Ausland

Lebensgefahr-auf-Ko-Samui

Ferien sind die schönste Zeit des Jahres. Umso schlimmer, wenn ein Unfall oder eine Erkrankung im Ausland plötzlich alle Pläne zunichtemacht. Damit für Arzt-, Spitalund Rückführungskosten nicht Tausende von Franken anfallen, sollten Reisende für diesen Fall ausreichend geschützt sein. Beatrice Ammann, Werner Seiler und Maya Muraro erzählen, was ihnen im Ausland passierte und wie ihnen geholfen wurde.

«Ich bin Hüttenwirt in Davos und verbringe seit Jahren die Zeit zwischen April und Juni in Thailand. Dort treffe ich mich mit Freunden, denen nach dem langen Winter ebenfalls der Sinn nach Wärme steht. Als ich Wasser für einen Segeltörn an Bord bringen wollte, rutschte ich aus und fiel auf den Rücken. Danach fingen die Atemprobleme an, die ich auf den Sturz zurückführte. Ich bin sehr sportlich, doch aufgrund der Atemprobleme hörte ich mit Jogging und Schwimmen auf. Dass mein Bauch dicker wurde, schrieb ich dem Sportmangel zu. Als meine Frau nach Thailand kam, wunderte sie sich über meine kräftig gewordenen Waden. Mit den Tagen nahmen die Probleme beim Luftholen derart zu, dass ich keine zehn Meter gehen konnte. Meine Frau drängte mich, zum Arzt zu gehen. Auch ich machte mir Sorgen. Kurz vor dem Arzttermin fühlte sich mein Oberkörper an wie in einen Reif gespannt. Das Schlafen und Stehen fiel mir schwer.

Vier Liter Wasser in der Lunge

Im Bangkoker Bumrungrad International Hospital sagte mir der Arzt, dass meine Lunge in Ordnung sei. Die Atemprobleme wurden durch vier Liter Wasser verursacht, die sich dort angestaut hatten. Eine Ultraschalluntersuchung ergab den Grund: Meine linke Aortenklappe brachte nur noch 25 Prozent Leistung. Von Geburt an habe ich einen Herzklappenfehler, der jedoch nie Probleme verursacht hatte. Ausserdem liess ich mich alle drei Jahre gründlich untersuchen. Viel Zeit hätte ich mir nicht mehr lassen dürfen, meinte der Arzt. Sonst wäre ich erstickt. Er schlug mir eine Operation vor Ort vor. Das kam für mich nicht in Frage. Ich wusste von Bekannten, dass die Spitalärzte sehr gut waren. Aber in einer Grossstadt wie Bangkok mit enormer Abgasbelastung und in klimatisierten Räumen wieder auf die Beine zu kommen – nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Auch führten Sprachprobleme immer wieder zu Missverständnissen.

Langstreckenflug mit Arzt

Seit Kindheit bin ich bei Helsana mit allen Zusatzversicherungen ausgestattet und rief deshalb meinen Davoser Hausarzt an, der die Notrufzentrale von Helsana kontaktierte. Von da an ging alles sehr schnell. Innerhalb eines Tages meldete sich eine Mitarbeiterin und sagte mir, dass mein Fall übers Wochenende abgeklärt werde. Am Montag um 9 Uhr würde ich wieder von ihnen hören. Es hat mich beeindruckt, dass dieses Versprechen trotz der Zeitunterschiede auf die Minute eingehalten wurde. Um zurückfliegen zu dürfen, musste ich vor Ort eine Herzkatheter-Untersuchung machen lassen. Wenig später erfuhr ich, dass ein Arzt aus der Schweiz am 9. Juli in Bangkok ankommen und mit mir am nächsten Tag nach Hause fliegen würde. Als er dann an meinem Spitalbett stand, war ich froh, mit ihm in meiner Sprache reden zu können. Er beruhigte mich und meinte, es werde alles gut gehen. Helsana hatte mich von Thai Airways auf Swiss umgebucht. In der Business Class wurde der Sitz zum Bett umgeklappt, und so konnte ich schlafen. Der Arzt hatte den Platz neben mir und versorgte mich mit Sauerstoff. Wenn es einem schlecht geht, tut die Gewissheit, dass da jemand neben einem sitzt und hilft, unendlich gut. Die Sanitäter warteten am Flughafen Zürich bereits hinter dem Zoll. Am 13. Juli erhielt ich eine neue Herzklappe. Es war grossartig, wie schnell und unbürokratisch meine Rückführung organisiert wurde. Mit ein paar Telefonaten war für mich alles erledigt. Der Zwischenfall hat meine Reiselust nicht geschmälert. Das hätte überall passieren können. Ich freue mich schon wieder darauf, meine Freunde in Thailand zu treffen.»

Quelle: Sensoausgabe 2013