injektionen ohne Nadeln

Forscher in Boston haben ein Gerät entwickelt, das Medikamente einem Laserstrahl gleich unter die Haut spritzt. Ein Computerchip steuert Geschwindigkeit und Druck des Strahls präzise. Der Apparat soll mit einer Messung der Hautdicke und -elastizität kombiniert werden, damit sich Druck und Geschwindigkeit exakt darauf ausrichten lassen. Das Gerät soll zudem Hautunterschiede erkennen können. Damit könnte sichergestellt werden, dass der Patient und nicht aus Versehen ein Arzt oder Pfleger die Injektion erhalten.

Organe aus dem Drucker

Wissenschaftler experimentieren mit einer Technik, die es erlauben soll, den Mangel an Spenderorganen künftig mit 3-D-Druckern zu beheben, die aus lebenden Zellen echte Organe erzeugen. Forscher in North Carolina züchten Zellen aus kleinen Gewebeproben unter Einsatz von Stammzellen. Sie erstellen ein Gerüst, das der Form des Gewebes entspricht, dann kommt ein modifiziertes Inkjet- Druckverfahren zum Einsatz. Um Brandwunden zu behandeln, werden Hautzellen mit wichtigen Zusatzstoffen in eine Patrone gegeben, sodass sie direkt auf die Wunde «gedruckt» werden können. Wissenschaftler der Washington State University haben wiederum einen Tintenstrahldrucker zu einem 3-D-Drucker umgebaut, der Material ausdruckt, das menschlichen Knochen stark ähnelt. Künftig könnten Ärzte und Zahnärzte so massgeschneidertes Knochenmaterial für Patienten bestellen.

Smarte Apps

Gewicht oder Stresspegel – dank Apps boomt der Trend zur Selbstvermessung. Smartphonebesitzer können ständig unter neuen Anwendungen im Bereich Gesundheit wählen. Tragbare Messgeräte und Sensoren funken die Körperdaten automatisch an die Smartphones und vereinfachen die Verarbeitung der Informationen. Für Diabetiker etwa gibt es sehr nützliche Apps, die das Selbstmanagement der Krankheit erleichtern. Einen guten Ruf unter Experten geniesst der «Diabetes Companion», ein Blutzucker-Tagebuch mit motivierenden Animationen. Die eingetragenen Werte können per Mail versandt oder in einem Dropboxkonto gespeichert werden. Die App «GoCarb», die gerade in Bern entwickelt wird, berechnet den Kohlehydratgehalt von Speisen und soll es einfacher machen, Mahlzeiten zu planen.

Redaktion und Aktualisierung der Texte: Juliane Lutz / Quelle der Texte 1-4: Credit Suisse, Global Investor 2.12